Takao Yamashita-San

Ein Besuch im Edomuseum ist auf jeden Fall zu empfehlen. Einerseits weil in dieser riesigen düsteren Hall die Geschichte Edos sehr ansprechend aufbereitet ist und andererseits weil man eine Gratisführung durch eine volunteer guide in Anspruch nehmen kann. Unserer heißt Takao Yamashita und hat im Verkauf für eine amerikanische Firma gearbeitet. Er erzählt Geschichten darüber wie die Menschen während der Edozeit gelebt haben und ist ganz entzückt darüber, dass ich Noh und Kabuki kenne. Er will unbedingt nach Wien kommen. „Dann werde ich eine Führung in Japanisch anbieten!“ “ Ok, ich komme nächste Woche!“ (Japanischer Humor)

Nun aber zu den kleinen Geschichten, die Takao-San erzählt hat:

Wenn man das Museum im dritten Stock betritt, so kommt man in eine riesige Halle in deren Mittelpunkt die Nihonbashi als begehbares Modell steht.

Bashi bedeutet Brücke und die Nihonbashi, also die japanische Brücke verbindet wichtige Teile der Stadt über den Nihonbashi-Fluss. (Bitte nicht fragen, wie der Fluss nach der Brücke benannt sein kann. Ich weiß es nicht…) Die erste Version der Brücke wurde 1603 aus Holz fertiggestellt. Die heutige steinerne Fassung 1911. Heute noch nehmen von diesem Punkt aus die fünf wichtigsten Highways durch das Land ihren Anfang. Zur damaligen Zeit war das Gebiet rund um die Brücke ein wichtiger Handelsplatz, auch der Fischmarkt war ursprünglich dort angesiedelt. Berühmt wurde diese Brücke im 17. Jahrhundert unter dem Namen Edobashi, weil von hier aus der Weg nach Kyoto führte. Um bei einem Feuer eine Katastrophe zu verhindern, wurden vor der Brücke so genannte Feuerschutzareas errichtet. Dort durften keine festen Häuser gebaut werden. So entstanden an den Ufer Flaniermeilen mit kleinen Restaurants u.ä. Übrigens gibt es ein Sprichwort: „fire and fights are the flower of edo“ Denn der wirtschaftliche Auffschwung Edos begann nach dem großen Feuer im Jahr 1657.

Eine Zeichnung, die unmittelbar nach dem großen Feuer Edo zeigt. Ein Ort der Verwüstung. 100 000 Menschen starben.

Die Kämpfe beziehen sich auf den Wettstreit von den Feuerbrigaden untereinander. Diese gesponserten Helden waren nur an spektakulären Feuern interessiert oder an jenen, die ihre Geldgeber_innen betrafen.

Eine zeitgenösische Darstellung dieser Truppen. Der Anführer trug deren „Zeichen“ auf einer Stange und positionierte sich auf dem Dach oder irgendwo oben halt, von wo er dann die Befehle gab. Er war aus der Truppe der Superhero und hatte einen eigenen Assistenten, der seine Uniform naß hielt, damit er nicht anbrannte.

Weiter gings zu einem Modell einer Daimyo-festung. Ein Daimyo war ein lokaler Herrscher, der dem Shogun einmal im Jahr die Aufwartung machen musste und selbigem unterstand.

Deren Häuser hatte besonders geschmückte Tore, die ausschließlich dem Shogun vorbehalten waren.

Fürstlich gereist wurde in eine Senfte inklusive Träger_innen (ja, starke Frauen trugen die feinen Damen) und Ersatzmannschaft. Allerdings waren die Dinger nicht sehr bequem und so wurden sie nur zum Einzug in die jeweilige Stadt benutzt um zu repräsentieren.

