Waseda University

Die Waseda University, die wie sich viel später noch heraus stellen wird sehr nahe liegt, beherbert auf ihrem Gelände das Tsubouchi Memorial Theatre Museum. Von der JR Station aus folgen wir dem studentischen Volk bis zum ersten Wächter_innenhaus, um dort nach dem Weg zu fragen. Denn ich dachte naiv, nach dem Museum am Gelände zu fragen, würde reichen. Tschapperl! Der junge Mann ist bemüht, sein Kollege lächelt. Dann werden wir in die entgegengesetzte Richtung geschickt. Dort sitzt in einem Container eine junge Wachfrau, die zwar lieb ist, aber kein Englisch kann und mehr als erleichtert ist, als ich sie wieder erlöse. McDonalds hat doch keinen Freespot dafür kalorienreiche Pommes und wir gehen zurück. Mit Stadtplan und Areamaps finden wir den richtigen Campus und auch das Museum. Der Eintritt ist frei.

Fotographieren ist wieder einmal partiell verboten und dort wo man darf, ist es zu dunkel.

Das Museum ist nett, aber mehr auch nicht. ABER es hat eine Bibliothek, in die Einlass begehre, der mir auch gewehrt wird. :-)))) Ich bestelle rasch irgendein Buch, in dem ich dann alibihalber blättere. Kann ich kopieren ? Sicher ! Und schon bin ich stolze Besitzer_innen einer weiteren Copycard. Hier muss ich wieder her!

Abends bin ich wieder bei Natsu Nakajima. Sie lässt uns nach dem Aufwärmen zuerst mit dem Rhythmus der Musik improvisieren und dann den Rhythmus brechen. Die junge Amerikanerin verliert sich (wieder einmal). Don´t close your eyes. Wir tanzen wie durch eine Traumwelt ist die Vorgabe. Nach der Aufgabe sagt Natsu: “ We need feeling, but no emotion!“ Die Amerikanerin starrt sie fassungslos an, hatte sie doch ihr Innerstes nach Außen gekehrt, und ich kann nicht anders, als Natsu für diesen Satz zu lieben. Domo arrigato, sensei.

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Asakusa 2nd

The Tokyo Tourist Information Center recommends spots in every ward. So auch in Shibamata, das wie so ziemlich jeder Ort von Interesse ca. 1Std. von unserer Unterkunft entfernt liegt. Von der gleichnamigen Station aus, bei der der Areamap zweisprachig in Japanisch und Deutsch beschriftet ist, führt eine langweilige Durchzugsstraße zuerst vorbei an der Wasseraufbereitungsanlage Tokyos, die dreimal im Jahr öffentlich gemacht wird. Leider zählt dazu nicht der März.

Etwa nach zehn Minuten ist die Taishakuten dori zu erreichen. Eine kleine Einkaufsstraße mit noch kleineren Geschäften, die direkt beim Haupteingang des Tempels endet. Alles erinnerte ein wenig an Asakusa. Allerdings mit weniger Tourist_innen.

Wir essen süße Mochikugeln auf Spießchen mit Sesam und süße Mochikugeln auf Spießchen mit Azukibohnen. Die Sonne scheint und wir trinken mit anderen Pilger_innen Tee.

Durch das Niten-mon, ein großes hölzenes Tor betreten wir das Tempelgelände. Links geben sich Gottheiten dem Suff hin, während rechts wieder einmal ein Tier zur humanen Belustigung gequält wird.

Die einzelnen Gebäude stehen auf Stelzen und können, so man sich der Schuhe entledigt, betreten werden. Das Bodenholz des überdachten Ganges, der rund um die einzelnen Gebäude und von einem zum anderen führte, wirkt durch die Sonnenstrahlen freundlich einladend. Also kommen die Schuhe in das zur Verfügung gestellte Sackerl und der Tempel wird umgangen.

