Ich bin eine Schülerin

Nach dem Biermuseum mache ich mich auf nach Koenji. Es regnet immer noch und es ist schon dunkel. Das macht es besonders schwierig, trotz detaillierter Beschreibung einen Ort zu finden, den man nicht kennt. Aber ich liege gut in der Zeit. Einmal zur Station zurück und wieder den gleichen Weg entlang geht sich locker aus. Zum Glück steht auf dem Haus irgendetwas mit disabled persons und Natsu steht beim Aufzug.

Sie hat mir Unterlagen über ihre Arbeit mitgebracht. Undatiert. Wie zitiere ich DAS bloß… Für die Mozartkugeln, die ihr schenke bekomme ich 500Yen Discount. Naja, so war ´s zwar nicht gedacht, aber bitte: auch nicht schlecht.

Wieder beginnt die Stunde mit einer Vorstellrunde. Ein junger Mann arbeitet in einer Farbenfabrik. Aus irgendeinem Grund erzähle ich von Wissensmanagement. Die Buchhändlerin legt den Kopf schief und sieht mich verstört an. Macht nichts, ich weiß ja auch nicht,was das sein soll. „Some kind of communication?“

Dieses Mal ist die Gehilfin nicht so milde gestimmt und reagiert überhaupt nicht auf mein Zucken und während ich die Wahl zwischen dem unangenehmen Luftzug der durch den Spalt unter der Tür kommt, vor der ich liege oder meiner Quälerin habe, überlege ich, ob es angemessen ist, die Population des Teppichs im Mehrzweckraum in Deutsch zu begrüßen und ob meine Recherche, meine wissenschaftliche Arbeit überhaupt auch nur den geringsten Anspruch an Validität erfüllen wird. Dann improvisieren wir mit Papier.

Nach der Stunde sagt Natsu, Einige von Ihnen würden noch etwas trinken gehen und ob ich mitkommen will. Sicher will ich. Schließlich sind wir zu viert. Der junge Mann aus der Farbenfabrik, die Buchhändlerin und jene, die ich für eine „disabled person“ gehalten habe. Sumimasen. Aber dieses Mal habe ich keinen Namen behalten.

Nach einer viertel Stunde durch den Regen stehen wir vor einer kleinen gläsernen Schiebetür, die unter Anderem mit einem Bild von David Bowie lockt.

Innen war die rechte Seite mehr eine Art Secondhandladen mit Kleidung auf zwei parallel laufenden Kleiderstangen, die von der Decke hingen. Entlang der linken Seite verlief eine dünne hölzene Bar und am Ende des Raumes waren jede Menge Verstärker und Musiksinstrumente aufgebaut. Ein Bob Dylanverschnitt in Lederhose spielt Jazz.

Betrieben wird die Bar von einem Paar. Die Frau nimmt unsere Bestellung entgegen. Ich nehme grünen Tee mit Sake, der ist warm. Auf der Bar aufgereiht sind verschiedene Kleinigkeiten zu essen, ein Eintopf und der Reiskocher. An der Wand über der Bar hängt ein Bild von Diana Ross. Die Barleute unterhalten sich mit meiner Begleitung.

Dann geht die Tür wieder auf, deren Griff aus einem schmalen Aststück besteht, und ein Mann schlüpft herein, der mir nicht so ganz ins Ambiente passen möchte. Er setzt sich unter die Kleiderstangen auf ein schwarzes schäbiges Sofa zwischen unsere Taschen. Nach und nach rückt er weiter. Dann sitzt er nahe der Bühne und greift sich ein paar Bongos und trommelt irgendwie mit. Der Sänger hat gewechselt.

