Zwischenräume

2011/2012 waren wir das erste Mal länger in der Stadt und haben jeden Bezirk besucht, sämtliche Sehenswürdigkeiten „abgearbeitet“. Nun gilt es die Zwischenräume zwischen den interessanten Punkten zu entdecken und so entscheiden wir uns für einen Besuch der Yanesen. Darunter subsumiert der kostenlose Reiseführer drei Gebiete der Tokyoter Unterstadt: Yanaka, Nezu und Sendagi. Mittelpunkt ist wohl eine kleine Straße mit vielen unterschiedlichen Geschäften und kleinen Restaurant, allen gemeinsam ist ihre Konzentration auf Katzen.

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Danach haben wir den Yanaka Friedhof (überall steht Cemetery; das klingt irgendwie netter….) durchquert, um nach Taito-ku zu kommen. Das liegt theoretisch nahe und dort werden wir beim zweiten Mal in Tokyo wohnen.

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Der Friedhof ist groß und – bedenkt man seine Funktion – sehr belebt. Sogar eine Polizeistation gibt es zwischen den Steinen.

Nach dem Friedhof machen wir uns auf den Weg nach Ueno bzw. genauer nach Taito-ku, denn dort ist unsere nächste Unterkunft in Tokyo und wenn wir schon einmal in der Nähe sind. Um´s kurz zu machen: a bisserle sind wir im Kreis gegangen… Aber die Sonne scheint und Ueno Station ist nicht weit. Vorbei am naturhistorischen Museum wieder zur Station.

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Denn nach getaner Arbeit war das erstrebenswerte Ziel ein indisches Restaurant. Ja, ich weiß, was müssen´s jetzt in Tokyo indisch essen. Aber in Wien essen wir nun auch nur jeden zweiten Tag Schnitzel. So suchen wir in Ameyoko und finden etwas Abseits ein Lokal, das nicht sehr günstig und auch nicht sehr gut, aber passabel ist. „Where do you come from? Europe! Do you like Japan?“ „Do YOU like Japan?“ „It´s to cold, to hot and everyone is busy“. Naja, irgendwie hat er recht.

Einen neuen Daiso haben wir an diesem Tag nicht gefunden. Ok, einen „Can do“ in Yanaka,aber der zählt nicht. Wir fahren zurück nach Oji und ich kaufe Instantkaffee,der sich als Tee herausstellt. Dann ist Schluss für den Tag.

 

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Kleinere Abweichungen

Wenn ich über Japan erzähle höre ich recht oft die wohl eher rhetorisch gemeinte Frage: „Aber die sind schon ganz anders? Also ich meine, die Kultur ist dort schon sehr fremd, gell?“ Darauf antworte ich genauso oft, dass ich eher das Verbindende wahrnehme, denn das Trennende. Aber jetzt einmal Butter bei die Fische (wie unsere deutschen Freund*innen, warum auch immer, sagen.): Es gibt schon so das Eine oder Andere, das hier anders schmeckt, riecht, kostet oder ausverhandelt wird. Hier wird auch im Dezember Wasser mit Eiswürfel gereicht (dafür allerdings gratis) und die Menschen trinken gekühlte Getränke in überhitzten Räumen. Dafür haben manche junge Frauen unter dem Minirock KEINE Strumpfhose an oder tragen Schlapfen.

Auch beim Essen gibt es mehr oder weniger charmante Unterschiede: Statt Maroni gibt es heiße Süßkartoffeln und zum Frühstück Reis, Suppe, Natto, Beef, Salat u.ä.

Etwas verbindlich Trennendes gibt es nicht nur zu Weihnachten: Die Sets (jap. Setto). Erinnert an die Geschenkskörbe vom Meinl, allerdings hier mit allem, was man sich vorstellen kann: Kaffee, Tee, Süßigkeiten, Wurst, Schinken, Kleidung….

Neben den diversen Gestecken und Reiskuchen, die zu Neujahr wichtig sind, kann der/die kosmopolitische Japaner*innen so auch das Weihnachtsessen schlechthin kaufen: Richtig! Kurimasukeki! Chrismascake!