Nun kam dann doch der Punkt, wo eine Dame in einem Holzhaus Geld von mir wollte und der Punkt der Demut: Die Teppich waren kalt und feucht. Naja, schneller gehen. Dafür war in einer Art Wintergarten ein Teeautomat, den man kostenfrei bedienen konnte mit simultanem Blick in den Tempelgarten. Ein angenehmer Ausgleich.

Vom wie immer in japanischer Genauigkeit gestalteten Garten führte wieder ein überdachter Gang zu dem Teil des Tempel, in dem gerade gebetet wurde. Dieses Gebäude war zusätzlich verglast und die Schnitzereien zu schützen, die rundherum aus dem Buddhismus erzählten. Währendessen war von drinnen das Singen eines Mönchs zu hören.

Vom Tempel führt der Weg zum Katsuhika Shibamata Tora san Museum. This is the Memorial Hall for „Otoko wa Tsurai yo“.(Hartes Brot, ein Mann zu sein) Diese Filmserie rund um den sympathischen Verlierer Toru-san wurde zwischen 1969 und 1997 mit Kiyoshi Atsumi (1928 – 1996) in der Hauptrolle produziert und galt lange als die längste Filmserie der Welt. Hier ein Ausschnitt: http://www.youtube.com/watch?v=yvjFJUvAu24 aus dem Jahr 1974.

Allerdings bin ich cineastisch ignorant – sumimasen R.- und nutze nur den geheizten Warteraum des Museums. Denn die Sonne ist einem unagenehmen Wind gewichen. So trinke ich sehr, sehr süßen warmen Azukibohnenbrei und warte bis sich der Zuckerspiegel hebt.

Als Endpunkt dieser Wanderung durch Shibamata diskutierten wir eine Flussüberquerung auf einer berühmten Fähre: „Yagiri no watashi“. Doch der Fährmann beendet unsere Diskussion. Heute geht nichts mehr. Also zurück zur Station. Suppe essen und auf zum Butohworkshop.

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Backyard

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scenic park designated

Ebenfalls in Gehnähe zu unserem Haus, etwa in der Höhe des Rikugi-en liegt ein weiterer Garten, dessen Besuch durchaus eine Bereicherung darstellt. Der Kyu-Furukawa Garden, einfasst von einer hohen Mauer.

Nach dem Kassahäuschen glaubt man sich zuerst einmal auf einem englischen Landsitz. Das Haus, das heute ein Museum ist, davor Rosenbeete, die von Gärtnern mit kleinen Scheren sorgfältig bearbeitet werden und einem Hobbymaler, der im Respektsabstand am Rand des derzeit nicht grünen Rasens seinen Eindruck in einem Aquarell festhält.

Dann geht es bergab. Vorbei an unzähligen steinernen Laternen und begleitet von der Frage, warum die Gärtner mit heißem Wasser das Eis schmelzen. Es ist doch Winter. Schließlich wird mir klar: Das Eis wird für uns geschmolzen, damit wir die Wege sicherer begehen können….

Das Besondere dieses Parks, der 1919 fertig gestellt wurde, ist die Verbindung zwischen westlichem und östlichem. Von den Rosenbeeten abwärts breitet sich der japanische Garten aus, mit einem trockenen Wasserfall, in dem das fallende Wasser durch die Anordnung der Steine gestaltet wurde und einem, dem tatsächlich Wasser hinunter fällt und für den eigens das Gelände bearbeitet wurde, um seine derzeitige Höhe zu erreichen.

Ein künstliche Felswand und ein Teehaus komplettieren diesen Garten, der außer uns nur vereinzelt Besucher_innen hat.

…und das sind die Momente, die sogar mir hin und wieder an diesen Ort zur Freude gereichen….

Hier noch ein recht netter Werbefilm zu diesem Garten. Natürlich in Japanisch, aber mit englischen Subtitels.

www.youtube.com/watch?v=R5sRPF_ml6A

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Shibuya

So sich Musiksenderfans unter der werten Leserschaft befinden: Dieser Eintrag thematisiert NICHT ein gleichnamiges Fernsehformat eines deutschen Privatsenders, das – wählt man eine euphemistische Formulierung – eher leichte Medienkost darbietet, sondern ganz im Gegenteil: Das ist „Schulfernsehen“ mit einer neuen Folge kosmopolitischem Grundwissens.

