Yuri und Seisaku

Yuri und Seisaku kommen im Juni nach Berlin; Der Flug und das Hostel sind gebucht!

31.05. -9.06. werde ich mich im Waschsalon der streitenden Zwillinge, im Dok und überhaupt in der ganzen Stadt herumtreiben….

 

Yuri und Seisaku

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Ein Frauenhaus in Kamakura

Kamakura liegt in der Präfektur Kanagawa, 50 km von Tokyo entfernt und war im 12. Jahrhundert die Hauptstadt des japanischen Reiches.

Kamakura ist schön, steht in den diversen Reisebeschreibungen und sagt P. und es ist nicht weit. Also fahren wir nach Kamakura ans Meer. Am Bahnhof werden wir routiniert und freundlich im Informationsbüro abgefertig. „Is this your first stay? Then we recommand this temple, this temple and this temple“ Schon sind wir mit dem Plan in dem die nette Dame unsere Ziel markiert hat, auf dem Weg zum ersten Schrein. Dem Tsurugaoka Hachimangu Shrine.

Kamakura ist ein Platz für Tourist_innen. Das merkt man. Die Werbung um Kund_innen ist für japanische Verhältnisse aggressiv. „Hello, where do you come from?“ Das Angebot in den Shops ist einschlägig und auf japanische wie internationale Gäste abgestimmt.

Nach dem Schrein verlieren sich ca. 80 % der Mittourist_innen bereits. Vielleicht auch weil der Weg zum nächsten Tempel wenig attraktiv entlang einer Durchzugsstraße verläuft.

Wir ändern unsere „points of interest“ eigenmächtig und interessieren uns für…. Dort wird Eintritt verlangt und Fotographieren ist verboten, was auch im ältesten Gebäude von high tech überwacht wird. Mein Japanisch reicht für die Kassa. Dann besichtigen wir. [Beschreibung]

Als wir vor dem Tempel auf der Bank rasten, stürmt der Kassier aus dem Häuschen, entreißt uns fast die zuvor ausgehändigten Beschreibungen und läuft wieder davon. Ich gehe ihm nach, weil klar ist, er tut irgendetwas für uns und er bittet mich zu warten. Schlußendlich kommt er mit sorgsam gestempeltem Papier zurück. (Stempel mit Bildern sind hier sehr beliebt. An jeder JR Station kann man einen bekommen.) Nachdem wir , uns artig bedankt und tief verbeugt haben, ziehen wir weiter zum….

Auch dort will man Geld. Aber was ich vom Tor aus sehen kann, reicht mir eigentlich schon. So genau will ich es auch nicht wissen. Das selbe bei… Dann weißt ein hiking course den Weg zum Great Buddha of Kamakura. „Jaja, hiking course in Japan ist sicher ein Weg durch eine parkähnliche Landschaft“, dachte ich und war auch noch nicht so irritiert, wie uns Menschen in Wanderkleidung und mit Walkingssticks entgegen kommen. Doch als ich den Schmutz an ihren Schuhen sehe, schwant mir Schlimmes. 2 km! not your Ernst, oder ? Ich meine ein Wald ist ein Wald ist ein Wald, egal ob japanisch oder nicht.

Etwa nach der Hälfte des Gatschweges kommen wir auf einen Rastplatz auf einer Lichtung. Dort tun wir das wofür dieser Platz gedacht war: Rasten und Sushi und Onigiri essen. Die Krähen finden uns sympathisch und auch die Katzen setzen sich gelangweilt in Bewegung. Vielleicht üben sie sich auch nur in fernöstlicher Gelassenheit mit ihren verkürzten Schwänzen. (Warum hier die meisten Katzen Stummelschwänze haben, konnte ich nicht heraus finden. Sieht jedenfalls nicht schön aus.) Die Krähen sind das flinkere und dankbarer Publikum. Sie nehmen auch den Reis. Dafür belohne ich sie mit einem Kinkan. Es gibt die Möglichkeit Glück…. [Beschreibung] Gegen ein Entgelt von 100 Yen each nehmen und zerschlagen wir Tonscherben an einem großen Stein. Eine Frau macht sich über meine Art zu werfen lustig und ich fotographiere Mr. Fuji. Dann geht es weiter durch den Wald zum großen Buddha.

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kansho-teki

Eigentlich bin ich nicht sentimental, aber in dieser Weihnachtszeit erinnert mich soviel an Tokyo und alle Menschen, die mir wert und teuer sind, mögen es mir verzeihen, aber wenn mir aus dem U-Bahntunnel kalte Luft entgegenströmt möchte ich mir aus einem Automaten Kaffee holen und japanische Werbungen entziffern können…

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okaeri nasai

Tadaima.