Der Plan einer examplarischen Stadt dieser Zeit. Es gab Stadttore, die nur zu bestimmten Zeiten offen waren. D.h. Fremde konnten nicht unbemerkt in die Stadt; wussten es die Wächter, wussten es alle. Der blaue Streifen in der Mitte zeigt die Wasserkanäle, einer der ersten baulichen Maßnahmen des berühmten Shoguns. Jedes weiße Rechteck entspricht einem Familienhaus. In der Mitte des Blocks gab es die einsehbaren Gemeinsschafttoilette und den Brunnen. Wie bei uns die Basena. Am Morgen kam ein Händler, der die nächtlichen Ausscheidungen kaufte und an die Bauern weiter verkaufte. Ein geschlossenes Ökosystem.

Takao-San erzählt auch davon, wie er nach dem Krieg in einem dieser kalten Häuser gewohnt hat, deren wohl einziger Vorteil es war, dass sich durch den Luftzug im Haus kein Kohlenmonoxyd ansammeln konnte.

Eine Revolution des Informationsmanagement stellte die Erfindung des Holzfarbschnittes dar. Die ersten tauchten im 17.Jahrhundert auf. Die künstlerischen Versionen davon werden Ukyo-e genannt. Hier die Herstellung:

Die künstlerische Version davon ist besser unter Ukyo-e bekannt. Am bekanntesten ist „die Welle“, die in Europa die Impressionist_innen auf Grund ihrer neuartigen Perspektive maßgeblich beeinflusste.

Im 18.Jahrhundert wurde so, wie bei uns Zeitungen vertrieben und nicht zuletzt die „Yellow press“ geboren.

Ein Zeitungsverkäufer (18.Jh.), der die Nachrichten (wahrscheinlich nur die Schlagzeilen) singend durch die Straßen zog, um so seine Zeitung zu verkaufen.

Publikationen dieser Zeit. Bekannt sind auch die „100 Ansichten Edos“, die diverse Station auf der Reise von Edo nach Kyoto festgehalten haben. Ansonsten waren Darstellungen von Kabukischauspieler (auch privat) oder auch von populären Sumoringern beliebt.

Geld der Edozeit. Das Maß war Reis. Unterschiedliche Bevölkerungsgruppen verwendeten unterschiedlichen Münzen. Keine Ahnung, wie das funktioniert hat…

Apropos Geld, Handel, usw. Eine sehr erfolgreiche Neuerung war das erste Departmentstore in dem wohlhabende Leute Kimonos von der Stange kaufen konnten. Nicht zuletzt sehr beliebt, weil den begleitenden Diener_innen Tee angeboten wurde und die deshalb ihre Herrschaft zum Einkauf im Etablisement animierten. Das Besondere daran war: Bisher waren die Händler durchs Land und von Haus zu Haus gezogen, hatten ihre Waren dort gelassen und im Jahr darauf ihr Geld kassiert. Nun kamen die Kund_innen zu den Händler_innen und zahlten gleich. Um vor dem Feuer sicher zu sein, wurde die Ware in einem Lagerhaus abseits aufbewahrt. Zu Verkäufern wurde nur Buben aus einer bestimmten Gegend ausgebildet und niemand aus der Gegend um das Store herum, weil das als unsicher galt. Die Burschen mussten arbeiten und bekamen eine Ausbildung. Nach zehn(!) Jahren hatten sie das erste Mal Urlaub. Kaum einer von ihnen arbeitet länger als bis 30, weil sie alle an der „Edokrankheit“ litten. Die Edokrankkheit wird durch den Mangel an Vitaminen einer einseitigen Ernährung ausgelöst. Danach gingen die jungen Männer wieder zurück in ihre Dörfer.

Die Bedeutung der Delphinfigur auf den Tempeln/Shrinen hat er uns auch erklärt: Die schützen vor Feuer, weil Delphine das Feuer meiden.