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Der Vollständigkeit halber muss ich hier einen Fund aus dem Supermarkt posten, dessen Verwendungszweck ich erst recherchieren muss. Ich werde berichten. Denn es gibt zwar keinen Sellerie für die Suppe dafür gab es Hendlhaut pur.20191217_170308

Auch der generationenübergreifende Hang zu Automaten scheint mir dann doch etwas eigener als bei „uns“:

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Erfreulicher als noch vor drei Jahren: Die Netzabdeckung mit Free-WIFI.

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Besonders, da ich meinen bilingualen Stadtplan vergessen habe und auch in Jimbocho, dem (zumeist antiquarischen) „Bücherbezirk“ Tokyo keiner zu bekommen war. Wenigsten machte Akihabara seinem Ruf als Elektronikhotspot alle Ehre: Meine Kamera hat jetzt eine Abdeckung mit Bandl und eine Herrenhandtaschenschlaufe.

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Die Bilder mit blinkenden Leuchtreklamen und viel Blingbling aus Akihabara sind bekannt. Wenn ich den Plan richtig gelesen habe, so gehören die Häuser rechts des Flusses auch zum Stadtteil. Ein ganz anderer Ausschnitt.

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Im Osten (noch) nichts neues

Das Versenden des Bloglinks motivierte mich zur kontinuierlichen Textproduktion. Aber sim ma sichs ehrlich: Wer will schon etwas lesen von jemandem, die gerade nichts zu sagen hat? Also werde ich nach diesem Post nicht mehr den Tag als Maß der Dinge nehmen, sondern die Mitteilungswürdigkeit.

Ob der Wecker heute früh geläutet hat oder nicht, konnten wir trotz eingehender Diskussion nicht eruieren. Jedenfalls waren wir erst gegen Mittag startklar. Bei der Haustür haben wir die Vermieterin getroffen. Sie war erst in Wien und gerade auf dem Weg ins Fitnessstudio. Wir essen in einem Imbiss zum Frühstück das Mittagessen und fahren mit der Metro zum TourismusCenter in Asakusa. Dort raffen wir ein paar Broschüren an uns. Zum Verweilen lädt das überhitzte Gebäude nicht so recht ein. Spannende Intervention! Seltsamer Zugang: Viele öffentliche Gebäude sind überheizt, dafür trinken dann die Japaner*innen im Doutur iced Kohi (Kaffee auf Eiswürfel)

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Wikipedia schreibt: “

Der Asakusa-Schrein (jap. 浅草神社, Asakusa-jinja) ist ein Shintō-Schrein neben dem buddhistischen Tempel Sensō-ji im Stadtteil Asakusa (sprich: Asaksa) des Stadtbezirks Taitō von Tokyo […]. Er wurde im Jahr 1649 von Tokugawa Iemitsu errichtet. In ihm werden die drei Männer verehrt, die für den Bau des benachbarten Sensō-ji verantwortlich gewesen sein sollen. Der Legende nach sollen]zwei von ihnen, die Fischer-Brüder Hinokuma no Hamanari (檜前浜成) und Takenari (檜前竹成), im Jahr 628 eine Statue der Bodhisattva Kannon ( eine a bisserle komplizierte Geschichte, aber bitte: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Kannon)  im Sumida-Fluss gefunden haben. Die Fischer sollen die Statue in den Fluss zurückgeworfen haben, worauf sie aber jedes Mal aufs Neue aufgetaucht sein soll. Der Dorfvorsteher Haji no Atai Nakatomo (土師真中知), bzw. Haji no Nakatomo (土師中知) soll so ihre Heiligkeit erkannt und daraufhin den Tempel um sie herum errichtet, sowie die beiden Brüder zum Buddhismus bekehrt haben. Im Schrein werden viele Feste (Matsuri) ausgerichtet, darunter eines der drei größten Matsuris Tokios, das Sanja-Matsuri, das über einen Zeitraum von drei bis vier Tagen an einem Wochenende im Mai jeden Jahres stattfindet. An seinem Höhepunkt werden an die 100 tragbare Schreine (Mikoshi) durch die Straßen des Viertels getragen.

Wir queren die Kapabashi, die Geschirrstraße Tokyos. Ich frage eine Passantin nach dem Namen der Straße und sie versteht mich! 🙂 Ich lerne Japanisch nicht fleißig und schon garnicht regelmäßig, also freut mich dieser „Dialog“ sehr. IMG_0033

Wir kommen nach UENO.

