Normalerweise poste ich keine Bilder von Menschen mit denen ich mich treffe. Ausnahmen bestätigen die Regel. Wir sind in Ueno mit meiner Skypebekannten, einer pensionierten Klavierlehrerin und ihrem ebenfalls pensionierten Ehemann, einem Gesangsprofessor verabredet.

Zuerst geht es in eine Art japanischer Konditorei in der Nähe der Station. 
Wir essen Anmitsu あんみつ (rote Azukibohnen, Früchte, Bohnengelee) und Kuzumochi mit Kinako (geröstetem Sojabohnenmehl). Letzteres ist mein Favorit. Ein sehr interessanter Geschmack und Kinako steht schon auf meiner Einkaufsliste.

Doch dabei bleibt es nicht. Wir gehen weiter zum Tsukiji, dem Fischmarkt Tokyos, um dort Sushi zu essen. Dort ist fotografieren verboten. Ich poste irgendwann die Bilder, die der Professor trotzdem gemacht hat. Auch das war hervorragend (also das Essen, nicht das Foto.). P. kämpft zwar mit der zusätzlichen Portion, die ihm unsere Bekanntschaft aufdrängt, aber da muss man durch. Würde sich uns bei der Gelegenheit ein „Da waren die Augen größer als der Magen“ anbieten, sagt man auf Japanisch nur „me tabetai“ – „Die Augen wollen essen“, eine Verknappung auf´s Wesentlichste.
Dann schon geht es weiter. Denn für Kaffee und Kuchen ist im Magen immer noch Platz. Also stellen wir uns brav beim Café des Wako-Kaufhauses in Ginza an, wo der Kaffee umgerechnet €12.- kostet und Kinder bis Ende der Volksschule unerwünscht sind. Der Herr Professor ist immer noch gerührt, dass ich ihm das Grab Mozarts gezeigt habe. Wir trinken unseren Kaffee und gehen zur U-Bahn. Am Weg dorthin wieder etwas eher Gemeinsames:
Ausg´steckt is

In diesem Geschäft wird junger Sake verkauft.
Wir verabschieden uns etwas improvisiert im U-Bahnwagon. Danach spazieren P. und ich noch etwas durch Ameyoko, das seinen Namen nicht von den Süßigkeiten (Ame), sondern von den Amerikanern hat, die nach dem Krieg unter der Bahntrasse alles mögliche verkauft haben.
Am nächsten Tag treffe ich in Ikebukuro E., einen kanadischen Bekannten, der schon zehn Jahre in Tokyo lebt. Wir trinken Kaffee, diskutieren über die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit bei der globalen Verteilung von Ressourcen und kaufen ein Weihnachtsgeschenk für seine Frau. Ein nettes Treffen.
Am nächsten Tag geht es mindestens so erfreulich weiter. Ich bin mit N. in Shin Okubo verabredet. Wir wollen Koreanisch essen. Als ich die überfüllte Station etwas zu früh als vereinbart verlasse, laufe ich ihr in die Arme. Die Freude ist groß.
Wir landen schließlich in einem Thairestaurant, in dem die stämmige Bedienung in Sportschuhen, Thaihose und einer Weihnachtsmannmütze so wirkt, als würde sie keine Widerrede dulden. Wir essen wie beliebt ein Menu. Zuerst einen Krautsalat mit Mayonnaise und dazu eine säuerliche Suppe. Dann kommt ein Seafood-Curry mit viel Ei. Naja, auch Thais müssen ein Zugeständnis an das Gastland machen. Den kalten Tee und Eiswürfel gibt´s obligatorisch.
Abends dann bringt unser Vermieter Plastiksackerln für den Mist, den wir im Vorraum ablegen sollen und fragt, wann wir am nächsten Tag aufbrechen werden. Gegen 8Uhr ungefähr. Ich suche etwas Papier zusammen, um ihn als Mist deponieren zu können. Denn unseren Mist habe ich längst entsorgt.