Danke an alle, die durch…

…Mediation (Eine enge Zusammenarbeit mit der Exekutive kann schmerzlich mithelfen, gefährliche Sicherheitslücken zu schließen)

…Manipulation (Wenn du schon nach einem japanischen Brettspiel heißt, musst du auch stellvertretend in die Japanischvorlesung gehen)

…Meditation (Konzentration hilft, Rechnungen zu materialiesieren.)

oder einfach so – vorher und währendessen – die Reise unterstützt haben.

Domo arrigata gozaimashita.

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tote Tuna

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Tsukiji gilt als der größte Fischmarkt der Welt und gegen 5.30 am kann man auch als Betriebsfremde den Auktionen beiwohnen. Also stelle ich den Wecker auf 2.00 Uhr und fahre gegen halb drei mit dem Fahrrad los. Die Hongo dori entlang ungefähr bis Akihabara dann sollte es weiter über Kanda nach Tokyo gehen. Ja, und von dort ist die richtige Abfahrt nach Ginza sicher kein Problem mehr.

Ich fahre gerne nachts durch eine Stadt.

Eine Gruppe Jugendliche kommt mir entgegen. Dann bin ich auch schon bei der Yamanote line und fahre am „Hinterausgang“ von Akihabara vorbei. In den Gewölben unter der Bahn reiht sich ein Lokal an das andere. Zwei Türsteher_innen versuchen die letzten Betrunkenen abzuwerben. Der männliche Teil eines eleganten Trios macht in seinem Magen Platz für Neues bevor alle zusammen lächelnd in ein Taxi steigen. Die Verkehrschilder weisen Tokyo aus. Ja, jetzt habe ich mir einen Kaffee verdient. Ich fahre an einer ganzen Reihe an Kartonbetten von Obdachlosen vorbei in eine Unterführung  wo es den Kaffee meiner Wahl aus dem Automaten gibt. Wieder gehen zwei Polizisten vorbei, aber kontrolliert werde ich natürlich nicht. Denn dieses Mal habe ich die Licence mit…

Dann bin auch schon auf dem Weg nach Ginza. Es ist noch dunkel und ich bin viel zu früh. So bleibt Zeit den Eingang zu suchen zwischen all den kleinen Marktbuden. Die ersten bieten schon dampfende Suppe an und ein Mann steht vor einem Berg geschnittener Zwiebeln eifrig weiterschneidend. Würde ich tauschen wollen?

Ich bin zwar die erste vor Ort, also beim Verwaltungsgebäude, aber nicht in der Reihe. Nach und nach entsteigen den Taxis vor allem amerikanische Tourist_innen und ich lernen das Fremdschämen. Sie sind laut. Ich hoffe sehr, dass mich jemand ansprechen möge um dann „Wakarimasen!“ (Verstehe nicht) auf Japanisch antworten zu können… Knapp nach 5.00am werden wir in einen Raum geführt, erhalten eine Schutzweste und schriftliche wie visuelle Anweisungen, wie wir uns verhalten müssen. Der Markt ist ein
Arbeitsplatz und nichts für Tourist_innen!

Dann werden wir in eine kalte Halle geführt. Ein skurilles Bild. Während in einem schmalen Korridor rotäugige Menschen nach und nach die nun wohl einzige Möglichkeit fürs Fotographieren wahrnehmen, tun die Fischhändler, die kaum eine Armlänge entfernt hinter der Absperrung stehen, so, als wären wir alle nicht da und prüfen das Fischfleisch.

Dann beginnen die Auktionen. Auktionäre steigen auf niedrige Holzhocker und versteigern. Manche machen daraus eine Show, manche wippen nur mit ihrem Körper im Rhythmus zu ihrem Sprechen. Nach kaum 20min ist alles vorbei und wir werden über das Gelände zum Ausgang getrieben. Ohne uns eines Blickes oder gar Grußes zu würdigen, werden uns die Schutzwesten wieder abgenommen. Inszwischen ist es hell.

Das Fischereimuseum ist noch nicht offen und auf den Fischmarkt selber mag ich nicht warten, also fahre ich Richtung Ueno. Ich mag diese Zeit, wenn die Reste der Nacht auf den beginnende Tag treffen. Dann frühstücke ich in Ueno, kaufe Kümmel für das Abschiedsessen und fahre zurück. Ich bin müde; aber nur kurz. In Tokyo will ich nicht schlafen….