Von dort gibt es nichts Spannendes zu berichten: Wir trinken Kaffee, besuchen einen Book-off (Second Hand Buchgeschäft) und einen Daiso ausführlich. Ich habe einen Sammelcoupon für (verbilligte) Handtücher bekommen – Sugoi. Am Rückweg essen wir nicht so gut, nachdem wir unser zweites Quartier in Tokyo besuchen wollten. Die Zeit verinnt. Es ist später Abend. Wir fahren mit der Metro nach Oji und ich kaufe Bier und alibihalber Joghurt. Dann sammle ich P. im nächsten Beserlpark ein und wir gehen nach Hause.

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Oji again

Nach immerhin 1,5 Std. Schlaf fahre ich zum Flughafen und frühstücke bei MacD. (Was für eine Niederlage). Frau Petra (Nachname habe ich wegen des Lärms auch beim Nachfragen leider nicht verstanden) sperrt mein Handy, damit keine Kosten anfallen und freut sich über meinen Dank.

Wir fliegen mit ANA. P. hat sich etwas bei seiner Wahl der allerletzten zwei Sitzplätze in der letzten Reihe gedacht. Er weiß nur nicht mehr was. Ich auch nicht. Es war wohl nicht alles bedenkbar. Wir bekommen als das Letzte und unvollständig. Auch meine Ansage, ich brauche keine Business Class muss ich revidieren: Ich brauche zumindest Platz, um arbeiten zu können. So lese ich über Identitätskonstruktion durch Geschichten erzählen, sehe einen melodramatischen japanischen Film (melodramatisch sind aber ohnehin fast alle Filme aus Japan.) über schwierige Menschen mit komplizierten Beziehungen (Die Adjektiva können getauscht werden.) und ordne anschließend meinen Desktop während ich einem Animationsfilm in Japanisch lausche und keine Ahnung habe, um was es geht.

In Haneda gelandet, geht es zügig weiter. Wir wohnen wieder in Kita ku. Ein ruhiger Wohnbezirk. Der Treffpunkt ist ein roter Postkasten beim nördlichen Ausgang der Oji Station. Ich suche WLAN und gehe von Eck zu Eck, um schließlich entnervt, eine Telefonzelle zu nutzen. Unser Vermieter fährt einen klinisch reinen BMW und ist kein Freund von großen Wort. Er spielt(e) Golf und hatte wohl einen Schlaganfall. Es stellt sich heraus: P. hat eine ganze Wohnung gemietet und wir haben viel Platz. Die Wohnung ist staubig und die Klobrille mit Stoff beklebt. Aber hallo: we are back again!

Nach dem „Check in“ machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Ikebukuro. Die Luft riecht nach Malz und Sojasauce. Ich mag diese Mischung aus Provinz und Metropole.Immer noch stehen in Nischen und vor Eingängen enger, schmaler Hochhäuser, die komprimierten Wohnraum anbieten, Blumentöpfe und allerlei Bepflanztes.

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Wir stürzen in den erstbesten Imbiss und essen Bowls: Totemo oishii desu!

P. schwächelt nach 2/3 des Weges. Deshalb gibt´s vor Ort nur einen Kaffee bei Doutor und einen Anstandsbesuch beim lokalen Hyakuenshop. Wir fahren mit dem JR (JapanRailways) zurück, kaufen im „Supa“ in Oji etwas zu essen und suchen „unsere“ Wohnung. Nach etwas Homeoffice und Recherche ist es für den Tag gut; um 2Uhr.

Ikebukuro

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I´ll be back

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Die letzten Vanillekipferl für meine japanischen Freund*innen sind im Rohr, das obligate Weihnachtspräsent für Herrn Wagner, unseren Postzusteller ist verpackt und in einer gewissen naiven Jugendlichkeit habe ich die Japanischgrammatik herausgerichtet, verbunden mit der Hoffnung, ich könnte morgen während des Fluges, das immer-noch-nicht-gelernte nachholen (Nach der Bearbeitung alter Emails, Vorbereitung neuer Projekte, dem Lesen eines interessanten Buches, dem Schlafen….)

Watashitachihanihonniikimasu. Sugoii!