Zum Abschluss tauschen wir noch Höflichkeiten und unsere Emailadressen aus. Fünf Stunden später hatte ich die ERSTE Nachricht von Takao-San. Ich fürchte, dass wir der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…

Nach dem obligatorischen Besuch des Museumsshops sind wir draußen. Dort dämmert es inzwischen und das gegenüber liegende Sumoringermuseum hat auch nicht offen. Allerdings begegnen uns in der Gegend eine Reihe von schwergewichtigen Herren nebst Begleitung und wir machen um sie respektvoll einen Bogen. Dann brauchen wir Kaffee…

Posted in Uncategorized | Leave a comment

all the power to the people

Natürlich war ich einen Anstandsmoment ergriffen, hatte mich aber doch soweit unter Kontrolle, dass ich den Boden davor NICHT geküsst habe.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Junk

Es regnet immer noch. Nicht das richtige Wetter für eine weitere Überdosis Gärtner_innengrüns oder für die Andacht vor einem Shrine oder Tempel. Nachdem es mich aber auch nicht so recht in das nächste Museum zieht, entscheide ich mich für Junk und fahre nach Schweden, wie R. zu sagen pflegt.

Geht mehr Junk als in Ikea-Yokohama Köttbular mit Erdäpfel, Pommes Frittes, Sauce und Preiselbeeren zu essen ? Dann rasch durch die Möbelausstellung – vielleicht finde ich ja hier die Polsterüberzüge, die in Wien ausverkauft sind – selbstverständlich muss ich auch in die Fundgrube schaun und dann noch das obligatorische Hotdog, mit  Zwiebeln, Gurken, Ketchup und Senf. Gespült wird mit einem Softdrink und dann geht’s zur Haltestelle des Ikeabuses, der uns zurück zu Station Shin-Yokohama bringt.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Tag der kostenfreien Experimente

Nach einem kurzen ornitoligischen Blindflug entlang des Fluss, der durch unseren Wohnbezirk verläuft, steuerten wir mehr gefühls- als planmäßig, Ikebukuro an; Sunshincity. Ein riesiger Gebäudekomplex, der auf den Grundmauern eines Gefängnisse errichtet wurde und neben einem Museum, einem Aquarium, einem Planetarium, noch jede Menge Geschäfte und Restaurants aller Art beherbergt. Es ist ja nicht so sehr verwunderlich, WAS man alles kaufen kann, sondern mehr, WIEVIEL. Wir wanderten etwas planlos durch dieses Labyrinth, in dem man sogar ein Bambirestaurant finden kann; Lugnercity lässt grüßen. Schließlich stehe wir vor einem Themepark: Namjatown.

(Fremdes Bild aus dem www)

Ein kurzer Blick auf die Preistafel lässt mein Interesse dafür blitzartig verschwinden: Umgerechnet 30 Euro für was genau, will ich dann schon garnicht mehr wissen. Eine spätere Internetrecherche ergibt, dass das ein Pass ist und dass der eigentliche Eintritt nur ca. 3 Euro ausmacht. Ich werde das bei nächster Gelegenheit überprüfen… (Allerdings selbige Internetrecherche erweckte in mir den Verdacht, dass ich da schon war; war lustig)

Auf zur nächsten Attraktion. Hierbei werde ich nur bedingt die Details ausführen. Also: stellen Sie sich vor, einen kleinen Raum mit zwei Sitzgelegenheiten. Einen um den werten Nachwuchs zu bändigen und einen für Sie selbst. Der Sitz lässt sich desinfizieren, für die um Krankenheiten Besorgten unter uns und was mich noch mehr freut, er ist beheizt. Ein Ventilator saugt eventuell störende Gerüche ab. Darüber hinaus gibt es noch diverse Wasserspiele. Versprochen, keine Details, ABER ich habe natürlich ALLES müssen ausprobieren…

Das nächste Ziel war das Aquarium im obersten Stock – wunderbare Beschilderung übrigens. Oben angelangt, erweist sich das Aquarium nicht nur wegen den hohen Eintrittspreises, sondern weil es sich als Freigelände heraus stellt, in dem nasse Robben in kaltem Wasser mit totem Fisch gefüttert werden, als äußerst unattraktiv. Also wieder zurück zum Aufzug; geordnet natürlich.

