yotsuya hiroba

Nach dem ich am Freitag nichts gemacht hatte – war ich nicht in diesem Haikupark und in Shinjuku? – fuhr ich Samstag am Abend wieder zu Natsu, die eine Lesson for handicaped people gibt. Dieses Mal bin sogar einigermaßen pünktlich. Die anderen sind zu spät. Macht nichts. Warten ist besser als hetzen. Schließlich wächst die Gruppe auf insgesamt 10 Teilnehmer_innen an. Vier davon haben besondere Bedürfnisse, die ein Etikett haben.

Nach einer Vorstellrunde – Natsu lässt mich leider nicht in Japanisch stottern – wärmen wir auf. Mal einzeln, mal zu zweit. Sie macht viel Akupressur, lässt alles zu, was von den Jugendlichen kommt, aber bietet dann auch immer wieder Struktur an. Wir improvisieren mit Gesten, Bewegungen und frei zur Musik. Jede_r darf einmal, auch ich, Wien – Sie kann Michaela nicht aussprechen. Anders als bei den Butohstunden ist in diesen zwei Stunden ihr Gesicht gelöst und nicht verbissen. Die Atmosphäre ist angenehm. „I would like to know more about your work.“ Sie lächelt milde und nickt.

Auf dem Rückweg entdecke ich dann das Firemuseum, von dem sie in ihrer ersten Wegbeschreibung geschrieben hat.

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Izakaya

Nach dem dreistündigen Tanztraining mit Yuri machte sich die ganze Gruppe auf den Weg zum Bahnhof, um schließlich in eine Izakaya, einer japanischen Kneipe, im ersten Stock einzukehren. Außer Yuri und Seisaku war noch ein weiterer Butohtänzer dabei und Yumiko mit ihrem spanischen Freund Miguel, der sicher weniger Masse auf die Waage bringt als ich, aber den Unterschied durch dichte Ganzkörperbehaarung (außer am Kopf) wettmacht.

Yuri sagt dem Werber auf der Straße vor dem Lokal wieviele Personen wir sind. Dann steigen wir hinauf. Bereits an der Tür empfängt uns ein weiterer Mitarbeiter und führt uns zu einer Koje. Please, take your shoes off. Die kommen in einen Kasten vor der Koje. Leider habe ich dort kein Foto gemacht. Hier ein Serviervorschlag.

Unter dem Tisch ist eine Grube mit einer Decke zum Wärmen oder man kann auf den Pölstern knieen. In Japan ist es üblich zum Alkohol Kleinigkeiten, Tsumami, zu essen, ja es wird sogar erwartet. So, beginnt die Runde rasch, viel und wild zu bestellen. Nach dem Sake und dem Bier, edamame (gesalzene Bohnen), Udon mit Makrele, Leberspießchen, Mochi gekocht in Sauce usw. Es ist üblich das Alles geteilt wird, auch die Rechnung am Schluss. Ich komme mit 2000 Yen davon, was mir allerdings die Erfahrung wert war.

Das Bier war gut. Mein Sitznachbar versetzte es mit Eiswürfel, die es im übrigen in fast jedem kalten Getränk gibt. Der Sake wird in einer Holzkiste serviert. In ihr liegt ein großes Stück Bambus mit dem Sake und als Dekoration liegen einige Eiswürfel oben auf. Auch die kleinen Essensportionen sind nett dekoriert und das Personal wie immer sehr eifrig.

Tabetai desu ka?