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Tokyo – Anfang und Endpunkt

Die letzte Woche in Tokyo plätschert so dahin. Auch, weil mich die Unfallverletzungen etwas einschränken. So bin ich z.B. bei unserem Ausflug nach Kamakura sehr müde.

Trotzdem war der Ausflug schön. Am schwarzen Strand umspült das Meerwasser die Füße, endlich den großen Buddha von Innen zu sehen  (am Tempelgelände sind PokémonjägerInnen unerwünscht) und schließlich in einem Antiquariat eine Zeichnung von Kamakura von einem gelangweilten Buchhändler zu erwerben, der uns während unserer Stöberei im Laden nicht eines Blickes würdigte; die wirklich interessanten Werke können die eh nicht lesen oder so…

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Dann besuchen wir neben vielen Daisos und Hyakuenläden auch einen Flohmarkt, der leider nicht einmal ein interessantes Fotosujet bietet.

Ich treffe an einem der Tage N. wieder. Das Baby ist wieder gesund, mag mich aber immer noch nicht so recht und mein blaulilafärbiges Gesicht macht´s nicht besser, obwohl ich der Kleinen einen Folder zum Verspeisen opfere. N. hat ein Geschenk für eine japanische Freundin in Wien. Sie kocht mir eine japanische Gemüsesuppe mit Gobo, Rettich und Fleisch und noch anderes.

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Wir essen viel, reden über die Reise, über Babys und über die Zeit in Wien. „Es sind jetzt vier Jahre her?!“, sagt sie, „Aber als ich dich bei der Metro getroffen habe, war es, als wäre keine Zeit vergangen.“ Am Tisch stehen zwei Boxen mit Taschentüchern.

Am frühen Nachmittag bin ich mit P. in Komagome verabredet.

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Dort liegt der Rikugienkoen, einer der wichtigsten Wandelgärten, der in der Edozeit angelegt wurde. (Siehe auch den Koen in Kanazawa) Es ist ein Wiederbesuch. Ehrlich im Winter hat er mir besser gefallen. Vielleicht auch weil mich Gelsen ab einem gewissen Zeitpunkt nervös machen. Aber einen Besuch ist dieser Park jedenfalls Wert.

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Die restlichen Tage lassen wir uns so durch die Stadt treiben. Gehen in Kapabashi auf erfolglose Geschirrjagd, essen in Ikebukuro im „Lunchpepper“ oder „Pepper lunch“ Steaks und finden auf einem Flohmarkt in Shinjuku doch noch etwas: Einen Fächer, von dem ich nicht ganz sicher bin, ob er ein Tanzfächer ist. (An diesem Tag glaube ich war es auch, dass wir den Rekord von vier Hyakuenshops erreicht haben.)

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Ja, und in Oji waren wir natürlich auch noch einmal. Am Vorplatz trommelt eine Frauengruppen leidenschaftlich und mitreißend.

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Im Obergeschoss über dem Supermarkt liegt eine Bowlinghalle und eine Spielhölle inklusive zweier Karaokekabinen.Eine ist (leider) frei.

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Eine Runde Patchinko habe ich ob des traumatischen Gesangserlebnisses und des hohen Einsatz am letzten Tag nicht mehr geschafft. Aber ich muss mir noch etwas für den nächsten Besuch aufsparen.

 

 

 

 

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Kanazawa – crime scene

 

Einer Empfehlung einer japanischen Bekannten nach, machen wir uns frühmorgens auf in die Stadt Kanazawa. Laut Fahrplan brauchen wir bis zur Osaka Station mit der U-Bahn nur 15min, aber wir fahren ja nicht Metro, sondern JR und da finde ich keine Zeitangaben. Also schätzen wir grob, geben noch einen Zeitpuffer dazu und lassen den Wecker um 7Uhr 30min läuten. Warum auch immer verlieren wir beim Aufbruch Zeit und es gilt, sich zu eilen. Als wir den Kasten verlassen. empfängt uns gleich einmal wieder diese Hitze; nicht sehr angenehm. Überraschenderweise gibt P. das Tempo vor, als hätte er den Pfefferstreuer, den wir seit Tokyo im Gepäck habe, mangels Alternativen im Popo. Muss ich mir für andere Gelegenheit merken.