 

 

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Schnee im Park

Ametsuchi ni

chiri naki yuki no

fumoto kana

(Chirin)

Es schneit und da das sehr selten ist, hat auch niemand Stress zu räumen; zahlt sich irgendwie nicht aus.

Ich weiß nicht mehr, ob wir von Waseda oder von Edogawabashi Station aus gegangen sind, aber das Ziel war in jedem Fall der Shin Edogawa Park.

Das Tor steht weit offen und dort wo wir die Kassa vermuten, ist geschlossen. Wie sich nach späterer Recherche heraus stellt, ist der Eintritt ohnehin frei. Also keine „Schneeamnestie“ für Gaijins…

Der Garten/Park hat seinen Namen vom nahe gelegenen Kanda River, der bis 1965 noch Edo River hieß. Urspünglich war er der Sitz des Hosokawa Clans, einer Samureifamilie.

Es war schön und still und einsam. Aber ich nur auf der Suche nach geeigneten Motiven.

…und die Kirschbäume entlang des Weges haben geblüht.

…zum Abschluss Prosa: Das ist kein Holz, sondern Plastik und wird aus Petflaschenverschlüssen gemacht, wie mich das U-Bahnfernsehen lehrte.

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Mechanische Liebe

Hier kommt vieles aus Automaten. An fast jeder Ecke stehen Getränkeautomaten mit kalten und warmen Getränken, die Tickets in der U-Bahn werden von sprechenden Automaten vergeben, am Eingang der Lokale stehen Automaten mit denen man das Essen ordert, hin und wieder sieht man lange Reihen von Kaugummiautomaten ohne Kaugummis, dafür mit jeder Art von kleinen Figuren, Anhänger_innen u.ä. in faustgroßen Plastikkugeln zum Herausschießen.

Beliebt sind auch die Pachinkos, Etablisements in fast jedem Bezirk, in denen unter einem ohrenbetäubenden Lärm eine Art Flipper mit vielen Metallkugeln gespielt wird.

Was ich in Österreich nur von Toilettenbereich auf Autobahnraststätten, dem Prater und der Lugnercity kenne, erfreut hier in vielen Variationen ganze Familien: Automaten, die die Spieler_innen gegen Geld mit einer Zange Preise erfassen lassen. Da gibt es Plüschtiere, Handtaschen und sogar Schokolade. Am Eingang einer solchen Halle steht dann meist auch noch eine „Trommelmaschine“, die auch ohne Japanischkenntnisse verständlich ist: Einfach draufhauen!

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under construction

In Yokohama lockt mich ein Nohmuseum und P. das Meer. Weiters ist ein Besuch des Ramensmuseums geplant. Das Noodlecupmuseum, das in der Empfehlungsliste auf Platz 700 liegt, ziehen wir erst garnicht in Erwägung.

http://www.yaf.or.jp/facilities/nougaku/index.htm

Drinnen ist wieder einmal fotografieren verboten. Es ist ohnehin zu dunkel. Also fotografiere ich hinaus in den Hof. Die Exponate sind überschaubar. Aber ich will eigentlich nur die Bühne näher sehen. Vom ersten Stock zurück zum Empfang: The stage is today under construction. Sehr fein, aber dafür war der Eintritt gratis.

Den Hügel wieder hinunter versuche ich mein Glück an einem Automaten für SchlüsselanhängerInnen. Wie Überraschungseier, nur größer und ohne Schokolade stehe sie in vielen Einkaufsstraße. Hier in Yokohama, der Heimat der Ramen, natürlich mit Ramen. Ein nettes Geschenk für L. denke ich mir und freu mich.

Das letzte Mal, als ich über diese Brücke gegangen bin, hat es geregnet und wir mussten gegen den Wind angehen. Außer uns war damals niemand unterwegs und über einen Lautsprecher war Musik – ich glaube es war Jazz – zu hören; mitten im Sturm…

„Yokohama liegt am Meer“

Neben Soba und Udon werden in Japan auch Ramen gekocht und als eine Art „Fast Food“ gegessen. Hergestellt werden sie aus Weizen, Wasser und einem besonderen Zusatz (Kansui) und sind erst seit den 1950er Jahren populär.

Um zum Ramenmuseum zu gelangen, fahren wir ein paar Stationen mit der U-Bahn.