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momozono center

Yumiko hat mir eine weitere Butohtänzerin empfohlen: Yuri Nagaoka. Nach einer kurzen Emailkorrespondenz mache ich mich am Donnerstag auf zur Nakano Station und bin dieses Mal realy pissed off. Ich bin rechtzeitig weggegangen, habe einen Plan und finde den Sch.. trotzdem nicht. Irgendwo hinter dem Krankenhaus. Aber das Krankenhaus scheint kein Hinten zu haben… Ich schwanke zwischen „Ich lass es für heute; hat nicht sollen sein“ und „Jetzt erst recht!“ Schließlich finde ich das Gebäude, eine Art Volkshochschule mehr zufällig und ich bin bereits 20min zu spät. Ich komme nicht gerne zu spät. Dann gilt es nur noch den Portier zu überzeugen und schon bin ich im second floor, vor der richtigen Schiebentür. Drinnen wärmt sich eine größe Gruppe bereits intensivst auf. Also, rasch raus aus der Wäsch. Diesmal bin ich aber gut vorbereitet und trage Textil in mehreren Schichten. Dafür ist der Raum auch dann ordentlich überheizt. Die Sauna gibt‘ s als incentive, aber halt ohne Aufguß…

Yuri hält den Workshop mit Seisaku, einem weiteren Butohtänzer, der wie sie das gleiche Trainingsgewand trägt; auch die gleiche Ersatzwäsche nach der Pause. Wir wärmen mit Ballett-training auf und beginnen mit der Idee, dass unsere Körper geführt werden. Wie durch Seile, die von der Stirn nach Vorne, vom Hinterkopf zurück, von den Ohren zur Seite ziehen. Aber es gibt auch Seile, deren Ursprung hinter den Augäpfeln liegt, auf den Backenzähnen, am Knie und den Hüftknochen. Wie sollen uns vorstellen, wir wären Teil einer Gruppe; rund herum Menschen und wir werden durch die Gruppe bewegt und entscheiden uns nicht für eine Bewegung. Dann wachsen uns noch Löwenzahn aus allen Poren und wir improvisieren im Dunkeln. Relax.

Try to open the body in the workshop.
First, try to open various sensations to outside of the body, then feel.
Watch the stars, hear the sounds of the next room, touch cold water….
That looks easy, but actually we can’t do it so easily.
Because we tend to re-create them.
Our body thinking depends on the image,
we try to confirm, arrange, and prepare when we start.
When we behave (do) such a way like that, our sensation and eyes are going to close.
When our hands and eyes touch something, another part of the body has to help them as hard as they can.
We have to use the whole body for doing anything.
There is no room for thought and emotion.
Thought and emotion should come later.
We should first have the desire to touch and ask, “Is that the same thing as love”?
That surely makes the space around you change.
My teacher Tatsumi Hijikata always scolded me,
“ Show the invisible things, no one wants to see the things they already can see!!“
The space which is changing makes various forms by the way of the senses.
It’s going to be complex forms.
But we should simply practice the first step.
After that, we can mix more elements that we need.
If we put too many elements on the body on the first step, the skin is going to die with noise, the eyes are going to go inside(thought and emotion).
People often talk about „going inside“, but it’s not so easy, we only can go inside by looking at ourselves from the outside space which already became our body.
The outside body looks at our body as if seeing an unknown thing.
It’s not to barricade ourselves inside with a brain or emotion which are familiar to us.

Butoh dancer’s eyes are different from the eyes of those that only see daily life.
Some are only looking and seeing themselves with the eyes which are closed by a thick membrane.
That is not good for Butoh dance.
When we have opening eyes, our body already became eyes itself,
so the (real?) eyes don’t work as their function.
That’s like a curtain waving at the window,
it waves by another factor (wind, someone pulling…etc) but by itself.

Now I remember the same thing as that.
For example, when a dancer happened to fall on the stage, it gives a strong expression to the audience.
But if he tries to do the same thing again, it cannot have the same effect (has never come back).
That strong power can never come back no matter how hard we try to do the same thing.
We can’t get the power of the first time it happens. The first accident makes our body open because that is an unexpected thing.
If we try to do the same thing, our brain begins to work, then the sensation of the body closes.
Tatsumi Hijikata taught us that a Butoh dancer must be able to do each as the first (that) hundreds of times (as each).

