Schnee im Park

Ametsuchi ni

chiri naki yuki no

fumoto kana

(Chirin)

Es schneit und da das sehr selten ist, hat auch niemand Stress zu räumen; zahlt sich irgendwie nicht aus.

Ich weiß nicht mehr, ob wir von Waseda oder von Edogawabashi Station aus gegangen sind, aber das Ziel war in jedem Fall der Shin Edogawa Park.

Das Tor steht weit offen und dort wo wir die Kassa vermuten, ist geschlossen. Wie sich nach späterer Recherche heraus stellt, ist der Eintritt ohnehin frei. Also keine „Schneeamnestie“ für Gaijins…

Der Garten/Park hat seinen Namen vom nahe gelegenen Kanda River, der bis 1965 noch Edo River hieß. Urspünglich war er der Sitz des Hosokawa Clans, einer Samureifamilie.

Es war schön und still und einsam. Aber ich nur auf der Suche nach geeigneten Motiven.

…und die Kirschbäume entlang des Weges haben geblüht.

…zum Abschluss Prosa: Das ist kein Holz, sondern Plastik und wird aus Petflaschenverschlüssen gemacht, wie mich das U-Bahnfernsehen lehrte.

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Mechanische Liebe

Hier kommt vieles aus Automaten. An fast jeder Ecke stehen Getränkeautomaten mit kalten und warmen Getränken, die Tickets in der U-Bahn werden von sprechenden Automaten vergeben, am Eingang der Lokale stehen Automaten mit denen man das Essen ordert, hin und wieder sieht man lange Reihen von Kaugummiautomaten ohne Kaugummis, dafür mit jeder Art von kleinen Figuren, Anhänger_innen u.ä. in faustgroßen Plastikkugeln zum Herausschießen.

Beliebt sind auch die Pachinkos, Etablisements in fast jedem Bezirk, in denen unter einem ohrenbetäubenden Lärm eine Art Flipper mit vielen Metallkugeln gespielt wird.

Was ich in Österreich nur von Toilettenbereich auf Autobahnraststätten, dem Prater und der Lugnercity kenne, erfreut hier in vielen Variationen ganze Familien: Automaten, die die Spieler_innen gegen Geld mit einer Zange Preise erfassen lassen. Da gibt es Plüschtiere, Handtaschen und sogar Schokolade. Am Eingang einer solchen Halle steht dann meist auch noch eine „Trommelmaschine“, die auch ohne Japanischkenntnisse verständlich ist: Einfach draufhauen!

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under construction

In Yokohama lockt mich ein Nohmuseum und P. das Meer. Weiters ist ein Besuch des Ramensmuseums geplant. Das Noodlecupmuseum, das in der Empfehlungsliste auf Platz 700 liegt, ziehen wir erst garnicht in Erwägung.

http://www.yaf.or.jp/facilities/nougaku/index.htm

Drinnen ist wieder einmal fotografieren verboten. Es ist ohnehin zu dunkel. Also fotografiere ich hinaus in den Hof. Die Exponate sind überschaubar. Aber ich will eigentlich nur die Bühne näher sehen. Vom ersten Stock zurück zum Empfang: The stage is today under construction. Sehr fein, aber dafür war der Eintritt gratis.

Den Hügel wieder hinunter versuche ich mein Glück an einem Automaten für SchlüsselanhängerInnen. Wie Überraschungseier, nur größer und ohne Schokolade stehe sie in vielen Einkaufsstraße. Hier in Yokohama, der Heimat der Ramen, natürlich mit Ramen. Ein nettes Geschenk für L. denke ich mir und freu mich.

Das letzte Mal, als ich über diese Brücke gegangen bin, hat es geregnet und wir mussten gegen den Wind angehen. Außer uns war damals niemand unterwegs und über einen Lautsprecher war Musik – ich glaube es war Jazz – zu hören; mitten im Sturm…

„Yokohama liegt am Meer“

Neben Soba und Udon werden in Japan auch Ramen gekocht und als eine Art „Fast Food“ gegessen. Hergestellt werden sie aus Weizen, Wasser und einem besonderen Zusatz (Kansui) und sind erst seit den 1950er Jahren populär.