Der Barmann hat lange graue Haare unter seiner „Bob Dylan“-Kappe und sein Gebiss ist fehlerhaft und fleckig. Ich werde ihm vorgestellt. „Where do come from?“ „Ostoriajin desu.“ „Ah, and what language do you speak in Australia“ „German“. Dann sagt er zu mir:

„Ich bin eine Schülerin!“ Ein Johlen geht durch die Runde an der Bar. Leider verstehe ich es nicht. Er hatte als zweite Fremdsprache Deutsch und wir diskutieren über Kaffee. Inzwischen sind noch mehr Musiker auf der Bühne. Der „unpassende“ Mann von vorhin entpuppt sich als Bassist. Hinter ihm ist die Toilette. Ich entschließe mich doch etwas zu essen. 500 Yen for all you can eat is ja ka Geld. Der Eintopf ist mit Wiener Würstel. Einem rosigen wurstähnlichen weichem Ding, mit Lauch und anderem. Daneben war auf einer Platte eine Art Salat ausgebreitet, der aus Paprikastreifen, Brunnenkresse und Staudensellerie bestand. Als Dressing bot sich Salz und Pfeffer an. Im Reis waren Pilze. Insgesamt war alles sehr oishii. Als die Barfrau wieder einmal in unser Eck kam – nun waren wir ohnehin die einzigen Gäste, die NICHT auf der Bühne standen – sagte ich ihr: „Oishii desu!“ Oh, sie hat sich so sehr gefreut. „Please eat more“ Der Barmann spielt nun das Keyboard und sie singen „superstitious writing on the wall“ und noch ein paar anderen Nummern. „Sind wir die nächsten die auf die Bühne gehen?“

Wir gehen und erst bei der JR Station merke ich, dass ich meine Mappe in der Bar liegen gelassen habe. zum Glück treffe ich den Mann aus der Farbenfabrik. Er geht mit mir zurück. Wir versuchen über Essen zu reden. In Englisch, Japanisch und irgendetwas dazwischen. In der Bar sitzen nun alle an selbiger und freuen sich sehr, dass ich wieder komme. Domo arrigata gozaimashita.

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Jishin

Hier bebt jeden Tag mehr oder weniger stark die Erde. An sich bin ja zu unsensible, um es immer zu merken und wenn ich es merke, um mir irgendetwas dabei zu denken; die anderen hier tun ’s auch nicht.

Heute morgen hat mich so ein Erdbeben allerdings geweckt oder das das davor war. Einige Sekunden lang wackelte das Haus und ich hielt die Luft an. Stärke 5,6.

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Ame ga futte imasu. „no pictures, please!“

Es regnet, also stehen auf dem intellektuellen Speiseplan gleich zwei Museen. Das Tokyo Metropolitan Museum of Photography und das Yebisu Beermuseum. Bei liegen höflicherweise at the Ebisu Station und können überdacht erreicht werden. Bei der Ankunft in der Station spielt der Lautsprecher das Thema aus dem Film „Der dritte Mann“. (Solange die Türen der Züge offen sind, wird eine Melodie gespielt, die endet kurz bevor bei uns „Zuagfeerdap!“ zu hören ist. Manche Station haben besondere Melodien…)

Das Museum ist etagenweise zu bezahlen. In jeder Etage ist eine Ausstellung zu sehen. Wir nehmen zwei von dreien. Europäische Fotografie müssen wir in Tokyo nicht sehen… Auf der Etage lacht uns das Schild „no pictures, please!“ an. Klar, die haben selber schon so viele davon, dass sie sie sogar ausstellen…

Die erste Ausstellung ist „Contemporary Japanese Photograpy“ und für einen Moment bereue ich es fast, dass ich mein Vergrößerungsequipment verschenkt habe. Aber andererseits: Den Vergrößerungsapparat habe ich noch…

Die zweite Ausstellung trägt den Titel „Quest for Vision vol.4 Beyond the Naked Eye“ und beschäftigt sich mit sich verändernden Blickwinkeln auf die sogenannte Welt. Thematisch schließt das zwar wunderbar an die Vorlesung „Gender-Wissenschaft-Technik“ an, die sich unter Anderem mit einem niemals neutralen Standpunkt des/der Forschenden beschäftigt hat, aber insgesamt von einer künstlerischen Anspruch an Fotografie eher weniger interessant.