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(Figur auf einem riesigen Postkastl in der Bahnhofshalle)

Wir kommen um 12Uhr in Kanazawa an und ich suche zu aller erst das Tourimuscenter auf, um Infos zu bekommen. „May I ask you, where are you from?“ „Ostorija-jin desu, Wien.“ “ Ah, Uien! Beethoven“ Naja, der war zwar Deutscher, aber macht auch nichts.

Wahrscheinlich auf der Bahnhofstoilette oder bereits im Zug haben wir uns mit einer sehr gefährlichen Tourismusinfektion angesteckt, die dazu führt, dass praktisches Alltagswissen im Gehirn nicht mehr abgerufen wird. Keine Einheimische, wo auch immer, geht bei strahlender Sonne, ca. 35 Grad im Schatten zu Mittag freiwillig hinaus. Ich täte es normalerweise auch nicht. Aber hier machen wir uns zu Fuß auf den Weg, um mit einer mangelhaften Karte, in einer fremden Stadt unser Quartier zu finden. Als Ausrede muss herhalten, dass der nächste Bus erst um 16Uhr30min fährt und man für den Weg zu Fuß gerade einmal 25min brauchen sollte. (Wenn man allerdings weiß wohin.) Wir scheitern und stranden in einem Combini irgendwo mit Sitzgelegenheit, der gerade Eröffnung oder so etwas Ähnliches feiert. Bei jeder Runde Kaffee bzw. Wasser bekommen wir eine Flasche Spülmittel geschenkt. Wir geben schließlich auf und kehren zur Station zurück. Dort scheitere ich an den hilfsbereiten Damen im Tourismuscenter mit meiner Frage nach einem vollständigeren Stadtplan, auch im Buchgeschäft gibt´s leider nur eine sehr klein gedruckte japanische Variante mit Kanji und die kann ich noch nicht. Also doch auf den Bus warten. Im Bus gibt es keine Anzeige und eher durch Zufall hören wir den Namen oder so etwas Ähnliches unserer Station. Ich drehe mich zum Kind hinter mir um und hole mir die Bestätigung, dass wir hier raus müssen und wir stürzen aus dem Bus. Dann stehen wir auf einer kleinen Straße im Irgendwo. Kein Straßenschild, keine Nummern. Ich finde einen Einheimischen und frage nach dem Weg.

 

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Es ist niemand zu Haus als wir kommen, aber alles gut beschriftet und so finden wir nach kurzer Suche unseren Raum. Er liegt im ersten Stock und ist durch einen schmalen Gang hindurch über eine steile Hendltreppe zu erreichen, deren Treppenansatz aus einem wackeligen Brettlprovisorium mit Absturzpotential – in der Hausskizze mit „Danger“ vermerkt – besteht.

Eigentlich der Ort für das perfekte Verbrechen. Mit einem beherzten Stoß ließe sich meine LebensabschnittepartnerInnenschaft (was  für ein Wort!) straffrei beenden. Aber ich nehme dann doch Abstand von dieser Tat; aus vielerlei Gründen: U.a. hätte ich ja nur einen Versuch und a schene Leich gebe das sicher auch nicht.

Wir deponieren unsere Sachen und machen uns auf, etwas Essbares zu suchen. Der Vermieter verborgt Fahrräder. Im Vorraum hängt dazu ein Plakat mit gezeichneten Fahrräder; unter jeder Zeichnung steht die Farbe des Fahrrads und darüber die Nummer des Schlosses. Wir wählen das pinke Fahrrad und das beige. Die Schlossnummern passen zum grauen und zum weißen.

Nachbarschaft: Ich weiß nicht, ob die Zeichen unter dem Lächler seinen Namen bedeutet, seinen Bezirk, seine Partei oder sein Programm, jedenfalls steht da „Hase“.

Dort wo wir wohnen scheint eine reine Wohngegend zu sein. Die Stadt beginnt erst auf der Ostseite des Bahnhofs und dort steppt auch nicht gerade der Koi. Wir fahren einfach so in der Gegend herum, finden aber kein Lokal, das uns anspricht. Also essen wir im Shoppingtempel, der an den Bahnhof grenzt, kaufen noch etwas zu trinken und fahren zurück. Inzwischen ist das Haus belebt. Im Wohnzimmer sitzt der Vermieter und eine junge Frau aus Deutschland. Die Situation ist seltsam und nach Austausch von ein paar Höflichkeiten ziehen wir uns zurück.