Der tokyoter Stadtteil Shibuya wird in den diversen Reiseführer_innen als „hotspot“ für Shopper_innen angeführt und ob der sentimentalen Geschichte rund um einen Hund, dessen Statuen vor einem der Ausgänge umrahmt von einem kleinen Beserlpark steht.

Zur Einkaufsmöglichkeit: Unter, über und rund um so ziemlich JEDEN größeren Bahnhof hier in Tokyo locken Shoppingareas. Jede einzelne von ihnen würde die Betreiber_innen der SCS erblassen lassen. Denn ohne Floorguide oder rotem Wollfaden braucht es Stunden dort wieder heraus zu finden; trotz sehr guter ausführlicher Beschilderung. So würde ich Shibuya nicht besonders empfehlen, wenn es um den Erwerb materieller Güter geht. Jeder Bahnhof ist allerdings ein wenig anders. Hier ist es die „Foodshow“ im Basement, der allerdings besser nur mit leerem Magen beizuwohnen ist, sonst wird einem übel. Unter  Foodshow sind viele kleine Verkaufstände zusammen gefasst, die neben allerlei Fischigem auch Brot und japanische Süßigkeit lautstark anbieten oder deren Fertigung zu bewundern man Gelegenheit hat (Torten aus viel Schlag). Mich verbindet mit dem Viertel eine Filiale der Firma „book off“, in der ich – wenig überraschend – gebrauchte (Kinder)bücher und ein Kanjilexikon gekauft habe und noch einen Gutschein einlösen werde können.

Bevor ich zur Hundegeschichte komme: Schaut man genauer hin, so kann man die Kehrseite dieser kapitalistischen Pracht im wahrsten Sinne des Wortes auf der Rückseite des Bahnhofs erblicken. In einem lärmigen Tunnel, der durch Abluft angenehm warm ist, reihen sich die Kartonapparments der Obdachlosen aneinander. Hin und wieder geht man so durch ein Schlafzimmer, wo ein Mann scheinbar unbekümmert ein Buch liest oder andere im Wohnzimmer diskutieren. Manche Kartons sind akurat und andere schmuddelig. Auf meine Frage, wer die Obdachlosen in diesem Land unterstützt, sagte mir einmal jemand, dass in Japan niemand auf der Straße leben muss, der/die das nicht möchte. Ich habe jetzt schon an einigen Stellen nicht weggesehen und jedes Mal finde ich diese Meinung um eine Nuance zynischer….

Wie findet sich nun ein Übergang zur Hundegeschichte? Nun, wahrscheinlich über die Erkenntnis, dass viele Dinge zur gleichen Zeit am gleichen Ort geschehen und das individuellen Handlungsfeld flexibel bleiben sollte.

Wir umrunden den Bahnhof ein zweites Mal, weil ich zwar die Statue schon einmal gesehen habe, aber keine Ahnung habe, wie groß sie ist. Mehr zufällig stoßen wir dann endlich darauf.

Der Hund, der dieser Statue Modell stand, hieß Hachikō (1923-1935) und war ein japanischer Akita-Hund. In Japan gilt Hachikō als Inbegriff von Treue, da er zehn Jahre lang vor dem Bahnhof auf seinen verstorbenen Besitzer wartete. Berühmt wurde er nicht zuletzt dadurch, dass er einer der wenigen reinrassigen Akita-Hund in dieser Zeit war. Über seinen Tod (u.a. Herzkrebs) wurde landesweit medial berichtet. Die ganze, sehr rührige Geschichte inklusive Bildmaterial (Hachikō wurde ausgestopft und ist im Museum zu bewundern) bitte ich auf Wikipedia nachzulesen.