Der vollständigkeithalber: http://syabi.com/e/contents/exhibition/index-1453.html

Yebisu Beer

Um dieses Bier zu brauen, das der heutigen JR Station seinen ursprünglichen Namen gegeben hat, wurde ein deutscher Braumeister samt Ausrüstung importiert. Auf der ersten Fabrik stand auch neben dem japanischen Namen der deutsche „Brauerei“. Biertrinken wurde in Japan erst nach dem Krieg eine populäre Angelegenheit und Yebisu Bier galt/gilt als qualitativ hochwertig. Besonders die Ausländer_innen tranken/trinken es gerne. Es gibt Führungen mit Verkostung und die Gruppen schienen echt Spaß zu haben, schließlich boten ihnen die Führerinnen offensichtlich eine gute Show…

Das Museum ähnelt einem Tempel. Am Eingang steht eine kleine Statue von Ebisu auch Hiruko genannt, dem japanischen Gott der Fischer_innen, des Glücks, der Arbeiter_innen und der Beschützer der Gesundheit von Kleinkindern. Dieser universelle Kerl ist das Wahrzeichen der Brauerei und auf jeder Flasche, auf dem Teppich im Zwischengeschoss und sonst noch wo zu finden.

Vom Eingang führt eine große Freitreppe hinunter in eine Halle, in deren Mittelpunkt ein glänzender Braukessel steht, rechts und links davon auf der Plattform befindet sich die communication area. Dort finden die geführten Touren mit einer animierten Verkostung ihr Ende.

Etwas tiefer gelegt,kann man auf der rechten Seite noch allerlei Sachen, die mit Yebisu und seinem Bier zu tun haben, im Museumsshop erwerben bzw. dahinter an einer langen Bar weiter saufen.

Die Ausstellung selbst befindet sich auf der linken Seite der Halle und besteht eigentlich nur aus einigen Flaschen, „Serviervorschlägen“ und Fotos aus der Gründungszeit der Brauerei.

Uchida-san war ein bekannter Haikudichter (1889-1971), der in Japan als liebenswerter Exentriker gilt, der nicht zuletzt durch einen Film von Akira Kurosawa berühmt wurde.

….und an mehr kann ich mich leider nicht mehr erinnern….

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Create your own language

Meine heutig Foltergehilfin bei Natsu ist milde gestimmt. Dieses „Shiatsu“ wie sie es nennen, also das Aktivieren von Stresspunkten tut nicht gleich weh. „Should it hurt?“ „Well, that depends…But if you want, i can press harder!“ „NO!“

Während des obligatorischen Warmups stehe ich manchmal neben mir, um zu beobachten und überlege, wie Menschen, mit denen ich so im (nicht künstlerischen) Alltag zu tun habe, auf die Handlungsanweisungen reagieren würden…

Sensei spricht über individuelle (Körper)sprache beim Tanzen und wir versuchen, in der Mauer zu tanzen wie Kazuo Ohno. Dann fordert sie uns auf, unsere eigene Sprache zu entwickeln. Die Erste tanzt „Familie“, die Zweite „Tears“. Während die anderen tanzen, überlege ich, warum ich eigentlich Butoh mache…wakarimashita.

„Today it’s like exhibition. Would you like to try?“ Ich habe zwar nicht die leiseste Idee, was und wie ich machen soll, aber ich probiere es. „So, what are you dancing?“ „Hmm, …Love?!“ „Love! Dance is Love“  und lacht. Dann wirft sie irgendeine romantische Musik ein. Ich improvisiere nicht bis zum Ende der Nummer. „You did feel something.“ Dann improvisiert Sensei und es ist beruhigend zu sehen, dass sie auf irgendeine Musik auch nur irgendeinen Ausdruck abliefert…

Meine Bitte um ein Interview lehnt sie ab.