So how can we do that?
The answer is „To become“.
We become something and jump into the sea which we have to become.
Become the naked soul and jump in.
I think it’s very important to throw away thought and usual custom for opening the body.

The thing I really want is one drop of water to the exhausted body.

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Sensei

Den Mittwoch habe ich mir für Yoshito reserviert. In Yokohama bleibt mir etwas Zeit um mich im Bahnhofsshoppinglabyrinth umzusehen, bevor ich weiter nach Kami-hoshigawa fahre. Dort in einem Supermarkt neben der Station mit dem originellen Namen „Fuji“ kaufe ich rasch ein paar Lebensmittel; bei den Temperaturen im Studio werden die schon nicht so rasch schlecht und steuere wie immer den Minimarket an – liegt ja auch am Weg. „Kohi o kudasai“ „Ich?“ „Hai!“ Diesmal ist der nette Verkäufer mit dem Irokesenhaarschnitt da. (Kenn ich den schon? Er nickt so wissend.) Er gibt mir eine Bonuskarte für den Kaffee. Vier Kleber und ich bekomme einen gratis (wahrscheinlich). Der Rest des Abends kann also nur gut werden… Auf dem Weg greife ich noch eine verirrte japanische Flamencotänzerin auf, die auch zu Yoshito möchte. Das Studio ist dieses Mal geheizt und der Sensei pünktlich. Gestern sei ein amerikanischer Schauspiellehrer mit seiner Schülerin da gewesen, der vielleicht heute wieder kommt, erzählt Yoshito fast erfurchtsvoll. Dieser Schauspielerlehrer entpuppte sich als der Amerikaner, der unlängst zu spät kam. Pff. Was ich mir zu ihm und der jungen Frau dachte, möchte ich nicht näher ausführen. Ich bin einfach doch ein schlechter Mensch und meine Schauspielschule war bei weitem nicht so….exclusiv. Dann begann die Stunde und wir damit eines der kleinen Handtücher, die in Japan gerne in der Küche und für alles mögliche verwendet werden, in Liebe, Haß und Wut zu bearbeitet. Früher konnten die Kinder am Rücken ihrer Mütter erkennen, in welcher Stimmung diese waren; weil sie Tücher würgten. Heute würden die Frauen keine Tücher mehr benutzen. Der Amerikaner gibt sich redlich Mühe mir immer unsympathischer zu werden, indem der Yoshitos Anweisungen durch eigene Anweisungen an seine „Schülerin“ (sorry, aber die Anführungsstriche mussten sein.) ergänzt oder meint allen erklären zu müssen, was Ukiyo-e („Bilder der fließenden Welt“, Farbholzschnitte) sind, obwohl die anderen Japanerinnen waren und ich ihn nicht gefragt hatte.

Dann sollten wir „unsere“ Frau auf der Bühne finden. Yoshito sprach vom Kabuki, wo Frauen von Männern gespielt werden und es deshalb zur Kunst wird. Durch die Übersetzung war wohl etwas verloren gegangen. Ich kenne ein Zitat aus dem Kabuki, das besagt: Sage einer Frau, spiele eine Frau und sie fragt dich, welche. Sage einem Mann, spiele eine Frau und er spielt sie. Um „unsere“ Frau zu finden, gab er uns kleine Gymnastikbälle. Mit dieser Übung konnte ich erst etwas anfangen, als ich beschloß, einfach zu improvisieren und Frau Frau sein zu lassen. Yoshito sprach vom Uterus als einem geschützen Universum und zitierte Kazuo mit seinem Stück „Meine Mutter“.

Er erwähnte eine Tänzerin, die als Frau nicht nur in ihrer Mutter tanzen konnte/kann, sondern auch als Mutter….

Dann wird ein riesiger runder niedriger Tisch zum Mond und Yoshito erzählt uns von den Fotoserien, die Kazuo für seine Stücke gemacht hat. Wir sollten uns fotografiert fühlen und unseres Rückens bewusst. Diese Stunde machte wieder einmal Sinn, Sensei.