Heute gilt der Punkt als beliebter Treffpunkt, was ich allerdings auf Grund der vielen Menschen überall hier nicht bestätigen kann.; wie steigert man viel?

Hier eine Ansicht des Stadtteils vom Bahnhof aus.

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Konnichiwa inu

In diesem Land haben auch Hündinnen ein Hundeleben. Denn Hund wie Hündin haben hier ALLES.

Aber jetzt erst einmal schön der Reihe nach: Zwar hatte auch die Vermieterin während unseres letzten Aufenthaltes einen kleinen Hund, aber so viele Hunde, wie dieses Mal sind mir nicht aufgefallen. Ob der Grund für meine Wahrnehmung die Diskussionen im burgenländischen Kreisverkehr oder doch veränderte Lebensgewohnheiten der Japaner_innen sind, kann ich nicht so genau ausmachen. Jedenfalls sehe ich mehr Hunde/Hündinnen als im Jahr 2006. Netterweise Rassen, die bei uns ganz aus der Mode gekommen sind: (Königs)pudel, Dackel in allen Farben und diese Queengefolgschaft. Auch große Hündinnen queren manchmal. Wo jene allerdings nachts geparkt werden, weiß ich nicht, bei Wohnungen mit 9m2; Am Brustgeschirr vom Balkon?!

Was mich irritiert, ist der Umgang mit diesem Getier. Fängt an bei der Wahl im Prospekt der Tierhandlung des Vertrauens, wo auch gleich das blinkende Halsband, der Ausgehanzug und der Kinder- äjm – Hundewagen gekauft werden kann.

Dort sind die Welpen einzeln, mnachmal zu zweit in Glaskästen verstaut.

Wer den Hund/die Hündin hat, kauft auch Kleidung für selbige. Casual Jeansanzug, Bienenkostüm oder ein schlichtes Strickensemble. Hasenohren und Haarspangen sind selbstverständlich.

Und dann muss Hündin/Hund überall mit. Auf den Flohmarkt im Tierrollkoffer oder passendem Rucksack. Zum Shopping oder sonntags in den Tempel.

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Rikugi-en

Durchquert man rechts von unserem Haus nach dem Straßenbahndamm die Einkaufsstraße mit einem Supermarkt und einer Reihe kleiner Geschäfte in denen Tofuvariationen und (halb)tote Meerestiere angeboten werden, kommt man in angenehmer Gehnähe zum Rikugi-en. (-en bedeutet Garten, Park)

This strolling, mountain and pond-style garden was created based on the theme of Waka poetry in the 15th year of the Genroku Period (1702) by the shogun, Tokunagawa Tsunayoshi´s trusted confidante Yanagisawa Yoshiyasu. This garden is a typical example of the famous gardens of Edo Period. In the Meiji Period, this garden became a second residence of the founder of Mitsubishi, Iwasaki Yataro. Later in the 13th year of Showa (1938), the Iwasaki family donated this garden to the city of Tokyo, and in Showa 28 (1953) it was designated as a special site of exceptional beauty and an important cultural asset. (aus dem „Programmheft“)

Im Japanischen wird „Sechs“  „roku“ ausgesprochen. Die chinesische Entsprechung dazu ist „riku“. Da in China Dichtung in sechs Kategorien eingeteilt wurde und diese Einteilung auch Einfluss auf die japanische Waka-Dichtung hatte, wurde auch die Benennung beibehalten: Riku-gi.

Waka (jap. Gedicht) ist eine Genre der japanischen Dichtkunst, das sehr viele Stile umfasst. Anfang des 9.Jahrhundert (Heianzeit) geprägt, verloren manche Formen Ende des gleichen Jahrhunderts auch schon wieder an Beliebtheit. Im 19. Jahrhundert gab es dann eine Reform. Das Besondere: Anders als zum Beispiel in der chinesischen Dichtung werden Waka nicht in Reimen oder Zeilen verfasst, sondern in sogenannten Einheiten und Sätzen. In Übersetzungen werden die wiederum zu Zeilen.

