Nara: Desensibilisierungstraining

Woran erkennt man einen touristischen Hotspot? Am WC riecht es streng und es gibt keine Seife zum Hände waschen und keine Handtücher zum Abtrocknen. Aber ehrlich: War das in Nara Gegebene so überraschend? Ein kleiner Ort, geografisch günstig gelegen, eine Hand voll Tempel in Gehnähe und jede Menge handzahmer Wildtiere in passendem Format; auch kreativ Minderbegabte können sich diese Situation imaginieren. Doch nun alles schön der Reihe nach: Wir verschlafen, eigentlich ich verschlafe, denn ich habe die Weckerinnenhoheit. Warum auch immer, es hat nicht geläutet oder so. Wir starten also ca. mit einer Stunde Verspätung Richtung JR Awaji Station ohne genau zu wissen, wo die Station ist. Mit Fragen und einem Rapid Train erreichen wir Nara schlussendlich mit einer zeitlichen Abweichung von ca. 30min. Das ist OK. Unsere Tour in Nara beginnt im Tourists Info Center, das vorbei an Vertreterinnen der Zeugen Jehovas neben dem Bahnhof liegt. Ein Mehr an Infos kann sicher nicht schaden.IMG_0267.JPGimg_0265.jpg

Unsere Tour startet ausgestattet mit einem weiteren Vorschlag einer Route in leichtem Regen. Auf der Sanjo-Dori erkennen wir das Rinnsal, durch das sich die Masse der Tourist*innen rauf wie runter wälzt, bei schönerem Wetter mehr als jetzt. Wir versuchen auf eine parallele Straße auszuweichen. Nichtzuletzt, weil eine der Reiseführerinnen dieses Grätzel hervorhebt. Es dauert nicht lange und wir haben eher unerwartet den ersten Tierkontakt. Wir stehen Mitten im Areal des Kofukuji Tempels mit vielen anderen Tourist*innen und einigen Hirschen. Ich möchte keine Grundsatzdiskussion über das Ichbewusstsein von Tieren starten, aber die hier haben sich, scheint´s, resigniert in ihr Schicksal ergeben und erwarten vom Leben nicht mehr als ein paar Cracker. Einzelne wirken verstört, haben kahle Stellen am Kopf, eine lahmt. Insgesamt ein trauriges Bild. Ich mache ein paar Fotos. Keinen der Tempel möchte ich dort betreten. Sie sind schon lange kein Ort der Spiritualität oder Besinnung. Auch die Idee, die Perversionen zwischen Besucher*innen und den Tieren zu dokumentieren, verflüchtigt sich bald. Bis auf das Fotos des Pärchens, das wirr gestikulierend vor den Tieren auf und ab hüpft, um selbige dann mit nicht tiergerechtem Futter zu belohnen. Interpunktion (Ursache und Wirkung): Paul Watzlawick könnte an diesem Schauspiel, das sich hier, wohl in einer Schleife ständig zu wiederholen scheint, seine Freude haben. Nur weg von hier. img_0280.jpg

Wir disponieren um. Zurück über den ausgetretenen Kilometer kaufen wir laumwarme Yomogi, die weg gehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln und es eines Security-Herren bedarfs, um die Menschen zu lenken.

(„grüne“ Mochi mit Azukibohnenfüllung gewälzt in geröstetem Sojabohnenmehl.)

Wir essen etwas abseits des Bahnhofs in einem Matsuia, unserem derzeitigen Dinner-Favorite. Danach wollen wir statt weiterer Tempelbesichtigungen zum ehemaligen Wohnhaus von Shiga Naoya. Portrait of Shiga, Naoya(Photo no.1) - Larger image„Novelist. Born in Miyagi. He grew up with his grandparents in Tokyo. A graduate of Gakushuin Senior High School, He left Imperial University of Tokyo before graduation. In 1910, he launched the magazine „Shirakaba“ with Saneatsu Mushanokoji, Takeo Arishima, and other staff. He published „Abashiri made“ (To Aabashiri). After taking some breaks in his writing activities and living in several places including Onomichi, Matsue, and Kyoto, Shiga published „Kinosaki nite“ (At Kinosaki) (1917), „Wakai“ (Reconciliation) (1917), „An’ya koro“ (A Dark Night’s Passing) (1921-1937), and several other works. He was called „bungaku no kamisama“ or patron saint of literature and had a great influence on many storywriters. In 1949, he was awarded the Order of Culture.“ Quelle: https://www.ndl.go.jp/portrait/e/datas/273.html

Am Ende des Tages entdecke ich einen Markt bei Awaji Station und darin einen günstigen Supermarkt mit angeschlossenem 100Yen-Shop. Der Fruchtsaft und das Bier ist zwar teurer als anderswo, aber auch hier gibt es „gebrauchte Lebensmittel“ (Mit gebrauchten Lebensmittel benenne ich jene, die aus unterschiedlichsten Gründen – zumeist wegen des nahenden Ablaufdatums – verbilligt sind. Das ist mir neu in Japan.)