Beim anschließenden Tee trinken, versuche ich den Herrn Schauspiellehrer zu ignorieren – als er mit Sushifingern die Zeitungsartikel über Yoshito angreift, als er der netten japanischen Studentin anschafft, sie solle gefälligst übersetzen und als er eine ungarische Zeitschrift als „from Yugoslavia“ identifiziert. „Do you know Bob Wilson?“, fragt er Yoshito. “ You should meet him. He‘ s a friend of mine.“ Als er Yoshito dann auch noch nach New Mexico für eine Performance und einen Workshop einlädt, zerfließt selbiger vor Glückseligkeit und beeilt sich ein schenkbares Poster zu finden. Ich helfe ihm mit dem Paket der Plakate von irgendeiner Kazuo-Aufführung und er sucht ein Gummiringerl. „Sensei!“ ich biete im ein Stück Schnur und verpacke das Poster noch nett für den Herrn Schauspiellehrer, der leider morgen schon wieder abreist. „Sensei, domo arrigato gozaimasu!“ „Samui“ „Hai, totemo samui“ Gute Nacht.

Auf der Heimfahrt halten die Keiseis müde ihre Alkoholfahnen hoch. Einer von ihnen sieht mich mit einem Blick an, der eher ins Spätabendprogramm einiger Privatsender passen würde. Ich drehe mich (ab)dankend weg. Ich stehe nur auf der Bühne als Objekt der Betrachtung zur Verfügung.

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furiu shogakko

Im Internet bin ich auf Natsu Nakajima gestoßen.

Sie macht Butoh mit disable/handicaped persons. Das klingt spannender als wieder zwei Stunden bei Yoshito zu frieren. Netterweise beschreibt sie mir im Email den Weg ganz detailliert. Aber es doch nicht so leicht, wenn man nicht weiß, was man sucht. Yatsuka Hioba, die alte Volksschule. Mein Fehler: Ich frage einen jungen Polizisten nach dem Weg, der holt dann auch noch einen Kollegen. Es dauert fast fünfzehn Minuten bis ich die beiden mit einer Ausrede aus ihrer Verzweiflung befreien kann. Nun, zum Glück wartet Natsu mit dem Unterricht auf mich.

„Your are a dancer?“ Ich zögere und sage dann nein, ich recherchiere. Während des ganzen Warmups ärgert mich das, bis zu dem Punkt wo die Sensei in den Spagat geht und ich a bisserle aussteig -Spagat konnte ich noch nie; Recherchieren: gute Antwort.

Wir wärmen mit Atemübungen, Yoga und Situps auf. Also, ich trete definitiv bei de Bodybuilderinnenmeisterschaft an! Beim freien Improvisieren klopft Sensei meinen Rücken ab und stößt dabei immer wieder irritierende Laute aus.

Im Butoh gehe es darum, ohne Bewusstsein zu tanzen, wie ein Kind. Nicht denken! Entspannen! Wir gehen, gelenkt von unserem dritten Auge, legen uns zu Bett und erwachen. Zwischendurch wieder eine Improvisation zu Lautmalereien. Zum Abschluss tanzt sie zehn Minuten ein Solo, das sie in Vancouver zeigen möchte. Der Tsunamitanz. Bilder von der Katastrophe tauchen auf. Das Meer, die Wucht, das Leid und dann ist das Meer wieder spiegelglatt.

„Butoh is the walk of smoke. Because Butoh is about disappearing, that why a form ist left behind.“

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Zen

Samstag fuhr ich wieder nach Yokohama zu Yoshito Ohno. Eigentlich hatte ich keine rechte Lust dazu. Vor meinem geistigen Augen erschien immer wieder eine Zenweisheit, die in Wien über meinem Arbeitsplatz hängt und die besagt: “ Folge nicht den Spuren der Meister. Suche was sie gesucht haben.“ Erst das Lesen in meinem Roman hob meine Stimmung; die Figuren waren mir sympathisch.