Am Ausgang der Sunshinecity liegt das Toyotagebäude. Autos sind für mich nicht so spannend, aber die netten JapanerInnen am Eingang verteilen Zettel für eine Schnitzeljagd und für den gestempelten Zettel bekommt man einen Dosenkaffee gratis. Zwei Stempel gilt es zu sammeln. Ich fühle mich der Herausfoderung durchaus gewachsen und habe recht schnell den ersten; irgendeine Figur. Im zweiten Stock tanzen choreographiert und ich meine das diesmal wortwörtlich, junge Frauen mit Staubwendel um zwei Wagen herum. Dazu sprechen sie etwas Animierendes. In dieser Stadt gibt es echt kranke Jobs… 

Im dritten Stock passiert dann das Unerwartete: Ich finde den zweiten Stempel und auf dem Weg nach Unten muss ich an einem Fahrsimulator vorbei, ABER das schaffe ich nicht und stelle mich an. Ich mache es kurz: Ich bin 13. geworden und habe mein Publikum ganz gut unterhalten. Im Erdgeschoss gibts dann noch einen Fahrsimulator, den ich der Vollständigkeit halber auch besuche und auch hier belege ich Platz 14. Allerdings von 16 möglichen. Die netten Damen mit dem Kaffee sind inzwischen weg und ich bediene mich gegen Münzen am Automaten.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

very tasty

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Ich bin eine Schülerin

Nach dem Biermuseum mache ich mich auf nach Koenji. Es regnet immer noch und es ist schon dunkel. Das macht es besonders schwierig, trotz detaillierter Beschreibung einen Ort zu finden, den man nicht kennt. Aber ich liege gut in der Zeit. Einmal zur Station zurück und wieder den gleichen Weg entlang geht sich locker aus. Zum Glück steht auf dem Haus irgendetwas mit disabled persons und Natsu steht beim Aufzug.

Sie hat mir Unterlagen über ihre Arbeit mitgebracht. Undatiert. Wie zitiere ich DAS bloß… Für die Mozartkugeln, die ihr schenke bekomme ich 500Yen Discount. Naja, so war ´s zwar nicht gedacht, aber bitte: auch nicht schlecht.

Wieder beginnt die Stunde mit einer Vorstellrunde. Ein junger Mann arbeitet in einer Farbenfabrik. Aus irgendeinem Grund erzähle ich von Wissensmanagement. Die Buchhändlerin legt den Kopf schief und sieht mich verstört an. Macht nichts, ich weiß ja auch nicht,was das sein soll. „Some kind of communication?“

Dieses Mal ist die Gehilfin nicht so milde gestimmt und reagiert überhaupt nicht auf mein Zucken und während ich die Wahl zwischen dem unangenehmen Luftzug der durch den Spalt unter der Tür kommt, vor der ich liege oder meiner Quälerin habe, überlege ich, ob es angemessen ist, die Population des Teppichs im Mehrzweckraum in Deutsch zu begrüßen und ob meine Recherche, meine wissenschaftliche Arbeit überhaupt auch nur den geringsten Anspruch an Validität erfüllen wird. Dann improvisieren wir mit Papier.

Nach der Stunde sagt Natsu, Einige von Ihnen würden noch etwas trinken gehen und ob ich mitkommen will. Sicher will ich. Schließlich sind wir zu viert. Der junge Mann aus der Farbenfabrik, die Buchhändlerin und jene, die ich für eine „disabled person“ gehalten habe. Sumimasen. Aber dieses Mal habe ich keinen Namen behalten.

Nach einer viertel Stunde durch den Regen stehen wir vor einer kleinen gläsernen Schiebetür, die unter Anderem mit einem Bild von David Bowie lockt.