In der Jazz-Bar in unserem Block wird gerade Livemusik gespielt, als ich in die Straße einbiege. Durch die Fenster sieht meine ein Trio, die spielen. Es sieht und hört sich nett an. Ein netter Abschluss des Tages.

 

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Closed Castle

Wir tauschen unsere JR Kansai Area Pässe in Osaka. Kurz sind wir irritiert, weil es mehr Tage sind, die wir herum fahren können, als zuletzt gedacht und dadurch auch keine Verschnaufpause mehr haben werden. Ab morgen sind wir also insgesamt neun Tage in der Gegend unterwegs. Den Anfang macht morgen Nara im prognostizierten Regen.

Dann machen wir uns auf zum Center auf Youth and Gender Equality. Aber auf dem Weg wird uns rasch klar: Heute beginnen die Ferien und alles ist geschlossen oder schließt früher als sonst; auch das Center.

Also geht´s weiter zum Osaker Castle. Das ist natürlich auch geschlossen. Trifft sich aber gut, wir wollen ohnehin nur in den Park.

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662% a day off

Nach so vielen Kilometern und weil ich noch ein Projekt abschließen muss, gönnen wir uns einen freien Tag. Genauer geschrieben, gestehe ich P. einen freien Tag zu, nach dem ich die Statistik seiner Schritte-App am Hndy gesehen habe: 662% Steigerung!

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Gut, er hat bisher auch schon geklagt und das durchgestrichene Herz auf der Anzeige als Signal des Herzinfarktes interpretiert, anstatt wie wohl eher gemeint, als Zeichen dafür, dass das Tagesziel erreicht wurde, aber so eine Steierung hätte ich ihm auch nicht zugetraut (und das ist jetzt kein Kompliment.)

So machen wir  uns erst nach dem Mittagessen auf den Weg nach Suita, um in einem sehr günstigen Supermarkt Gemüse einzukaufen. Leider gibt´s dort kein Bier… 🙁

 

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Kuromon Market

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Laundry

Nachdem wir es seit Tagen nicht schaffen, unseren Aufenthalt in Osaka im Detail zu planen – Wir haben spezielle Zugtickets, die in der Nähe und etwas ferner von Osaka genutzt werden wollen – haben wir für heute beschlossen, den Tag mit der Laundry zu beginnen und danach das WI-FI beim nahen Mr. Donut zu nutzen.

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Nun, wir wohnen in einer Gegend, die nicht nur in Osaka nicht sehr begehrt sein dürfte. Denn hier gibt es nichts oder fast nichts. Zwei Blöcke weiter einen Family Mart, der ein kleines Sortiment der Dinge hat, die wir meinen täglich zu brauchen und einen Kopierer, der Englisch spricht. Das Zweite, das das Nichts relativiert, ist der Coin Washer um´s Eck – glücklicherweise. Denn nicht alle Unterkünfte haben eine Waschmaschine. Die hier nicht. Also auf zum Coin Washer. Der hat seine besten Tage schon lange hinter sich und alle Automaten für´s Waschpulver sind kaputt. Dafür ist jede Menge Kleingeld im Rückgabefach. Ich glaube, ich habe mir 10yen mehr genommen…Also auf zum Family Mart in der Hoffnung dort gibt´s Waschpulver und ausdrucken möchte ich ohnehin. Während sich der Kopierer auf den Ausdruck vorbereitet, werde ich mit einem Rätsel bei Laune gehalten. Das ist neu für mich. Deshalb habe ich den Ausdruck nun doppelt.