Grottenbahnen sind in diesem Land beliebt und so ist das Museum in einem fiktiven Stadtteil unter der Erde untergebracht. Aus jedem Teil des Landes ein Ramenlokal mit den lokalen Spezialitäten. Salz wird als Zutat angeführt. Ohne ignorant wirken zu wollen, aber das könnten sie mit den Tempeln/Schreinen auch machen…

Ok, das IST definitiv ignorant….

http://www.bento.com/phgal3.html

Die Wahl fällt auf Osaka, weil weit weg von Tokyo und mit Knoblauch.

Im Eingangsbereich gibt es dann im Museumsshop die Möglichkeit Diverses rund ums Thema zu überhöhten Preisen zu erstehen.

Die Kaisha-in der umliegenden Firmen scheinen eine besondere Art von Ticket ihr Eigen zu nennen…

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Abends bin ich mit dem Butohtänzer Mitsutaka Ishii und Veronika in Nakano verabredet, um mit ihm ein Interview zu führen.

Ich bin zu früh da und versuche mit Schminke zu retten,was ohnehin nicht mehr zu retten ist. Aber das soll ja auch keine Misswahl werden; Die Nebenbeifeldforschung ergibt: Japanerinnen malen viel…

Ich stelle mich sehr zental in den Eingangsbereich und warte. Noch vor der vereinbarten Zeit sehe ich einen kleinen schmuddeligen Mann, der auf mich zusteuert und mir zunickt. Ein Obdachloser?! Ich nicke zurück. Es gibt keinen Grund unhöflich zu sein…

„You are waiting for me!“ It´s ishii-san! Sein Ticket hat er an einem Band um den Hals und die Jogginghose ist fleckig. Als Veronika kommt und als wir ein Cafe suchen, bringen wir ihn am Stock kaum rechtzeitig über die Straße. Wie hat er noch vor wenigen Tagen einen Workshop gehalten? Ich bin schockiert, aber auch voreingenommen durch die Erzählungen von Yumiko. Später lese ich noch Geschichten über ihn, wie er eine tote Katze am Leib trägt und in seinem Reiskocher eine Kröte lebt…

Das Cafe ist teuer, aber wertvolle Informationen haben eben ihren Preis. Natürlich lade ich ihn ein. Mein Einstiegsfrage gilt wie immer dem persönlichen Weg zu Butoh. „Well, when I was in elementary school…“ Der Mann ist 74 ….

Er erzählt viel und verspricht mir Material. Ich bin immer noch skeptisch und ärgere mich wieder einmal über meine Vorurteile. Vielleicht ist er ja verrückt, aber das Gespräch ist gut und er sympathisch.

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eine niederlage

Irgendwie habe ich kein Glück mit Einladungen älterer Damen zu feucht fröhlichen Spielen im heißen Dampf. Natsu hat mich zu ihrer privaten Probe eingeladen. Danach soll´s in eine heiße Quelle (Onsen) gehen. Drei Stunden bin ich schließlich unterwegs zum Treffpunkt und trotz aller Vorkehrungen eine halbe Stunde zu spät. Dieser Bahnhof ist so klein, das er für beide Richtungen nur einen Bahnsteig hat und keine Sperre. „Denwa wa arimasu ka?“ Der Stationshäupling lacht. Nein, Telefon gibt es hier keines. So warte ich eine halbe Stunde und fahre wieder zurück. Mist.

Später fahren wir nach Ueno eine neue Reisetasche erwerben. Ein schwacher Trost.

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go mai

Im  Japanischen werden um zu zählen unterschiedliche Zählwörter verwendet. So wird unterschieden zwischen langen dünnen Dingen, flachen Dingen, zylindrische Dinge, Tiere, Menschen (in zwei Versionen), kleine und große Boote, Maschinen, gefüllte Schalen usw.

Blätter, so sie lose und nicht in einem Buch miteinander verbunden, werden mit – mai gezählt.

ichi mai, ni mai, san mai, yon mai, go mai,…

Ich bin wieder unkontrolliert nächtens auf der Mejidori unterwegs und kehre in meinen 24Stunden-hyakuyenshop ein, um Folien zu kaufen. Mit fünf Stück gehe ich zur Cashier. Er beginnt zu zählen und ich sage leise „go mai“. Er stoppt und tippt in die Kassa.

🙂 ER HAT MICH VERSTANDEN! 🙂 Ich drehe mich zur Frau hinter mir, um mein Glück mit ihr zu teilen. Aber wie soll ich auch: Dazu reicht´s leider noch lange nicht…

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