Innen war die rechte Seite mehr eine Art Secondhandladen mit Kleidung auf zwei parallel laufenden Kleiderstangen, die von der Decke hingen. Entlang der linken Seite verlief eine dünne hölzene Bar und am Ende des Raumes waren jede Menge Verstärker und Musiksinstrumente aufgebaut. Ein Bob Dylanverschnitt in Lederhose spielt Jazz.

Betrieben wird die Bar von einem Paar. Die Frau nimmt unsere Bestellung entgegen. Ich nehme grünen Tee mit Sake, der ist warm. Auf der Bar aufgereiht sind verschiedene Kleinigkeiten zu essen, ein Eintopf und der Reiskocher. An der Wand über der Bar hängt ein Bild von Diana Ross. Die Barleute unterhalten sich mit meiner Begleitung.

Dann geht die Tür wieder auf, deren Griff aus einem schmalen Aststück besteht, und ein Mann schlüpft herein, der mir nicht so ganz ins Ambiente passen möchte. Er setzt sich unter die Kleiderstangen auf ein schwarzes schäbiges Sofa zwischen unsere Taschen. Nach und nach rückt er weiter. Dann sitzt er nahe der Bühne und greift sich ein paar Bongos und trommelt irgendwie mit. Der Sänger hat gewechselt.

Der Barmann hat lange graue Haare unter seiner „Bob Dylan“-Kappe und sein Gebiss ist fehlerhaft und fleckig. Ich werde ihm vorgestellt. „Where do come from?“ „Ostoriajin desu.“ „Ah, and what language do you speak in Australia“ „German“. Dann sagt er zu mir:

„Ich bin eine Schülerin!“ Ein Johlen geht durch die Runde an der Bar. Leider verstehe ich es nicht. Er hatte als zweite Fremdsprache Deutsch und wir diskutieren über Kaffee. Inzwischen sind noch mehr Musiker auf der Bühne. Der „unpassende“ Mann von vorhin entpuppt sich als Bassist. Hinter ihm ist die Toilette. Ich entschließe mich doch etwas zu essen. 500 Yen for all you can eat is ja ka Geld. Der Eintopf ist mit Wiener Würstel. Einem rosigen wurstähnlichen weichem Ding, mit Lauch und anderem. Daneben war auf einer Platte eine Art Salat ausgebreitet, der aus Paprikastreifen, Brunnenkresse und Staudensellerie bestand. Als Dressing bot sich Salz und Pfeffer an. Im Reis waren Pilze. Insgesamt war alles sehr oishii. Als die Barfrau wieder einmal in unser Eck kam – nun waren wir ohnehin die einzigen Gäste, die NICHT auf der Bühne standen – sagte ich ihr: „Oishii desu!“ Oh, sie hat sich so sehr gefreut. „Please eat more“ Der Barmann spielt nun das Keyboard und sie singen „superstitious writing on the wall“ und noch ein paar anderen Nummern. „Sind wir die nächsten die auf die Bühne gehen?“

Wir gehen und erst bei der JR Station merke ich, dass ich meine Mappe in der Bar liegen gelassen habe. zum Glück treffe ich den Mann aus der Farbenfabrik. Er geht mit mir zurück. Wir versuchen über Essen zu reden. In Englisch, Japanisch und irgendetwas dazwischen. In der Bar sitzen nun alle an selbiger und freuen sich sehr, dass ich wieder komme. Domo arrigata gozaimashita.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Jishin

Hier bebt jeden Tag mehr oder weniger stark die Erde. An sich bin ja zu unsensible, um es immer zu merken und wenn ich es merke, um mir irgendetwas dabei zu denken; die anderen hier tun ’s auch nicht.