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Zurück zum Coin Washer. Der alte Mann von vorhin ist weg. Ich befülle eine Trommel. Die Anleitung offeriert mir eine Programmwahl. Das Gerät selber nicht mehr.                  32 Minuten soll es dauern. Also hole ich mir einen warmen Kaffee aus dem Automaten um´s Eck. Eigentlich wollte ich die Zeit nutzen, um Japanischhausübung zu machen, aber mit Hausübungen hatte ich es ja noch nie a so. Also beobachte ich den Verkehr durch die gläserne Geschäftsfront und fühle mich wie die Protagonistin einer Spira-Dokumentation. Wirklich eine eigene Welt, aber ohne Kamera – die Security-Kamera im Eck zählt nicht dazu- viel besser.IMG_0204Ein alter Mann mit lückenhaftem Gebiss betritt mit einem Plastiksackerl den Coin Washer. Er wirkt desorientiert und hat schmutzigen Hände. Ich räume den einzigen Sessel. Er wird sitzen wollen. Seine Wahl fällt auf „meine Maschine“ und er studiert den Karton mit Waschpulver, den ich dort stehen gelassen habe.“Sumimasen“ sage ich zu ihm und bedeutet ihm, dass die Maschine besetzt ist, die er gerade einräumen wollte. Er wechselt und wirft ein paar Kleidungsstücke in eine andere Maschine – ohne Pulver. Ich reiche ihm ein Päckchen. Jetzt habe ich ja genug. Unbeholfen öffnet er es. Danach holt er sich ebenfalls etwas zu trinken und beginnt zu rauchen. Auch er muss sich wie vorher ich den Tisch in einer ganz eigenen Weise zu Recht rücken. Das Waschergebnis ist trockner als erwartet, dafür stinkt es im Nachhinein bemerkt nach altem Waschmaschinenwasser. Man kann nicht alles haben. Als ich den Coin Washer verlassen, nicken wir einander grüßend zu. Ein gutes Gespräch.laundry.jpg

Nachtrag: Am nächsten Tag finden wir die Waschmaschine derr 16m2 Unterkunft: Sie steht am „Balkon“.

Nachdem wir die Wäsche zum Trocknen auf den „Balkon“ gehängt haben, machen wir uns auf zu Mr. Donats in Kamoshinjo. Das Wetter ist trüb und feucht vom Regen. Auch jenseits der Bahntrasse hat die Gegend schon bessere Zeiten gesehen.

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Lightning

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Merry kurisumesu

Wir fahren nach Osaka Station. Einerseits, weil wir beim ersten Osakabesuch so begeistert von der Effizienz der Mitarbeiterinnen der Tourismusinfo waren und andererseits, weil es vor dem Observatorium ein deutscher Weihnachtsmarkt abgehalten wird. Nicht, dass ich so ein übersteigertes Interesse an Weihnachtsmärkten hätte, aber eine gewisse Neugier, wie´s hier umgesetzt wird. Allen Rufen der Unkencommunity zum Trotz: War eine nette Inszenierung. Überteuert wie auch bei uns üblich und am Wurstgriller der/die eine oder andere Ausländer*in. 20191224_193033

Auch wenn wir seit Jahren Weihnachten in Wien nicht feiern, hier ist das anders. Alles meine ich. Also kaufe ich kurisumasukeki und P. bekommt ein kleines Geschenk.

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Welcome to Osaka

Für den 23.12. haben wir einen Inlandsflug nach Osaka gebucht. Der Wecker läutet um 6Uhr, um 7Uhr stehe ich auf um zu arbeiten, weg wollen wir erst gegen 8Uhr/8Uhr30min. Wir liegen gut in der Zeit. Meine Tasche hat zwar ein Loch, das ich nähen muss, aber geht sich alles aus. Sogar noch, meine Emails zu bearbeiten. Kurz nach 8Uhr höre ich unseren Vermieter. Er startet sein Auto und dann muss alles schnell gehen, denn er muss uns zur Station bringen. Wir wären gegangen. Also alles rasch zusammengepackt und ins Auto. Selten so viel Service und doch so unerwünscht. Wir erreichen den Flughafen mehr als rechtzeitig. Der Check in ist auch kein Problem. Uns  bleibt sogar noch Zeit für Frühstück (bei Mr.D. – schon wieder) und dann fliegen wir. Es ist sonnig und die Begrüßung durch die Stadt freundlich.

 

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Me tabetai

Normalerweise poste ich keine Bilder von Menschen mit denen ich mich treffe. Ausnahmen bestätigen die Regel. Wir sind in Ueno mit meiner Skypebekannten, einer pensionierten Klavierlehrerin und ihrem ebenfalls pensionierten Ehemann, einem Gesangsprofessor verabredet.

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Zuerst geht es in eine Art japanischer Konditorei in der Nähe der Station. img_0109.jpg

Wir essen Anmitsu あんみつ (rote Azukibohnen, Früchte, Bohnengelee) und Kuzumochi mit Kinako (geröstetem Sojabohnenmehl). Letzteres ist mein Favorit. Ein sehr interessanter Geschmack und Kinako steht schon auf meiner Einkaufsliste.