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Tadaima

She is back. Die Vermieterin meine ich und noch während sie im Vorraum steht und ich Tee mache, fragt sie P. nach den vielen Sachen, die ihr Haus kleiner machen. Sie begründet das damit, dass japanese eben viele Sachen und wenig Platz haben, sie auch und dass, nach Fukushima, drei oder vier Familien Hals über Kopf das Land verlassen hätten und deren Sachen sich nun halt bei ihr stapeln würden. Das erklärt zwar den einen oder anderen Haufen Kleidung, aber nicht wirklich die Schränke voller abgelaufener Lebensmittel. Anyway, sie scheint ganz nett zu sein und wir plaudern. Irgendwann waren wir dann doch auch bei geschlechterstereotypischen Klischees angelangt und ich fühlte mich wie ein Alien. So wie im November in München mit den zwei älteren Frauen. Dort hatte ich mich in der Früh dazu entschieden, als Dialogpartnerin zur Verfügung zu stehen und während die eine von beiden das Badezimmer belagerte, mir von der anderen den Zweck ihrer Reise, eine Lesung eines chinesischen Dichters, näher beschreiben zu lassen. Ich weiß nicht mehr, was der Äußerung voran gegangen war, aber plötzlich fragte mich diese Frau, ob ich auch beziehungsgeschädigt sei. Nachdem ich sprachlos verneinte, war unsere Unterhaltung auch schon zu Ende. Glücklicherweise kam gerade in diesem Moment die andere doch wieder einmal aus dem Badezimmer und stimmte spontan in das Ausbreiten von Klischees über Männer ein. Damals überlegte ich kurz, ob ich den Damen einen eloquenten Vortrag über eine differenzierter Sichtweise von Geschlecht „angedeien“ lassen sollte, aber andererseits: Sie schöpft ihre Deutungsmuster aus ihren Erfahrungen und ich habe doch eigentlich kein Recht, diese zu torpedieren, nur weil ich andere Erfahrungen gemacht habe. (und an a bisserle aner akademischen Auseinandersetzung im Rahmen der Gender Studies genascht hatte). Also lies ich es damals. Dieses Mal scheitert so ein Vorhaben schon allein daran, dass ich mich im Englischen lang nicht so wortgewaltig bewege wie im Deutschen. Damned!

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Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

Es schneit in Tokyo! Zwar ist die Erde nicht weiß, dazu ist es zu warm und auch der blaue Himmel bot sich mehr wegen dem Romantitel an, als wegen wahrnehmbarer Wettererscheinungen, aber nichtsdestotrotz: Es schneit!

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Alternative

Für heute hatte ich eigentlich einen Interviewtermin mit Yumiko vereinbart. Sie schreibt, wir treffen uns an der Higashinakano Station. Auf meine Frage, ob diese Station denn nur einen Ausgang hat, bekomme ich leider keine Antwort und so verwundert es mich auch nicht sonderlich, dass ich eine dreiviertel Stunde warte und zweimal alle Ausgänge ablaufe ohne auf sie zu treffen. Also, eine Alternative muss her! Mr.Donuts.

Da Kalorien zu zählen ist völlig zwecklos. Es waren viele! Der Krapfen ist gefüllt mit „Angelcreme“. Das ist Schlagobers, natürlich gezuckert. Der Ring war außen fett wie ein Krapfen und innen ganz locker und luftig. Den gab es übrigens auch noch gefüllt und in Schokolade getunkt. Der Kaffee ist mehr ein Milchkaffee, aber dafür bekommt man soviel man will…

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Ushigome Area

Der Bezirk Shinjuku entstand 1947 durch den Zusammenschluss der Stadtteile Yotsuya, Ushigome und Yodobashi. Ushigome wird in den Reiseinfos als Geheimtipp beschrieben, weil es noch nicht so sehr von Tourist_innen überlaufen ist und eine interessante Mischung an Häusern und Geschäften bietet.

Vom Bahnhof Iidabashi ist das erste Ziel der shintoistische Shrine „Tsukudo-hachiman-jinja“. Vorbei an einem mit Stacheldraht eingezäunten Kinderspielplatz geht es einen kleinen Hügel hinauf. Am Fenster eines Nebengebäudes steht „Free information about shintoism avaible. Please ask at the little window behind you.“

Wieder zurück auf der Straße entdeckte ich an einer Kreuzung endlich meinen Daruma. Ich kaufe die Figur in einem kleinen Geschäft, das Geschirr, Souvenirs, Blumentöpfe und noch allerlei Krimskrams in der Auslage hat. Dort wo ich die Kassa vermute, sitzt eine kleine alte Frau an einem Tisch und schläft. Zu ihrer Füßen wärmte sich eine Katze an einem elektrischen Heizer. (Sie hatte auch schon ganz rote Streifen auf dem Fell….) Dann kommt die Ladenbesitzerin. Während sie das Ausstellungsstück, das ich zwecks der Verständigung von draußen mit herein genommen hatte, gegen einen neuwertigen Daruma im Lager ausstauscht, starrt die alte Frau, die inzwischen munter geworden war, auf die Figur und murmelt ein wenig ungläubig den Preis: ni hyaku san jiu hachi en. Dann wurde Ae(te) – warum auch immer hat er jetzt einen Vornamen – sorgfältig in ein Papiersackerl verpackt, verklebt und in einem obligatorischen Plastiksackerl verstaut. Arrigato.

