Tadaima

She is back. Die Vermieterin meine ich und noch während sie im Vorraum steht und ich Tee mache, fragt sie P. nach den vielen Sachen, die ihr Haus kleiner machen. Sie begründet das damit, dass japanese eben viele Sachen und wenig Platz haben, sie auch und dass, nach Fukushima, drei oder vier Familien Hals über Kopf das Land verlassen hätten und deren Sachen sich nun halt bei ihr stapeln würden. Das erklärt zwar den einen oder anderen Haufen Kleidung, aber nicht wirklich die Schränke voller abgelaufener Lebensmittel. Anyway, sie scheint ganz nett zu sein und wir plaudern. Irgendwann waren wir dann doch auch bei geschlechterstereotypischen Klischees angelangt und ich fühlte mich wie ein Alien. So wie im November in München mit den zwei älteren Frauen. Dort hatte ich mich in der Früh dazu entschieden, als Dialogpartnerin zur Verfügung zu stehen und während die eine von beiden das Badezimmer belagerte, mir von der anderen den Zweck ihrer Reise, eine Lesung eines chinesischen Dichters, näher beschreiben zu lassen. Ich weiß nicht mehr, was der Äußerung voran gegangen war, aber plötzlich fragte mich diese Frau, ob ich auch beziehungsgeschädigt sei. Nachdem ich sprachlos verneinte, war unsere Unterhaltung auch schon zu Ende. Glücklicherweise kam gerade in diesem Moment die andere doch wieder einmal aus dem Badezimmer und stimmte spontan in das Ausbreiten von Klischees über Männer ein. Damals überlegte ich kurz, ob ich den Damen einen eloquenten Vortrag über eine differenzierter Sichtweise von Geschlecht „angedeien“ lassen sollte, aber andererseits: Sie schöpft ihre Deutungsmuster aus ihren Erfahrungen und ich habe doch eigentlich kein Recht, diese zu torpedieren, nur weil ich andere Erfahrungen gemacht habe. (und an a bisserle aner akademischen Auseinandersetzung im Rahmen der Gender Studies genascht hatte). Also lies ich es damals. Dieses Mal scheitert so ein Vorhaben schon allein daran, dass ich mich im Englischen lang nicht so wortgewaltig bewege wie im Deutschen. Damned!

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