Heute morgen hat mich so ein Erdbeben allerdings geweckt oder das das davor war. Einige Sekunden lang wackelte das Haus und ich hielt die Luft an. Stärke 5,6.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Ame ga futte imasu. „no pictures, please!“

Es regnet, also stehen auf dem intellektuellen Speiseplan gleich zwei Museen. Das Tokyo Metropolitan Museum of Photography und das Yebisu Beermuseum. Bei liegen höflicherweise at the Ebisu Station und können überdacht erreicht werden. Bei der Ankunft in der Station spielt der Lautsprecher das Thema aus dem Film „Der dritte Mann“. (Solange die Türen der Züge offen sind, wird eine Melodie gespielt, die endet kurz bevor bei uns „Zuagfeerdap!“ zu hören ist. Manche Station haben besondere Melodien…)

Das Museum ist etagenweise zu bezahlen. In jeder Etage ist eine Ausstellung zu sehen. Wir nehmen zwei von dreien. Europäische Fotografie müssen wir in Tokyo nicht sehen… Auf der Etage lacht uns das Schild „no pictures, please!“ an. Klar, die haben selber schon so viele davon, dass sie sie sogar ausstellen…

Die erste Ausstellung ist „Contemporary Japanese Photograpy“ und für einen Moment bereue ich es fast, dass ich mein Vergrößerungsequipment verschenkt habe. Aber andererseits: Den Vergrößerungsapparat habe ich noch…

Die zweite Ausstellung trägt den Titel „Quest for Vision vol.4 Beyond the Naked Eye“ und beschäftigt sich mit sich verändernden Blickwinkeln auf die sogenannte Welt. Thematisch schließt das zwar wunderbar an die Vorlesung „Gender-Wissenschaft-Technik“ an, die sich unter Anderem mit einem niemals neutralen Standpunkt des/der Forschenden beschäftigt hat, aber insgesamt von einer künstlerischen Anspruch an Fotografie eher weniger interessant.

Der vollständigkeithalber: http://syabi.com/e/contents/exhibition/index-1453.html

Yebisu Beer

Um dieses Bier zu brauen, das der heutigen JR Station seinen ursprünglichen Namen gegeben hat, wurde ein deutscher Braumeister samt Ausrüstung importiert. Auf der ersten Fabrik stand auch neben dem japanischen Namen der deutsche „Brauerei“. Biertrinken wurde in Japan erst nach dem Krieg eine populäre Angelegenheit und Yebisu Bier galt/gilt als qualitativ hochwertig. Besonders die Ausländer_innen tranken/trinken es gerne. Es gibt Führungen mit Verkostung und die Gruppen schienen echt Spaß zu haben, schließlich boten ihnen die Führerinnen offensichtlich eine gute Show…

Das Museum ähnelt einem Tempel. Am Eingang steht eine kleine Statue von Ebisu auch Hiruko genannt, dem japanischen Gott der Fischer_innen, des Glücks, der Arbeiter_innen und der Beschützer der Gesundheit von Kleinkindern. Dieser universelle Kerl ist das Wahrzeichen der Brauerei und auf jeder Flasche, auf dem Teppich im Zwischengeschoss und sonst noch wo zu finden.

Vom Eingang führt eine große Freitreppe hinunter in eine Halle, in deren Mittelpunkt ein glänzender Braukessel steht, rechts und links davon auf der Plattform befindet sich die communication area. Dort finden die geführten Touren mit einer animierten Verkostung ihr Ende.

Etwas tiefer gelegt,kann man auf der rechten Seite noch allerlei Sachen, die mit Yebisu und seinem Bier zu tun haben, im Museumsshop erwerben bzw. dahinter an einer langen Bar weiter saufen.

Die Ausstellung selbst befindet sich auf der linken Seite der Halle und besteht eigentlich nur aus einigen Flaschen, „Serviervorschlägen“ und Fotos aus der Gründungszeit der Brauerei.

Uchida-san war ein bekannter Haikudichter (1889-1971), der in Japan als liebenswerter Exentriker gilt, der nicht zuletzt durch einen Film von Akira Kurosawa berühmt wurde.

….und an mehr kann ich mich leider nicht mehr erinnern….