Eigentlich liegt das Tanzstudio nicht direkt in Yokohama, sondern zwei Stationen weiter in Kami-hoshigawa, einem kleinen Nest entlang einer stark befahrenen Durchzugsstraße. Dieses Mal hat mir der 50/50 Joker genutzt und ich habe NICHT den Alarm auf der Bahnstation ausgelöst, wie beim letzten Mal, wo ich den Knopf für die Spülung mit dem Alarmknopf verwechselt habe.

Ich war bewusst zu früh gekommen, um mich ein wenig umzusehen. Doch es gibt dort nicht viel. Eine Einkaufsstraße mit drei Supermärkten neben dem Bahnhof und ein paar kleinere Geschäfte, die gerade schlossen. Es ist sieben Uhr abends. Ein Geschäft mit Arbeitskleidung an der Hauptstraße. Ich würde gerne eine Arbeitshose kaufen, aber der Verkäufer mustert mich skeptisch und räumt auch gerade sein Geschäft ein und ich habe auch sicher nicht genug Bargeld mit; Das nächste Mal. Nachdem ich eine kleine Kommunikationsstörung mit dem Verkäufer im Minimarkt um den Kaffee für mich geklärt hatte, fiel mir eine Geschichte aus meiner Kindheit ein: Ich wohnte mit meinen Eltern in einem Block, der parallel zum Gelände eines Frachtenbahnhofs liegt. Zwischen den Wohnhäusern und dem Bahnhof liegt eine wenig befahrene Straße, wo die Kinder der Gegend spielen durften; jeweils unter den Fenstern der elterlichen Wohnung. Den Block durfte ich nicht verlassen, nur umrunden. Auf der anderen Seite gab es eine Konditorei, die Süßigkeiten stückweise verkaufte; Mannerzuckerl (mag ich immer noch nicht), Colaflascherl-süß und sauer, Erdbeerschnüre, Sprüche und Kokosstangerl. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was die gekostet haben, aber sie waren wohl eher ein Ausnahmeerwerb. So beschloss ich eines Tages, zu sparen, um mir eine ganze Packung kaufen zu können. Aber nicht in der Konditorei, sondern im Konsum und sie alle auf einmal aufzuessen. Gesagt, getan.  Die Supermarkt-kokosstangerln waren ganz anders als die in der Konditorei. Zwar waren sie auch unnatürlich rosa, weiß und braun, aber vor Allem sie waren weich! – sehr irritierend. Gut, gekauft und alle sofort gegessen und dann….kratzte der Zucker im Hals.

Ist diesmal der Besuch bei Yoshito Ohno mein japanisches Kratzen im
Hals ? oder haben wir nur einen schlechten Start ? Ist nach dem Tod von Kazuo Ohno die Luft draußen ?

Ich steige den Hügel hinauf zum Studio. Alles ist dunkel. Eine ältere Frau eilt aus dem Wohnhaus nebenan herbei; sumimasen! sumimasen! Der Sensei würde gleich kommen. Wir suchen gemeinsam den Lichtschalter und sie bemüht sich um die Heizung. Es ist kalt. Wir warten und unterhalten uns.

Und der Sensei kam schließlich. Eine halbe Stunde zu spät. Sumimasen, er hatte Probe. Akemashite omedetou gozaimasu. Das dachte ich mir. Wir improvisieren wieder zu „Amazing grace“. Drei Amerikaner_innen, die mir schon im Ort aufgefallen waren, kommen zu spät und damit ist die Stunde zu Ende. „Zum Sensei kommt man nicht zu spät!“ und strafe sie mit Missachtung bis zum Bahnhof. Sie werden es überleben….Ich sehe wieder die Dokumentation über Pina Bausch, Jugendliche tanzen Kontakthof und friere ganz fürchterlich trotz Tee und Keksen. Yoshito verteilt Bilder von Kazuo Ohno, die er nicht mehr braucht.