Kanazawa ist schön und es ist nicht so touristisch wie Kyoto, wo man entweder für alles zahlt oder es nicht betreten darf. Wir machen uns auf zum Sightseeing. Erfreulicherweise sind in Kanazawa alle sogenannten Sehenswürdigkeiten in einem Radius von 2km zu finden; sehr angenehm. Außerdem fahren wir Rad.

Wir fahren bis zum Bahnhof und dann weiter nach Osten bis zum Omi-cho Market, einem überdachten Lebensmittelmarkt, auf dem viel Meeriges angeboten wird.

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(Die Plastikschüssel, die von der Decke hängt, ist die Kassa des Händlers. Das schien mir abbildenswert.)

Wir parken unsere Fahrräder vorschriftsmäßig und machen uns zu Fuß auf zum Castle. Der Park, der den Nachbau umgibt, ist groß und fast menschenleer. Auch die Burg selbst ist dankenswerterweise nicht überlaufen. Nicht für jeden Teil der Ausstellung muss man zahlen, u.a. nicht für die Schießscharten, für die in Kyoto extra Geld verlangt wurde.

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(Kanazawa Castlepark)

(Eines der Burgtore)

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Ein Nachbau müsste doch viel eher das Gefühl seiner Zeit vermitteln können. Einziger Wermutstropfen hier in Kanazawa: Die sichtbaren Kreuzschrauben in den Bodenbrettern.

Die Treppen in der Burg waren im Übrigen noch steiler, als die in unserer Unterkunft.

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Dort wo´s grün ist, standen Jene, denen Welche Steine auf die Köpfe warfen, um sie zu verhindern.

(Blick von der Burg auf die Stadt.)

Nach dem Castle ist unser Ziel der Kenroku-en Garten. Wir haben ein Kombiticket.

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Nach dem vielen Grün stand das Noh-Museum auf dem Plan. Aber auf dem Weg dorthin, verlor sich die Motivation und wir wollten nur noch essen und trinken. Also ging´s durch den Schloss-/Burg-/Castlepark zurück zum Market. Dort fanden wir aber nichts Passendes und durch einen Regenschauer hindurch steuerten wir nach einem Lebensmitteleinkauf im Bahnhof wieder unser Quartier an. Unsere Mitbewohnerin war da. Sie kommt aus Stuttgart, studiert Flugzeuge und Satelliten zu programmieren und hilft hier ein wenig mit oder so.

Ich weiß nicht, ob hier die Gött_innen die Bestrafung von Sünden strenger nehmen als anderswo und meine verbalen Ausführungen eines mehr als fiktiven Gattenmords missfiel oder ob ich hätte mit dem Wünschen vorsichtiger sein, als ich meinte, diese Reise wäre ein wenig langweilig. Das Spektakel wurde mir geliefert. Aber alles der Reihe nach: Wir reisen am nächsten Tag ab und mir fehlt für meine legendären Bentoboxen eine Sättigungsbeilage wie es in der Küchensprache heißt.

Ein Supermarkt soll nahe sein. Also schwinge ich mich auf eines der Fahrräder. An der Kreuzung stapft mir die Deutsche entgegen, nimmt mich aber nicht wahr.

Bis zum Supermarkt bin ich nicht mehr gekommen, aber wo ich war weiß ich nicht mehr. Verschwommen glaube ich vor meinem geistigen Augen zu sehen, wie ich in ein Loch in der Straße fahre. Ich habe an den Unfall keine Erinnerung. Mein erster Eindruck danach ist, dass ich das Fahrrad schiebe und orientierungslos bin. Wo habe ich P. verloren? Sucht er mich? Ich rufe in die Nacht hinein seinen Namen. Dann versichere ich mich, dass man hier sicher auch gut aufgehoben ist, wenn man verloren geht und fahre(?) weiter. Mir dämmert, dass P. im Haus ist. Irgendwie komme ich zurück. Irgendwie ziehe ich ordentlich meine Schuhe im Vorraum aus. Die Deutsche sitzt am Tisch.“Ich hatte einen Unfall.“ Irgendwie komme ich in die Dusche und dusche ewig, bis kein Blut mehr aus meiner Nase, von meiner Augenbraue und von meinem Kinn läuft. Meine Schulter schmerzt. Am nächsten Tag offenbart sich das Ausmaß der Schäden. Hier der Beleg.

