Flohmarktversuche

Sonntag unternahm ich den zweiten Anlauf einen Flohmarkt zu besuchen. Nachdem ich bei meinem letzten Aufenthalt in Tokyo ganz wunderbare Dinge um wenig Geld erstanden hatte, bat ich N. für mich zu recherchieren. Am ersten möglichen Sonntag disponierte ich kurzfristig um, um Yoshitos Performance zu sehen, mit dem Enderfolg, dass ich mich verfahren habe und WEDER Flohmarkt noch Performance besucht habe. Doch dieses Mal!

Der Flohmarkt liegt auf dem Areal des Jasukuni Jinja Shrines, ist aber dieses Mal leider  sehr klein ausgefallen und nur für Sammler_innen von Diversem interessant. Auch der Shrine selber begeistert mich wenig: Werden dort doch Kriegsheld(_innen) verehrt, was immer wieder zu Kontroversen führt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Yasukuni-Schrein

So mache ich nur wenige Fotos und mich schließlich auf in die Yasukuni-Dori, wo es laut Tourismusinformation viele Buchantiquariate geben solle. Und siehe da: langsam wird mir diese Stadt kleiner und ihre Teile wachsen zusammen. Denn der Anfang DIESER Bücherstraße ist das Ende der Bücherstraße von Akihabara. So kaufe ich noch ein Geschenk für R. und mir einen biligual Atlas of Tokyo und der Tag ist schon wieder Nacht…

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Essen kaufen, Essen kochen

Der Unterschied zwischen Selbstgekochtem und Imbiss ist hier nicht so groß wie bei uns. Besonders nicht, wenn man so wie ich gerne in eine dieser Suppenküchen geht, die am unteren Ende der Preisskala liegen.

Ich mag diese kleinen manchmal etwas schmuddeligen Lokale. Vielleicht weil dann doch meine ländlich-proletarische Herkunft durchkommt oder weil man mittels einem Automaten bestellen kann und außer einem dämlichen Lächeln, einer Verbeugung und etwas Glück beim Spiel nichts braucht, um zu einer warmen Mahlzeit zu kommen.

Aus dem Automaten kann dann auch der Kaffee kommen. Der ist warm, durchaus trinkbar und mit 130 Yen durchaus günstig.

Das selber Kochen ist immer noch bestimmt von einer großen Freude an Experimenten – Ich brauche unbedingt ein Kochbuch! Lediglich der Mise en place ist weiterhin eine Herausforderung.

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Sein rechter Fuß – ein Nachtrag

Gleich in der ersten Woche fiel mir auf dem Weg Richtung Shinjuku ein kleines Buchantiquariat auf und bei meinem nächsten Einkauf in einem anderen Supermarkt meines Vertrauen – ja, ich bin im Verteilen meiner Konsumentinnengunst etwas flatterhaft und wankelmütig – wollte ich das Buchgeschäft zwecks Suche nach geeigneten Fotomittelpunkten besuchen. Bereits die Auslagen waren eine seltsam interessante Mischung aus teurem Prozellan und Wittgensteinbiographien. Drinnen setzten Fotobände über Malerei und diverse andere Biographien das Spektrum fort. Unter Anderem entdeckte ich ganz prominent platziert ein Buch über irgendeine Zahnradbahn in Österreich. Hier bist du richtig, dachte ich und war mutig genug nach Butoh, dann nach Hijikata und schlussendlich auch nach Kazuo Ohno zu fragen. „Ahhh, Ohno Kazuo!“ Der Verkäufer erklärte mir erfreut, dass er immer wieder Fotos hätte, aber nicht im Moment und zog gleichzeitig eine Zeitschrift aus dem Regal. Eine Ausgabe von Geijtsu Shincho vom März 1998 um angemessene 800 Yen. Die Zeitschrift war sorgfältig verpackt, fast wie ein Geschenk. Nicht ohne Grund. Denn nachdem sie mir der Verkäufer geöffnet hatte, konnte ich durch eine Bilderserie über Tatsumi Hijikata (1928 – 1986)  den „Begründer des Butohs“ blättern.

„Ob er denn nicht oder wann er denn wieder mehr hätte?“, fragte ich ihn. „Hmm“ Er selber nicht, aber ein Freund hätte gerade eine wahre Rarität an Foto in seinem Geschäft. Wo ist der Freund. Zuerst zeigt er mich noch am Laptop das Foto und das war gut so, denn es war der Gipsabdruck des rechten Fusses von Hijikata. Naja, bei allem Butohenthusiasmus, aber a Fuss…

(Die Adresse vom Geschäft des Freundes habe ich sicherheitshalber trotzdem mitgenommen)

http://www.youtube.com/watch?v=3xYsO7OpQkQ )

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Flohmarktversuche oder Gojira wa Nihondesu.

