Silvester ist im Gegensatz zu Weihnachten hier das größere Fest. Vor den Festivitäten wird das ganze Haus geputzt (Ousouji) und die Türen werden mit Gestecken aus Bambus und Pinienzweigen (Ich dachte immer, das sind Föhren…) geschmückt.

Zwei Tage vor der Jahreswende gehen Menschen teilweise in Gruppen mit Klangholzern herum und vertreiben wohl das alte Jahr. Eine solche Truppe kleiner alter Männer mit Bauhelmen ist nachts an mir vorbei marschiert. Um besser sichtbar zu sein, hatten sie blaue Lichterketten um, die wie Signalwesten angelegt waren. Allerdings blau und auf und ab laufend – ein seltsamer Ausschnitt der Wirklichkeit.
Zu diesem Fest gibt´s auch die Geschenke und zwar nicht nur für die Familie, sondern für alle, die einem/einer während des Jahres geholfen haben oder die man genervt hat – die Verkäufer_innen in den großen Kaufhäusern waren echt am Limit…
Natürlich gibt es auch besondere Gerichte an diesen Tagen. Unter anderem Kagamimochi. Ein Reiskuchen, der aus einem geschlagenen Reisteig hergestellt wird und mit einer Mandarine oder Orange verziert wird. Ursprünglich war das eine Opfergabe an die Gottheiten im Shrine.

… mit dem Sektglas in der Hand lauschten wir am 31. der Jahreswende entgegen. 23.58, 23.59 und 00.00. Von Draußen hörte man keinen Ton. Also Respekt, die Japaner_innen feiern nobel dezent.
Am 1.Jänner geht man traditionellerweise zu einem Shrine. Nachdem die Pati (nein, kein Schreibfehler. Dh. Party in japanisch) und meine Begleitung schwächelte, machte ich mich allein auf, zum Shrine in Ikebukuro, den die Vermieterin empfohlen hatte.
Auf der Straße war alles still, nur hin und wieder ein Taxi,das bei Rot (!) über die Kreuzung fuhr… Sehr seltsames Fest dachte ich. Dann rauschte plötzlich ein Moped bis zur roten Ampel – diesmal eine andere als die der Taxis – und spielte lautstark japanische Musik, die an Propaganda der roten Armee erinnerte; vielleicht waren es aber auch Schlager – aber das kommt wahrscheinlich ohnehin aufs Gleiche raus…
Erst im Entertainmentviertel Ikebukuro waren einzelne kleine Gruppen von jungen Leuten unterwegs, die zum Karaoke strömten. Hier ist das ein mehrstöckiges Haus mit kleinen Räumen in denen Fernseher stehen. das Ganze erinnert mehr an ein Freudenhaus; ja und die gibt´s da natürlich auch…
Ich ging weiter die Straße, die Richtung Shinjuku führt und bog dann mehr zufällig in eine Seitengasse ein. Von dort war dann immer wieder ein Gong zu hören. Dem bin ich nach, um den Shrine zu finden. Und wirklich: plötzlich stand ich in einem Park, der mit einer Vielzahl an weiß-roten Papierlaternen schwach erleuchtet war. (Deshalb auch keine Fotos) Recht beteten eine Gruppe Mönchen in weißen Gewändern mit goldenen Borten in einer kleinen Hütte. Vor ihnen stand der Priester in Gold gekleidet. Vor der Hütte beteten ein paar Menschen laut mit. Der überwiegende Teil der Menschen stand aber brav in der Schlange vor dem Eingang des Shrines um die Glocke zu schlagen (108 Übel müssen weg oder mehr), um Geld zu opfern, um ihre Wünsche zu deponieren und um ihr Horoskop zu ziehen, das sie nach dem Lesen im Park an einen Baum binden. Die Schlange kam nur langsam voran. Entlang des Weges waren Buden mit gebratenen Nudeln, frittierten Süßkartoffeln und Teigbällchen in die Tintenfisch, Ingwer und Zwiebel kunstvoll eingearbeitet wurden. Rechts das Essen, links die Mönchen und dazwischen feierten die Leute und unterhielten sich prächtigst. Als ich endlich an der Reihe war, war ich dann doch schon recht durchgefroren und habe bei allem Läuten, Geld werfen, Verbeugen, Klatschen doch ganz auf meinen Wunsch vergessen..
Beim Weg zurück sah ich einen alten Mann wie er die Glocke an einer anderen Seite des Shrines schlagen wollten, um zu beten. Vor der Glock hing ein Vorhang, den eine Kordel zur Seite hielt und die sich löste. Umständlich hantierte der Mann mit dem Vorhang herum. Dieses Mal kein Fall für RiRi (leider nicht vor Ort) sondern für mich; Ich habe also den Shrine repariert….
Mein Horoskop.
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