Um zum Ramenmuseum zu gelangen, fahren wir ein paar Stationen mit der U-Bahn.

Grottenbahnen sind in diesem Land beliebt und so ist das Museum in einem fiktiven Stadtteil unter der Erde untergebracht. Aus jedem Teil des Landes ein Ramenlokal mit den lokalen Spezialitäten. Salz wird als Zutat angeführt. Ohne ignorant wirken zu wollen, aber das könnten sie mit den Tempeln/Schreinen auch machen…

Ok, das IST definitiv ignorant….

http://www.bento.com/phgal3.html

Die Wahl fällt auf Osaka, weil weit weg von Tokyo und mit Knoblauch.

Im Eingangsbereich gibt es dann im Museumsshop die Möglichkeit Diverses rund ums Thema zu überhöhten Preisen zu erstehen.

Die Kaisha-in der umliegenden Firmen scheinen eine besondere Art von Ticket ihr Eigen zu nennen…

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Abends bin ich mit dem Butohtänzer Mitsutaka Ishii und Veronika in Nakano verabredet, um mit ihm ein Interview zu führen.

Ich bin zu früh da und versuche mit Schminke zu retten,was ohnehin nicht mehr zu retten ist. Aber das soll ja auch keine Misswahl werden; Die Nebenbeifeldforschung ergibt: Japanerinnen malen viel…

Ich stelle mich sehr zental in den Eingangsbereich und warte. Noch vor der vereinbarten Zeit sehe ich einen kleinen schmuddeligen Mann, der auf mich zusteuert und mir zunickt. Ein Obdachloser?! Ich nicke zurück. Es gibt keinen Grund unhöflich zu sein…

„You are waiting for me!“ It´s ishii-san! Sein Ticket hat er an einem Band um den Hals und die Jogginghose ist fleckig. Als Veronika kommt und als wir ein Cafe suchen, bringen wir ihn am Stock kaum rechtzeitig über die Straße. Wie hat er noch vor wenigen Tagen einen Workshop gehalten? Ich bin schockiert, aber auch voreingenommen durch die Erzählungen von Yumiko. Später lese ich noch Geschichten über ihn, wie er eine tote Katze am Leib trägt und in seinem Reiskocher eine Kröte lebt…

Das Cafe ist teuer, aber wertvolle Informationen haben eben ihren Preis. Natürlich lade ich ihn ein. Mein Einstiegsfrage gilt wie immer dem persönlichen Weg zu Butoh. „Well, when I was in elementary school…“ Der Mann ist 74 ….

Er erzählt viel und verspricht mir Material. Ich bin immer noch skeptisch und ärgere mich wieder einmal über meine Vorurteile. Vielleicht ist er ja verrückt, aber das Gespräch ist gut und er sympathisch.

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eine niederlage

Irgendwie habe ich kein Glück mit Einladungen älterer Damen zu feucht fröhlichen Spielen im heißen Dampf. Natsu hat mich zu ihrer privaten Probe eingeladen. Danach soll´s in eine heiße Quelle (Onsen) gehen. Drei Stunden bin ich schließlich unterwegs zum Treffpunkt und trotz aller Vorkehrungen eine halbe Stunde zu spät. Dieser Bahnhof ist so klein, das er für beide Richtungen nur einen Bahnsteig hat und keine Sperre. „Denwa wa arimasu ka?“ Der Stationshäupling lacht. Nein, Telefon gibt es hier keines. So warte ich eine halbe Stunde und fahre wieder zurück. Mist.

Später fahren wir nach Ueno eine neue Reisetasche erwerben. Ein schwacher Trost.

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go mai

Im  Japanischen werden um zu zählen unterschiedliche Zählwörter verwendet. So wird unterschieden zwischen langen dünnen Dingen, flachen Dingen, zylindrische Dinge, Tiere, Menschen (in zwei Versionen), kleine und große Boote, Maschinen, gefüllte Schalen usw.