Sonntag unternahm ich den zweiten Anlauf einen Flohmarkt zu besuchen. Nachdem ich bei meinem letzten Aufenthalt in Tokyo ganz wunderbare Dinge um wenig Geld erstanden hatte, bat ich N. für mich zu recherchieren. Am ersten möglichen Sonntag disponierte ich kurzfristig um, um Yoshitos Performance zu sehen mit dem Enderfolg, dass ich mich verfahren habe und WEDER Flohmarkt noch Performance besucht habe. Doch dieses Mal!

Der Flohmarkt liegt auf dem Areal des Jasukuni Jinja Shrines, ist aber dieses Mal leider  sehr klein ausgefallen und nur für Sammler_innen von Diversem interessant. Auch der Shrine selber begeistert mich wenig: Werden dort doch Kriegsheld(_innen) verehrt, was immer wieder zu Kontroversen führt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Yasukuni-Schrein

Godzilla ist Japaner(_in?). Das mag wahrscheinlich nicht einmal den/die Cinephobste/n überraschen, aber ICH habe den Beweis.

Godzilla am Sonntag Nachmittag ganz entspannt in einem Fluss zwischen Kudanshita Station und Jimbocho Station. (Oder ein/e Gaijin auf Sightseeing…)

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Das Imperium schlägt zurück

…und ich habe einen Aus-schlag. Hier ein Bild.

(Aus ästhetischen Gründen habe ich die unansehnlichsten Stellen geschwärzt.)

Ich nehme eine allergische Reaktionen auf irgendetwas oder irgendjemanden an, denn Infektionskrankheiten wie Röteln, Masern und Gürtelrose habe ich dank dem Internet genauso ausschließen können, wie eine HIV-Erkrankung. Ob es nun das viele Plastik ist – an meine Haut lasse ich nur Chlorversetztes Wasser und PVC – oder der Vitamin-C-Saft, der mit Collagen angereichert wurde – (Ja, ich konnte dem nicht widerstehen und ehrlich, meine Nase gefällt mir schon ein bißchen besser; nach fünf Behandlungen) – ich weiß es nicht. Jedenfalls bemühe ich mich auch hierbei um Originalität, denn die Symptome laufe so ab: Zuerst juckt es irgendwo auf meinem Körper, dann kratze ich mich und dann habe ich den Ausschlag… Naja, andererseits sich hin und wieder wie ein Tier zu kratzen, hat schon was animalisch Befreiendes….

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yotsuya hiroba

Nach dem ich am Freitag nichts gemacht hatte – war ich nicht in diesem Haikupark und in Shinjuku? – fuhr ich Samstag am Abend wieder zu Natsu, die eine Lesson for handicaped people gibt. Dieses Mal bin sogar einigermaßen pünktlich. Die anderen sind zu spät. Macht nichts. Warten ist besser als hetzen. Schließlich wächst die Gruppe auf insgesamt 10 Teilnehmer_innen an. Vier davon haben besondere Bedürfnisse, die ein Etikett haben.

Nach einer Vorstellrunde – Natsu lässt mich leider nicht in Japanisch stottern – wärmen wir auf. Mal einzeln, mal zu zweit. Sie macht viel Akupressur, lässt alles zu, was von den Jugendlichen kommt, aber bietet dann auch immer wieder Struktur an. Wir improvisieren mit Gesten, Bewegungen und frei zur Musik. Jede_r darf einmal, auch ich, Wien – Sie kann Michaela nicht aussprechen. Anders als bei den Butohstunden ist in diesen zwei Stunden ihr Gesicht gelöst und nicht verbissen. Die Atmosphäre ist angenehm. „I would like to know more about your work.“ Sie lächelt milde und nickt.

Auf dem Rückweg entdecke ich dann das Firemuseum, von dem sie in ihrer ersten Wegbeschreibung geschrieben hat.

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Izakaya

Nach dem dreistündigen Tanztraining mit Yuri machte sich die ganze Gruppe auf den Weg zum Bahnhof, um schließlich in eine Izakaya, einer japanischen Kneipe, im ersten Stock einzukehren. Außer Yuri und Seisaku war noch ein weiterer Butohtänzer dabei und Yumiko mit ihrem spanischen Freund Miguel, der sicher weniger Masse auf die Waage bringt als ich, aber den Unterschied durch dichte Ganzkörperbehaarung (außer am Kopf) wettmacht.