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Doch dabei bleibt es nicht. Wir gehen weiter zum Tsukiji, dem Fischmarkt Tokyos, um dort Sushi zu essen. Dort ist fotografieren verboten. Ich poste irgendwann die Bilder, die der Professor trotzdem gemacht hat. Auch das war hervorragend (also das Essen, nicht das Foto.). P. kämpft zwar mit der zusätzlichen Portion, die ihm unsere Bekanntschaft aufdrängt, aber da muss man durch. Würde sich uns bei der Gelegenheit ein „Da waren die Augen größer als der Magen“ anbieten, sagt man auf Japanisch nur „me tabetai“ – „Die Augen wollen essen“, eine Verknappung auf´s Wesentlichste.

Dann schon geht es weiter. Denn für Kaffee und Kuchen ist im Magen immer noch Platz. Also stellen wir uns brav beim Café des Wako-Kaufhauses in Ginza an, wo der Kaffee umgerechnet €12.- kostet und Kinder bis Ende der Volksschule unerwünscht sind. Der Herr Professor ist immer noch gerührt, dass ich ihm das Grab Mozarts gezeigt habe. Wir trinken unseren Kaffee und gehen zur U-Bahn. Am Weg dorthin wieder etwas eher Gemeinsames:

Ausg´steckt is

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In diesem Geschäft wird junger Sake verkauft.

Wir verabschieden uns etwas improvisiert im U-Bahnwagon. Danach spazieren P. und ich noch etwas durch Ameyoko, das seinen Namen nicht von den Süßigkeiten (Ame), sondern von den Amerikanern hat, die nach dem Krieg unter der Bahntrasse alles mögliche verkauft haben.

Am nächsten Tag treffe ich in Ikebukuro E., einen kanadischen Bekannten, der schon zehn Jahre in Tokyo lebt. Wir trinken Kaffee, diskutieren über die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit bei der globalen Verteilung von Ressourcen und kaufen ein Weihnachtsgeschenk für seine Frau. Ein nettes Treffen.

Am nächsten Tag geht es mindestens so erfreulich weiter. Ich bin mit N. in Shin Okubo verabredet. Wir wollen Koreanisch essen. Als ich die überfüllte Station etwas zu früh als vereinbart verlasse, laufe ich ihr in die Arme. Die Freude ist groß.

Wir landen schließlich in einem Thairestaurant, in dem die stämmige Bedienung in Sportschuhen, Thaihose und einer Weihnachtsmannmütze so wirkt, als würde sie keine Widerrede dulden. Wir essen wie beliebt ein Menu. Zuerst einen Krautsalat mit Mayonnaise und dazu eine säuerliche Suppe. Dann kommt ein Seafood-Curry mit viel Ei. Naja, auch Thais müssen ein Zugeständnis an das Gastland machen. Den kalten Tee und Eiswürfel gibt´s obligatorisch.

Abends dann bringt unser Vermieter Plastiksackerln für den Mist, den wir im Vorraum ablegen sollen und fragt, wann wir am nächsten Tag aufbrechen werden. Gegen 8Uhr ungefähr. Ich suche etwas Papier zusammen, um ihn als Mist deponieren zu können. Denn unseren Mist habe ich längst entsorgt.

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Tokyo Sakura Tram (Toden Arakawa Line)

Wir suchen wieder Zwischenräume. Dieses Mal in einer Straßenbahn. Wir lösen ein Tagesticket um wohlfeile 400.-Yen und fahren mit der Sakura Tram an das eine Ende nach Waseda und dann an das andere Ende nach Minowabashi.IMG_0104

Dort angekommen, wärmen wir uns im 7eleven an Kaffee um das FREE WIFI nutzen zu können, denn wir wollen den Kansenen Park besuchen.

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Ein sehr schöner, kleiner Garten für den wir erstaunlicherweise gar keinen Eintritt zahlen mussten.

Es ist schon den ganzen Tag über düster und außerdem dem Park und dem Universitätsgelände, das wir schon kennen, lockt in der Gegend nur noch ein „Can do“ und der obligatorische Daiso, dann geht es wieder zurück, Wir haben ja schließlich ein Tagesticket. In Minowabashi angekommen, konnten wir nur noch hochgeklappte Gehsteige bewundern. So bleibt uns nur der Versuch, ein Schild zu übersetzen, dass altes Geschirr zur freien Einnahme anbietet und wieder zurück zu fahren. Auch dieser Tag endet spät.

 

 

 

 

 

 

 

 

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