Im Rikugi-en sind 88 dieser Gedichte landschaftlich dargestellt (88 views on Rikugi-en) und mit kleinen Holztafeln versehen. Es gibt Brücken, Seen, einen gespaltenen Fels mit einer Quelle und natürlich Mr. Fuji. Was es allerdings im ganzen Park leider nicht gab: Die Gedicht in tragbarer Form auf Papier.

Hier ein Beispiel aus der Sammlung der Universität in Sheffield, UK. http://www.temcauley.staff.shef.ac.uk/poems.shtml

 

  いはまとぢしこほりもけさはとけそめてこけのしたみづみちもとむらん

iwama tojishi
kôri mo kesa wa
tokesomete
koke no shitamizu
michi mo tomuran
Stopping the cracks ‚tween the boulders,
The ice on this morning
Started to melt;
From beneath the mosses, water
Runs in rivulets.

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Fische sind Freunde

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Butoh ist tot – Es lebe Kazuo Ohno

Präambel: Datscha im Burgenland hin oder her, es zieht mich nun einmal nicht sehr oft in die Natur. Wenn dann doch liege ich meistens in der Hängematte und döse dahin. Manchmal, aber wirklich nur manchmal bin ich motiviert genug, um mich ins Gelände zu begeben. Dort kommt es dann vor, dass mir in der Ferne ein Punkt attraktiv genug erscheint, ihn anzustreben. Aber wie das Leben so spielt, kommt die Ferne näher, erscheint der Ort der Faszination garnicht mehr so interessant….

Mittwoch fahre ich wieder zwei Stunden nach Kami-hoshigawa. Nicht zuletzt um Bonuspunkte für den Kaffee im Minimarkt zu sammeln. Als ich das Studio betrete, steht Yoshito alleine bei der Technik. Er trägt eine übergroße schwarze Wollhaube und hantiert ziellos mit einer CD herum. Es riecht säuerlich nach Alkohol. Er bedeutet mir, dass wir noch warten. „Where do you come from?“ Oh Sensei! immer noch aus Wien! Umständlich erklärt er mir, dass er sich nicht gut fühlt und dann schweigen wir wieder. Ich ahne,was jetzt kommt. „Mita? Video?“ Weil außer mir niemand zum heutigen Workshop gekommen ist, wird wieder einmal ein Video serviert. In der Ecke steht eine Flasche Rotwein mit dem hinein gedrehten Korkenzieher…

(2011 von einem mexikanischen Tanzschüler)

Während er eine DVD sucht und wir gemeinsam den Fernseher in Gang setzen, kommt noch ein russisches Mädchen, aber es bleibt dabei: Wir sehen ein Video. Die erste DVD funktioniert nicht so richtig! „Chotto sound!“ Zu sehen ist ein Interview mit Kazuo Ohne in seinem Studio neben ihm sitzt Yoshito, die Kiefer fest aufeinander gepresst. Es war wohl nicht immer einfach, Sohn zu sein. Ein anderes Video muss her, eines das funktioniert; Eine Aufführung aus Göttingen von 1998.

Einmal sagte jemand zu mir, dem ich von Butoh erzählt hatte und der wenig später eine Dokumentation darüber im Fernsehen gesehen hatte, Butoh, das sind alte Männer, die sich weiß schminken und Frauenkleider tragen. Ja, in diesem Fall trifft es diese Definition durchaus. Kazuo und Yoshito wirkten auf der Bühne wie Frankstein und seine Braut. Kazuo hüpfte herum und hielt die Spannung dadurch aufrecht, dass man den Verlauf seiner Bewegungen nicht im geringsten erahnen konnte. Dazwischen hob Yoshito mit pathetischer Geste die Arme gegen den Himmel und legte den Kopf schief bis zur Verbeugung. Naja, also…