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Das Fotos ist vom nächsten Morgen, als wir in der  „German Bakery“ frühstücken. Ich entscheide mich für ein Vegetableweckerl. Das hat dann doch auch Wurst drauf. Vielleicht ist ja der Hinweis „Vegetable“ als Warnung zu verstehen. Das Essen fällt mir schwer.

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Osaka – 2nd time, 2nd try

Wir sind aus Kyoto zurück und ich bin willens meiner guten Beziehung zu dieser Stadt noch eine Chance zu geben. Denn meine ersten Eindrücke vor ca. Woche habe ich so zusammen gefasst: Osaka ist wie Tokyo ohne Sights und mit lauter Menschen, die gerade an diesem Tag keinen guten Tag haben. Diesen Eindruck muss ich ändern.

Aber wer Pech hat, hat Glück auch keines und so wohnen wir wieder im Kasten. Wenigstens finden wir ihn dieses Mal gleich. Nachdem wir unsere Sachen abgelegt haben, machen wir uns auf den Rückweg zum Nambawalk, um dort zu essen. Wir nehmen bewusst einen Umweg, um in den Seitengassen Neues zu sehen und gehen durch eine kleine Straße, in der einige Läden für Verstärker ihre Geräte anbieten. Aus einem kommt eine sehr dichte angenehme Klangwolke mit Jazz. Sehr nett.

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Dann haben wir auch schon den whole sale market erreicht. Hier werden Märkten in

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to be continued

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Kyoto: Route „Please Keep out“

Neues Spiel, neues Glück. Wir verlassen den Kasten in Osaka gegen 10Uhr. Nach einem etwas nervigen Gefummel am Schlüsselkasten steuern wir zügig den Nambawalk an, um dort ausgiebig zu frühstücken und vor allem im Internet zu tun. Denn die Fahrt nach Kyoto dauert nur 30min und der Check-in dort ist erst nach 15Uhr. Wir finden eine Bäckerei, die zwar für unsere Verhältnisse vor Ort nicht gerade günstig ist, aber sehr gut. Toast mit Ei (warm), Kaffee und anderes machen die nächsten 1 1/2 Std. mehr als erträglich.

Gegen 14Uhr fahren wir nach Shin-Osaka und steigen statt in den Shinkasen schließlich in einen JR Rapid ein. Nun, die Fahrt dauert statt 15min halt 26min, aber das ist mehr als verkraftbar.

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Wir sind at Kyoto Station. Ich versorge uns mit Touristinformation und wir fahren mit dem Bus weiter zu unserer Unterkunft. Unser Vermieter hier hat alles sehr genau beschrieben und erfreulicherweise im Netz sehr gute Bewertungen und so finden wir unsere Bleibe ohne Irrungen.

Wir wohnen in einer Tatamiwohnung im 6F. Blöd nur, das der Aufzug kaputt ist. Es gibt hier in drei Etagen „Zimmer“. Auf jeder Etage sind acht Einheit. Eine davon wird als Gemeinschaftsdusche oder Küche genutzt. Ist wohl ein herunter gekommenes Wohnhaus. Die Türen sind aus Metall und es ist staubig.

Ich wüsste gerne mehr über die Menschen, die hier gelebt haben. Aber es bieten sich keinerlei Hinweise. Schade irgendwie. Am Abend bildet der etwas zu sehr inszenierte Sex von zwei jungen Deutschen deren Höhepunkt des Tages. Die Wände sind hier dünn. Nach dem „Einchecken gehen wir die Straße entlang, um noch eine Kleinigkeit zu essen. Wir wohnen nahe dem goldenen Pavillon, einer sehr bekannten Sehenswürdigkeit hier. Aber das gibt´s morgen. Denn hier tut sich erst ab 9 Uhr Vormittag etwas (nicht, dass ich um die Zeit schon was tun wollte), aber dafür ist dann auch gegen 17 Uhr schon wieder Schluss. (Also täte ich, wenn möglich ja doch früher…)

Am nächsten Morgen starten wir los zum Kinkaku-ji (jap. 金閣寺, dt. „GoldenerPavillon-Tempel“). Er liegt wirklich um´s Eck. Allerdings wissen wir gar nicht so genau, auf was wir hinsteuern und der Grad der Absurdität wächst, je stärker uns der Strom an Tourist_innen mitzieht. So beschließen wir am Eingang umzukehren. Erst einmal recherchieren.