Blätter, so sie lose und nicht in einem Buch miteinander verbunden, werden mit – mai gezählt.

ichi mai, ni mai, san mai, yon mai, go mai,…

Ich bin wieder unkontrolliert nächtens auf der Mejidori unterwegs und kehre in meinen 24Stunden-hyakuyenshop ein, um Folien zu kaufen. Mit fünf Stück gehe ich zur Cashier. Er beginnt zu zählen und ich sage leise „go mai“. Er stoppt und tippt in die Kassa.

🙂 ER HAT MICH VERSTANDEN! 🙂 Ich drehe mich zur Frau hinter mir, um mein Glück mit ihr zu teilen. Aber wie soll ich auch: Dazu reicht´s leider noch lange nicht…

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Der erste Abschied

Heute musste ich meinem Japanischsensei „beichten“, dass ich Tokyo verlassen werde. Nun, er nahm´s mit fernöstlicher Gelassenheit. Wir verbringen die Stunden mit gegenseitigen Komplimenten.

Der Adminstrator schenkte mir noch einen Papierdrachen, Lesezeichen und eine Karte, auf der er und der Sensei unterschrieben haben.

Am Nachmittag zieht´s mich in den Inokashira Park, in der Hoffnung die ersten blühenden Bäume zu sehen in ihrer Vergänglichkeit. Aber es ist noch zu früh.

In Europa hat der Park einen gewissen Grad der Bekanntheit erlangt hat, durch den Film Kirschblüten – Hanami von Doris Dörrie.(Dort trifft Rudi das erste Mal auf Yu und sieht ihr beim Tanzen zu.)

Aber auch ohne Kirschblüten: Man kann dort Schwanenbootfahren und ich wollte einen neuen Rundenrekord aufstellen.

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D.day

Orte, an denen Menschen die Rituale ihrer Religionen pflegen, finde ich grundsätzlich interessant. Deshalb und auch einfach so war der Weg zur tokyoter katholischen Kathetrale St. Marien konsequent.

http.//tokyo.catholic.jp

Ein Schild weist den Eingang, der uns zu allererst durch einen dunklen Gang ins Untergeschoss führt und an die Versorgungsgänge in der U-Bahn erinnert.

Wohl die Krypta. Der Heilige weist den Weg. Die Notbeleuchtung berät uns diametral. Also wieder hinauf hinaus. Dreidimensionale Objekte haben immer mehrere Seiten, mehrere Access-möglichkeiten. Und wirklich. Andere Seite, anderer Eingang. Die Damen an der Reception machen gerade den göttlichen Laden dicht und eine einsame Gläubige sitzt in der Bank in diesem riesigen Gebetsraum. Fotographieren ist an sich verboten. Sumimasen. Ich tue es trotzdem.

D. wird mir jetzt wieder ein Vortrag über den katholischen Glauben halten wollen, aber ich erlaube mir wieder einmal die künstlerische Freiheit einer Unschärfe und sammle katholische Devotionalien als Geschenk. Wenn ´s phlasphemisch ist, behalte ich sie gerne…

Die Grotte von Lourdes

Abends treffe Yumiko, Yuri und Carolyn an der Higashi – Nakano Station. Dieses Mal ist auch eine laute Amerikanerin dabei und ich ärgere mich. Aber eigentlich mehr über meine Bewertung, als über ihre Art. Trotzdem muss ich sie einfach ignorieren.

Yuri wärmt wie immer auf und mir ist mehr als heiß. Dann übernimmt Seisaku.

Zuerst haben wir jeweils zu zweit Sex, aber ohne Sex. „You share the same blood, the same organs, the same body. You are one.“ Wir arbeiten uns zu einem Höhepunkt, werden getrennt und verlieren den Kontakt zueinander. Weiter wird improvisiert. Zu jenem Moment während unseres Schlafes an dem wir „fallen“. Wir bewegen uns durch unseren Schlaf. Gleichzeitig ohne und mit jeder Erinnerung. Normalerweise kommentiert er die Improvisationen nicht. Dieses Mal kommt er danach zu mir, formt seine Finger zu einem OK und sagt, „very, very good!“ „Oh, domo arrigata gozaimashita!“