Das wirklich spannende, die wirkliche Performance an diesem Abend war allerdings nicht die DVD, sondern das, was ich als Reflexion im Fernseher sehen konnte: An manchen Punkte der Aufzeichnung hob Yoshito hinter uns die Arme und erinnerte an Caligari, tanzte ein wenig und ging dann wieder vor der Technik auf und ab, versucht sich zu setzen, stand wieder. Irgendwann nahm er die Rotweinflasche und verschwand damit in der Damengaderobe vor dem WC. Möglichst unauffällig trug er dann die offene Flasche zurück zur Technik und trank bis zum Ende des Videos verstohlen die Hälfte des Weines. Na fein, jetzt gibt es nicht einmal mehr einen kalten Rotwein…

Dann kommt Kenji Yamaguchi (der finster blickende stumme Herr von den letzten Malen), eine ehemalige Pflegerin von Kazuo Ohno und schließlich auch noch Yoshitos Manager, aber wir sehen weiter Videos. Nach dem Video wird dann doch endlich Tee und Wein ausgeschenkt und gebratene Tofutaschen und Kekse serviert. Yoshito wird immer betrunkener und hält Reden, die Kenji dankenswerterweise irgendwie ins Englische übersetzt. Wir sind gekommen, weil er, Yoshito, Hiroshima/Nagasaki in sich trägt. Das russische Mädchen ist verzückt. „what a great honour to be with such a great dancer!“ Inzwischen brennt der Manager ein Elektrokabel durch und Schluss ist es mit der Zusatzheizung, die das Studio etwas erträglich gemacht hatte… Kenji fragt mich nach Michael Weiss. Er hat 2000 eine Dissertation über Butoh veröffentlicht und das erste Mal lächelt Kenji. „He is a close friend!“

Yoshito monologisiert wieder. Er hatte chinesische Antiquitäten an Chines_innen verkauft und wegen Fukushima kommen die nicht mehr. Er schuldet der Bank Geld, weil er irgendetwas gekauft hat und die Raten nicht zahlen kann. Macht es überhaupt für die Leute dort Sinn, in Vankouver aufzutreten? Dann übersetzt Kenji nicht mehr. „Do you understand, what he is saying?“ „No, Wakarimasen.“ „That´s better so!“

Yoshito erzählt er war im Krankenhaus. Er fühlt sich nicht gut. „Should we leave?“ „No,no“. Aber Kenji geht und wir brauchen noch eine Weile, eine Runde Gruppenfotos und 2000 Yen  um aus diesem Trauerspiel abgehen zu können. Das russische Mädchen ist immer noch entzückt. Ich erzähle ihr von Yuri und wir tauschen Emailadressen aus. „Oyasuminasai.!“

Nun habe ich also diesen äußerst fanszinierenden Punkt „Butoh“ in der Ferne angestrebt und stehe schlussendlich auf einem Parkplatz an einer Autobahn im Nirgendwo…

Am nächsten Tag treffe ich mich zuerst mit Yumiko und sie redet eine Stunde über Butoh und sagt auch sehr Interessantes über Butoh als Therapie. Dann gehen wir beide zu Yuris Workshop in diese überheizte Volkshochschule und ich beginne mich darüber zu ärgern. In der Pause laufen wir auf die Straße zu einem Getränkeautomaten, denn das Wasser sollte man nicht trinken. Danach tanzen wir Pflanzen und ich stehe dort und finde zwar die Idee grandios, aber mich fehl am Platz….Und morgen bin ich krank!

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Lost too Lost

Das Echo des Romans, den ich gelesen habe, sollte eine Performance sein, die an die Geschichte anschließt. Einer Fortsetzung gleich. Der Antrieb für ein grobes Konzept und ein paar Huschpfuschfotos war wieder einmal ein Festival.

Nun wärme ich mich im Workshop bei Natsu auf und beobachte ein amerikanisches Pärchen, die ungelenkig nicht wissen was sie tun (sollen).

Was die zwei Klischees mit meiner Performance zu schaffen haben, weiß ich zwar nicht, aber ich entscheide mich. gegen eine Huschpfuschtrailer zu den Huschpfuschfotos.

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