Durch Nebenstraßen, in denen kleine Geschäfte so die alltäglichen Dinge anbieten, gehen wir zum Palast. Es ist interessanter, am Leben einer Stadt – zumindest peripher- teilhaben zu dürfen, als ihre Reliquien zu fotografieren.

 

(To be continued)

 

 

 

 

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Shirahama – ein Tag am Strand

Wir pfeifen auf Sightseeing. Ist ohnehin zu heiß für alles. Außerdem möchte P. an den Strand. So fahren wir ca. 2Std. mit dem JR nach Shirahama. Den Strand hat uns die deutsche Orientierungshilfe vom ersten Tag empfohlen.

Ein Einschub: Hier trinken alle leidenschaftlich gerne „Ice kohi“ Eiskaffee. Aber nicht das, was wir darunter verstehen: mit Vanilleeis und viel Schlag. Hier ist es Kaffee mit Eiswürfel. Etwas halbherzig hatte ich vor, das auch zu probieren.

Wir müssen in Tennoji umsteigen und haben zwischen den Zügen Zeit – für Kaffee. Der Bahnhof ist laut und mein Wunsch nach einem heißen Kaffee zu dieser Jahreszeit unüblich bis unverständlich und so habe ich rascher als ich Widerstand leisten kann, einen Becher mit Eiswürfel in der Hand und den Hinweis, wo ich am Automat drücken muss. Na gut, dann ist es eben jetzt. Dann trinken wir „Ice kohi“. War gut.

Am Bahnhof in Shirahama werden alle TouristInnen professionell eingewiesen, denn zum Strand muss man noch ein Stück mit dem Bus fahren.

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Der Strandabschnitte ist kurz und auch das „Zu-weit-hinausschwimmen“ ist nicht erlaubt.

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Ich bade das zweite Mal in meinem Leben im Meer. Das letzte Mal war vor mehr als 25 Jahren in Kroatien. Das Wasser ist warm, sogar für mein stets erfrorenes Gemüt und einigermaßen sauber. Der Dresscode hier lässt das Burkaverbot an anderen Stränden absurd erscheinen. Her gehen Männer wie Frauen teilweise mit Ganzkörperbekleidung ins Wasser. Außerdem scheint es, dass viele der Erwachsenen nicht schwimmen können. (Oder Schwimmreifen sind der letzte Schrei.) Es wird Wasserball gespielt und Fische gefangen, die dann in kleinen Behältern am Strand ihren Hitzekollaps erwarten.

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Ich plantsche ein wenig zur Abkühlung und bereite einen leichten Sonnenbrand vor. Dann möchte ich gerne ein Souvenir. Ich finde einen gelben Gummiring, einen Zigarettenstummel, ein Plastiksackerl und für einen Moment einen Schwarm kleiner Fische, aber keine Muschel. Alles weggefischt oder abgemuschelt.

Nach ca. 1 Std. brechen wir wieder auf. Duschen das Meerwasser vom Körper und schüttelt aus allem den Sand. Dann laufen wir zum Bus. In der Station stürme ich mit anderen Badenden das kleine Kiosk, kaufe Onigiri, Bier und was zum Knabbern, Tintenfisch,  für die Rückfahrt. Ich bin angenehm müde und das Bier tut sein Übriges. Ein netter Tag.

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Am Abend hoffen wir die Freundin einer Bekannten aus Wien treffen zu können, um ihr Schokolade und Salami übergeben zu können. Sie spricht kein Englisch. Ich versuche mich mit ihr um 20 Uhr im Nambawalk zu verabreden. Sie will um 19.30 zu uns kommen. Naja.

Es klappt und ich nehme sie mit in den Kasten. Irgendwie eine verkrampfte Situation. Sie bringt uns ein Handtuch als Geschenk. Ich bin irritiert. Wir tauschen hektisch die Geschenke aus und schon ist sie wieder weg. Wir müssen noch packen. Morgen geht´s nach Kyoto.

 

 

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