Yuri sagt dem Werber auf der Straße vor dem Lokal wieviele Personen wir sind. Dann steigen wir hinauf. Bereits an der Tür empfängt uns ein weiterer Mitarbeiter und führt uns zu einer Koje. Please, take your shoes off. Die kommen in einen Kasten vor der Koje. Leider habe ich dort kein Foto gemacht. Hier ein Serviervorschlag.

Unter dem Tisch ist eine Grube mit einer Decke zum Wärmen oder man kann auf den Pölstern knieen. In Japan ist es üblich zum Alkohol Kleinigkeiten, Tsumami, zu essen, ja es wird sogar erwartet. So, beginnt die Runde rasch, viel und wild zu bestellen. Nach dem Sake und dem Bier, edamame (gesalzene Bohnen), Udon mit Makrele, Leberspießchen, Mochi gekocht in Sauce usw. Es ist üblich das Alles geteilt wird, auch die Rechnung am Schluss. Ich komme mit 2000 Yen davon, was mir allerdings die Erfahrung wert war.

Das Bier war gut. Mein Sitznachbar versetzte es mit Eiswürfel, die es im übrigen in fast jedem kalten Getränk gibt. Der Sake wird in einer Holzkiste serviert. In ihr liegt ein großes Stück Bambus mit dem Sake und als Dekoration liegen einige Eiswürfel oben auf. Auch die kleinen Essensportionen sind nett dekoriert und das Personal wie immer sehr eifrig.

Tabetai desu ka?

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momozono center

Yumiko hat mir eine weitere Butohtänzerin empfohlen: Yuri Nagaoka. Nach einer kurzen Emailkorrespondenz mache ich mich am Donnerstag auf zur Nakano Station und bin dieses Mal realy pissed off. Ich bin rechtzeitig weggegangen, habe einen Plan und finde den Sch.. trotzdem nicht. Irgendwo hinter dem Krankenhaus. Aber das Krankenhaus scheint kein Hinten zu haben… Ich schwanke zwischen „Ich lass es für heute; hat nicht sollen sein“ und „Jetzt erst recht!“ Schließlich finde ich das Gebäude, eine Art Volkshochschule mehr zufällig und ich bin bereits 20min zu spät. Ich komme nicht gerne zu spät. Dann gilt es nur noch den Portier zu überzeugen und schon bin ich im second floor, vor der richtigen Schiebentür. Drinnen wärmt sich eine größe Gruppe bereits intensivst auf. Also, rasch raus aus der Wäsch. Diesmal bin ich aber gut vorbereitet und trage Textil in mehreren Schichten. Dafür ist der Raum auch dann ordentlich überheizt. Die Sauna gibt‘ s als incentive, aber halt ohne Aufguß…

Yuri hält den Workshop mit Seisaku, einem weiteren Butohtänzer, der wie sie das gleiche Trainingsgewand trägt; auch die gleiche Ersatzwäsche nach der Pause. Wir wärmen mit Ballett-training auf und beginnen mit der Idee, dass unsere Körper geführt werden. Wie durch Seile, die von der Stirn nach Vorne, vom Hinterkopf zurück, von den Ohren zur Seite ziehen. Aber es gibt auch Seile, deren Ursprung hinter den Augäpfeln liegt, auf den Backenzähnen, am Knie und den Hüftknochen. Wie sollen uns vorstellen, wir wären Teil einer Gruppe; rund herum Menschen und wir werden durch die Gruppe bewegt und entscheiden uns nicht für eine Bewegung. Dann wachsen uns noch Löwenzahn aus allen Poren und wir improvisieren im Dunkeln. Relax.

Try to open the body in the workshop.
First, try to open various sensations to outside of the body, then feel.
Watch the stars, hear the sounds of the next room, touch cold water….
That looks easy, but actually we can’t do it so easily.
Because we tend to re-create them.
Our body thinking depends on the image,
we try to confirm, arrange, and prepare when we start.
When we behave (do) such a way like that, our sensation and eyes are going to close.
When our hands and eyes touch something, another part of the body has to help them as hard as they can.
We have to use the whole body for doing anything.
There is no room for thought and emotion.
Thought and emotion should come later.
We should first have the desire to touch and ask, “Is that the same thing as love”?
That surely makes the space around you change.
My teacher Tatsumi Hijikata always scolded me,
“ Show the invisible things, no one wants to see the things they already can see!!“
The space which is changing makes various forms by the way of the senses.
It’s going to be complex forms.
But we should simply practice the first step.
After that, we can mix more elements that we need.
If we put too many elements on the body on the first step, the skin is going to die with noise, the eyes are going to go inside(thought and emotion).
People often talk about „going inside“, but it’s not so easy, we only can go inside by looking at ourselves from the outside space which already became our body.
The outside body looks at our body as if seeing an unknown thing.
It’s not to barricade ourselves inside with a brain or emotion which are familiar to us.