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Nicht jede seltsame Idee hat ihren Ursprung auf meinem Mist, aber die eine oder andere gedeiht dort prächtig. Und so musste ich das WC ablichten…

Mit Veronika gehe ich dann noch zu Mr. Donuts, um ihr vom Studieren in Wien zu erzählen. Sie möchte an die Bildende. Vielleicht kann ich helfen…

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hijikata archive

„I am very aware that my Butoh originates somewhere totally different from the performing arts related to religion – Buddhism, Shinto, or whatever, I am born from mud.“ (Hijikata Tatsumi 1987)

Hijikata (1928-1986) ist der Begründer jenes Tanzes, der sich nun bald schon zwanzig Jahre wie flüchtiger Rauch durch mein Leben zieht: Butoh.

Eigentlich hatte ich garnicht geplant, das Hijikata Archiv in Tokyo aufzusuchen. Um ehrlich zu sein, ich hatte nicht einmal daran gedacht, bis mich die kleine Amerikanerin dazu animierte. Nun, schlussendlich war ich zweimal dort, jeweils fünf Stunden, um Videos abzufilmen, einen sehr seltsamen Horrorfilm zu sehen und nicht zuletzt, die Bücher durchzuarbeiten bzw. zu kopieren.

Das RCAAA ist Teil der Keio University in Minato-ku und in einem modernen Großraumbüro mit lauter kleinen Arbeitskojen untergebracht. Das Arbeitsklima scheint angenehm und entspannt zu sein. So verschwinden alle am zweiten Tag um gemeinsam an einem großen Tisch Tee zu trinken und Erdbeerkuchen zu essen. Es war ein Fest.

Der Archivar Takashi Morishita erinnert an Prof. Greisenegger, versorgt mich nach und nach mit seinen Schätzen und muss mich fotographieren. Es gibt Weniges, das mit einem Moment auf einer Bühne zu vergleichen ist, in diesem Archiv zu arbeiten kommt dem allerdings recht nahe. Genauso wie ich wieder dem Butoh. Vergessen ist der Parkplatz an der Autobahn.

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bunraku

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meehr

Wir fahren nach Ota. Dort kann man vielleicht das Meer sehen. Doch zuerst der obligatorische Tempel. Dieser ist wieder etwas Besonderes, aber steht natürlich wieder wo oben.

Der Ikegami Honmon-ji Tempel wurde von Nichiro (1245-1320) einem Schüler des buddhistischen Reformers Nichirens (1222-1282) an jener Stelle errichtet, an der der Gelehrte verstarb und eingeäschert wurde.

http://honmonji.jp/foreign/de.html

Die Statue von Nichiren, vor der Menschen erfurchtsvoll beteten.

Laut Plan soll die Kawabata Ryushi Memorial Hall ganz in der Nähe sein. Der dazu gehörige Park ist nur dreimal am Tag geöffnet.Wir irren zwischen unzähligen Friedhöfe herum. Die Sperrstunde rückt näher. Schließlich bringt uns ein Anwohner hin. Zum Museum. Kawabata Ryushi, stellt sich heraus, war das Pseudonym eines Malers namens Kawabata Shotarō (1885-1966), der Bilder im sogenannten Nihongastil malte.

„How old are you?“ P. ist so überrascht, dass ich aushelfen muss. Die Kassiererin entschuldigt sich und wir lachen alle. Die Ausstellung ist wohl interessant, aber leider nicht verständlich. Malerisch sind des Malers Notizen, die den unzähligen Landschaftstudien angehängt sind.

Wir wollen weiter zum Omori Nori Museum, das Lawa thematisiert. Die Kassiererin lacht wieder und meint, das Museum ist wirklich nicht sehenswert und so wollen wir zumindest ans Meer. Entlang dem Kanal kommen wir zu einer künstlichen Bucht. Schwimmen verboten. P. ist enttäuscht und wir machen uns auf den Weg zurück.

Quer durch ein Wohnviertel zur Station Kanda. Dort endet bei Dotour unser Tag.

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