Auch beim Brotgeschäft habe ich das Fotografierverbotsschild zu spät gesehen….

Den restlichen Nachmittag verbrachte ich damit, das Yarai Noh Theater in der Gegend zu suchen und nach Durchlaufen von immer enger werdenden Bahnen auch zu finden, aber das ist eine andere Geschichte……..

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Noguchi seitai

Dienstag bin ich wieder zu Natsu gegangen. Sie praktiziert Noguchi Seitai und will, dass wir unsere Katsugen fließen lassen. Ob die voran gestellte Massage/Akupressur Teil dieses (philosophischen) Konzeptes ist, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber ich bin skeptisch, denn die „Bearbeitung“ durch eine andere Teilnehmerin tut mir weh. „Should it hurt?“ Sie lächelt mich strahlend an, scheint meine Frage aber nicht zu verstehen. Ich wiederhole sie. „Oh, no,no…“ Beim Bein das gleiche Spiel. Ich gebe auf und spanne einfach meine Muskulatur so an, dass der Schmerz erträglich ist.

Denn auch wenn mir jetzt der/die eine oder andere widersprechen möge und ich mein Image auch entsprechend gepflegt habe, aber ich glaube nicht an Schmerzen, weder aktiv noch passiv uns schon garnicht zur Entspannung.

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Shinjuku

In unmittelbarer Gehnähe zur Subway Station Shinjuku befindet sich das Tokyo Government Building. (Wobei Nähe hier etwas Relatives ist…) Zufällig bin ich in einem anderen Blog auf den Hinweis gestoßen, dass es hier erstens einen Tourist_inneninformation gibt und zweitens zwei Aussichtplattformen zu denen der Zutritt kostenlos ist. Shinjuku ist einer der größten Bahnhöfe der Welt und wird tagtäglich von drei Million Menschen frequentiert. Erstaunlich rasch war dafür der unterirdische Weg zum Regierungsgebäude zu finden. Nachdem ich in der Information alles eingesammelt hatte, was für mich von Interesse sein könnte, stellte ich mich ordentlich zur Taschenkontrolle an, um dann hinter der zweiten Linie auf den Aufzug zu warten, der mich in den 45. Stock beförderte. Oben war´s befremdlich, vielleicht auch deshalb, weil ich – naiv – eine Plattform immer mit Luft, Wind und Kälte assoziiere. Doch hier ist es eben der 45. Stock. Auf der einen Seite ein italienisches Restaurant mit gedämpfer Musik und weniger gedämpfen Essensgerüchen und an den anderen drei Seiten, Aussicht über Tokyo. Am Horizont war es zwar auch dunstig, aber vor Allem ist diese Stadt so groß, dass man ihre Begrenzungen nicht sehen kann.

Shinjuku ist auch bekannt für sein Geschäfts- und Unterhaltungsviertel. Da ich erst gegen Mittag aufgebrochen war und das Tageslicht und die regulären Öffnungszeiten nutzen wollte, besucht ich statt den unzähligen Konsumtempeln, den Shinjuku Gyoen National Garden.

Der kaiserliche Garten wurde 1906 angelegt und verbindet drei unterschiedliche Gartenstile: einer Art japanischen Wandelgarten mit Teehäusern, Brücken, Wasser und Nadelhölzern, einem englischen Garten mit großflächigen Wiesen und einem französischen Garten, der rund um eine mit Plantanen bepflanzte Promenade angelegt ist und mir am wenigsten gelungen Teil scheint: So reihen sich im Rosenbeet die „Helmut Schmidt“-Rose neben die von „Carolin von Monaco“ und „Esmeralda“. Auch Playgirl und Playboy finden sich hier (als Pflanze wieder) und „Sexy Rexy“.

Jedes Frühjahr wird im Shinjuku Gyoen mit Kirschblütenfest Hanami die Schönheit der Kirschblüte gefeiert. Darüber hinaus ist der Park für seine Chrysanthemen berühmt.

 
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