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Create your own language

Meine heutig Foltergehilfin bei Natsu ist milde gestimmt. Dieses „Shiatsu“ wie sie es nennen, also das Aktivieren von Stresspunkten tut nicht gleich weh. „Should it hurt?“ „Well, that depends…But if you want, i can press harder!“ „NO!“

Während des obligatorischen Warmups stehe ich manchmal neben mir, um zu beobachten und überlege, wie Menschen, mit denen ich so im (nicht künstlerischen) Alltag zu tun habe, auf die Handlungsanweisungen reagieren würden…

Sensei spricht über individuelle (Körper)sprache beim Tanzen und wir versuchen, in der Mauer zu tanzen wie Kazuo Ohno. Dann fordert sie uns auf, unsere eigene Sprache zu entwickeln. Die Erste tanzt „Familie“, die Zweite „Tears“. Während die anderen tanzen, überlege ich, warum ich eigentlich Butoh mache…wakarimashita.

„Today it’s like exhibition. Would you like to try?“ Ich habe zwar nicht die leiseste Idee, was und wie ich machen soll, aber ich probiere es. „So, what are you dancing?“ „Hmm, …Love?!“ „Love! Dance is Love“  und lacht. Dann wirft sie irgendeine romantische Musik ein. Ich improvisiere nicht bis zum Ende der Nummer. „You did feel something.“ Dann improvisiert Sensei und es ist beruhigend zu sehen, dass sie auf irgendeine Musik auch nur irgendeinen Ausdruck abliefert…

Meine Bitte um ein Interview lehnt sie ab.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Tadaima

She is back. Die Vermieterin meine ich und noch während sie im Vorraum steht und ich Tee mache, fragt sie P. nach den vielen Sachen, die ihr Haus kleiner machen. Sie begründet das damit, dass japanese eben viele Sachen und wenig Platz haben, sie auch und dass, nach Fukushima, drei oder vier Familien Hals über Kopf das Land verlassen hätten und deren Sachen sich nun halt bei ihr stapeln würden. Das erklärt zwar den einen oder anderen Haufen Kleidung, aber nicht wirklich die Schränke voller abgelaufener Lebensmittel. Anyway, sie scheint ganz nett zu sein und wir plaudern. Irgendwann waren wir dann doch auch bei geschlechterstereotypischen Klischees angelangt und ich fühlte mich wie ein Alien. So wie im November in München mit den zwei älteren Frauen. Dort hatte ich mich in der Früh dazu entschieden, als Dialogpartnerin zur Verfügung zu stehen und während die eine von beiden das Badezimmer belagerte, mir von der anderen den Zweck ihrer Reise, eine Lesung eines chinesischen Dichters, näher beschreiben zu lassen. Ich weiß nicht mehr, was der Äußerung voran gegangen war, aber plötzlich fragte mich diese Frau, ob ich auch beziehungsgeschädigt sei. Nachdem ich sprachlos verneinte, war unsere Unterhaltung auch schon zu Ende. Glücklicherweise kam gerade in diesem Moment die andere doch wieder einmal aus dem Badezimmer und stimmte spontan in das Ausbreiten von Klischees über Männer ein. Damals überlegte ich kurz, ob ich den Damen einen eloquenten Vortrag über eine differenzierter Sichtweise von Geschlecht „angedeien“ lassen sollte, aber andererseits: Sie schöpft ihre Deutungsmuster aus ihren Erfahrungen und ich habe doch eigentlich kein Recht, diese zu torpedieren, nur weil ich andere Erfahrungen gemacht habe. (und an a bisserle aner akademischen Auseinandersetzung im Rahmen der Gender Studies genascht hatte). Also lies ich es damals. Dieses Mal scheitert so ein Vorhaben schon allein daran, dass ich mich im Englischen lang nicht so wortgewaltig bewege wie im Deutschen. Damned!

Posted in Uncategorized | Leave a comment