Butoh dancer’s eyes are different from the eyes of those that only see daily life.
Some are only looking and seeing themselves with the eyes which are closed by a thick membrane.
That is not good for Butoh dance.
When we have opening eyes, our body already became eyes itself,
so the (real?) eyes don’t work as their function.
That’s like a curtain waving at the window,
it waves by another factor (wind, someone pulling…etc) but by itself.

Now I remember the same thing as that.
For example, when a dancer happened to fall on the stage, it gives a strong expression to the audience.
But if he tries to do the same thing again, it cannot have the same effect (has never come back).
That strong power can never come back no matter how hard we try to do the same thing.
We can’t get the power of the first time it happens. The first accident makes our body open because that is an unexpected thing.
If we try to do the same thing, our brain begins to work, then the sensation of the body closes.
Tatsumi Hijikata taught us that a Butoh dancer must be able to do each as the first (that) hundreds of times (as each).

So how can we do that?
The answer is „To become“.
We become something and jump into the sea which we have to become.
Become the naked soul and jump in.
I think it’s very important to throw away thought and usual custom for opening the body.

The thing I really want is one drop of water to the exhausted body.

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Sensei

Den Mittwoch habe ich mir für Yoshito reserviert. In Yokohama bleibt mir etwas Zeit um mich im Bahnhofsshoppinglabyrinth umzusehen, bevor ich weiter nach Kami-hoshigawa fahre. Dort in einem Supermarkt neben der Station mit dem originellen Namen „Fuji“ kaufe ich rasch ein paar Lebensmittel; bei den Temperaturen im Studio werden die schon nicht so rasch schlecht und steuere wie immer den Minimarket an – liegt ja auch am Weg. „Kohi o kudasai“ „Ich?“ „Hai!“ Diesmal ist der nette Verkäufer mit dem Irokesenhaarschnitt da. (Kenn ich den schon? Er nickt so wissend.) Er gibt mir eine Bonuskarte für den Kaffee. Vier Kleber und ich bekomme einen gratis (wahrscheinlich). Der Rest des Abends kann also nur gut werden… Auf dem Weg greife ich noch eine verirrte japanische Flamencotänzerin auf, die auch zu Yoshito möchte. Das Studio ist dieses Mal geheizt und der Sensei pünktlich. Gestern sei ein amerikanischer Schauspiellehrer mit seiner Schülerin da gewesen, der vielleicht heute wieder kommt, erzählt Yoshito fast erfurchtsvoll. Dieser Schauspielerlehrer entpuppte sich als der Amerikaner, der unlängst zu spät kam. Pff. Was ich mir zu ihm und der jungen Frau dachte, möchte ich nicht näher ausführen. Ich bin einfach doch ein schlechter Mensch und meine Schauspielschule war bei weitem nicht so….exclusiv. Dann begann die Stunde und wir damit eines der kleinen Handtücher, die in Japan gerne in der Küche und für alles mögliche verwendet werden, in Liebe, Haß und Wut zu bearbeitet. Früher konnten die Kinder am Rücken ihrer Mütter erkennen, in welcher Stimmung diese waren; weil sie Tücher würgten. Heute würden die Frauen keine Tücher mehr benutzen. Der Amerikaner gibt sich redlich Mühe mir immer unsympathischer zu werden, indem der Yoshitos Anweisungen durch eigene Anweisungen an seine „Schülerin“ (sorry, aber die Anführungsstriche mussten sein.) ergänzt oder meint allen erklären zu müssen, was Ukiyo-e („Bilder der fließenden Welt“, Farbholzschnitte) sind, obwohl die anderen Japanerinnen waren und ich ihn nicht gefragt hatte.

Dann sollten wir „unsere“ Frau auf der Bühne finden. Yoshito sprach vom Kabuki, wo Frauen von Männern gespielt werden und es deshalb zur Kunst wird. Durch die Übersetzung war wohl etwas verloren gegangen. Ich kenne ein Zitat aus dem Kabuki, das besagt: Sage einer Frau, spiele eine Frau und sie fragt dich, welche. Sage einem Mann, spiele eine Frau und er spielt sie. Um „unsere“ Frau zu finden, gab er uns kleine Gymnastikbälle. Mit dieser Übung konnte ich erst etwas anfangen, als ich beschloß, einfach zu improvisieren und Frau Frau sein zu lassen. Yoshito sprach vom Uterus als einem geschützen Universum und zitierte Kazuo mit seinem Stück „Meine Mutter“.

Er erwähnte eine Tänzerin, die als Frau nicht nur in ihrer Mutter tanzen konnte/kann, sondern auch als Mutter….

Dann wird ein riesiger runder niedriger Tisch zum Mond und Yoshito erzählt uns von den Fotoserien, die Kazuo für seine Stücke gemacht hat. Wir sollten uns fotografiert fühlen und unseres Rückens bewusst. Diese Stunde machte wieder einmal Sinn, Sensei.

Beim anschließenden Tee trinken, versuche ich den Herrn Schauspiellehrer zu ignorieren – als er mit Sushifingern die Zeitungsartikel über Yoshito angreift, als er der netten japanischen Studentin anschafft, sie solle gefälligst übersetzen und als er eine ungarische Zeitschrift als „from Yugoslavia“ identifiziert. „Do you know Bob Wilson?“, fragt er Yoshito. “ You should meet him. He‘ s a friend of mine.“ Als er Yoshito dann auch noch nach New Mexico für eine Performance und einen Workshop einlädt, zerfließt selbiger vor Glückseligkeit und beeilt sich ein schenkbares Poster zu finden. Ich helfe ihm mit dem Paket der Plakate von irgendeiner Kazuo-Aufführung und er sucht ein Gummiringerl. „Sensei!“ ich biete im ein Stück Schnur und verpacke das Poster noch nett für den Herrn Schauspiellehrer, der leider morgen schon wieder abreist. „Sensei, domo arrigato gozaimasu!“ „Samui“ „Hai, totemo samui“ Gute Nacht.

Auf der Heimfahrt halten die Keiseis müde ihre Alkoholfahnen hoch. Einer von ihnen sieht mich mit einem Blick an, der eher ins Spätabendprogramm einiger Privatsender passen würde. Ich drehe mich (ab)dankend weg. Ich stehe nur auf der Bühne als Objekt der Betrachtung zur Verfügung.

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furiu shogakko

Im Internet bin ich auf Natsu Nakajima gestoßen.

Sie macht Butoh mit disable/handicaped persons. Das klingt spannender als wieder zwei Stunden bei Yoshito zu frieren. Netterweise beschreibt sie mir im Email den Weg ganz detailliert. Aber es doch nicht so leicht, wenn man nicht weiß, was man sucht. Yatsuka Hioba, die alte Volksschule. Mein Fehler: Ich frage einen jungen Polizisten nach dem Weg, der holt dann auch noch einen Kollegen. Es dauert fast fünfzehn Minuten bis ich die beiden mit einer Ausrede aus ihrer Verzweiflung befreien kann. Nun, zum Glück wartet Natsu mit dem Unterricht auf mich.

„Your are a dancer?“ Ich zögere und sage dann nein, ich recherchiere. Während des ganzen Warmups ärgert mich das, bis zu dem Punkt wo die Sensei in den Spagat geht und ich a bisserle aussteig -Spagat konnte ich noch nie; Recherchieren: gute Antwort.

Wir wärmen mit Atemübungen, Yoga und Situps auf. Also, ich trete definitiv bei de Bodybuilderinnenmeisterschaft an! Beim freien Improvisieren klopft Sensei meinen Rücken ab und stößt dabei immer wieder irritierende Laute aus.

Im Butoh gehe es darum, ohne Bewusstsein zu tanzen, wie ein Kind. Nicht denken! Entspannen! Wir gehen, gelenkt von unserem dritten Auge, legen uns zu Bett und erwachen. Zwischendurch wieder eine Improvisation zu Lautmalereien. Zum Abschluss tanzt sie zehn Minuten ein Solo, das sie in Vancouver zeigen möchte. Der Tsunamitanz. Bilder von der Katastrophe tauchen auf. Das Meer, die Wucht, das Leid und dann ist das Meer wieder spiegelglatt.

„Butoh is the walk of smoke. Because Butoh is about disappearing, that why a form ist left behind.“

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