Diese Stunde bezahle ich nicht….

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Papier machen

Wie schnell hier die Zeit vergeht! Vor einer Woche, also letzten Samstag war ich im Papiermuseum, das in einem nahe gelegen Park liegt. Am Samstag kann man dort auch selbst Papier schöpfen/machen.

Um 13.00 ging´s dann endlich in den Keller zum Papier machen. In einem sehr angenehmen Vortragssaal dessen Fenster auf den Park hinaus gingen war alles bereits sehr sorgfältig vorbereitet und bald wuselten mehrere alte kleine Männer wichtig herum. Einer von ihnen hielt dann auch den Vortrag, wie aus Tetrapacks Papier gewonnen wird. (Es wird gekocht!) Ich nicke hin und wieder, aber nicht weil ich verstehe, sondern weil mich soviel Engangement beeindruckt. Er freut sich. Und dann darf ich auch. Zur Sicherheit lasse ich ein Kind vor, dann habe ich schon ein excelentes Vorbild.

Das Ergebnis freut mich über die Maßen; ja auch ich kann hin und wieder von etwas entzückt sein und nein, davon gibt es kein Foto. Nur vom Ergebnis:

Nachdem ich noch der netten Dame an der Kassa gesagt hatte, wie gut mir das Museum gefallen hat, bin ich hinaus in den Park. Ein Mitarbeiter des Museums kam mir nach „Anata wa doko kara kuru no ka?“ „Ostoriajin desu! Wien!“  „Ah!“ und schenkte mir ein Origami-Blumen-Windrad. Das fand ich sehr nett…. 

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Mist Heater

So sehr hier alles bis ins letzte Detail druchdacht ist und praktisch ohne Ende, so sehr schwächelt die Technik beim Heizen und beim Recycling. Ob das mit dem Stellenwert dieser beider Themen zu tun hat, ist wüste Spekulation. Hier vorerst meine Eindrücke:

 

Wer das für umständlich/kompliziert hält, hat noch nicht versucht, das japanische Abfallwirtschaftskonzept zu verstehen. (Wahrscheinlich geht es Japaner_innen mit dem unsrigen auch nocht anders…)

Also, grundsätzlich wird unterschieden in verbrennbarem und nicht verbrennbarem Müll.

An mehreren, meist nicht besonders gekenntzeichneten Stellen am Gehsteig liegen Plastikfaltkisten in blau und gelb, die sind für die Dosen und die Flaschen. Daneben hängt am Geländer ein Netzsack, in dem die Petflaschen ohne Verschluß gesammelt werden. Wo man wiederum die Verschlüssel abgibt, habe ich noch heraus gefunden. Fleischtassen aus Schaumstoff und Tetrapacks werden von den Supermärkten zurück genommen. Allerdings nicht von allen. Papier wird nur in Form von Verpackungsmaterial, Zeitung und Zeitschriften gesammelt und als Paket verschnürt – meist mit einer Plastikschnür – zu den Kisten gelegt. Kleine Papierreste, wie sie hin und wieder von Verpackungen anfallen, werden izum  den allgemeinen brennbaren Müll gegeben. Genauso wie Plastiksackeln, Essensreste, u.ä. Plastiksackerln werden allerdings auch in Containers vor vielen der Konbinis gesammelt…

Der Müll wird vor die Haustür gestellt, die neuen Häuser haben Minimüllcontainer, und zwei Mal in der Woche abgeholt. An diesen Tagen türmen sich die Plastiksackeln entlang der Straße. Glas und Dosen zwei Mal im Monat. Unser Nachbar dürfte diesbezüglich sehr genau sein. „Strongly adviced“ darf der Mist erst um 8.15 am gleichen Tag hinaus, wenn um 8.30 der Wagen kommt.

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persönliche Hölle

In Akihabara gibt es Viertel, in dem vor Allem gebrauchte Bücher verkauft werden. Stellen Sie sich einmal vor, Sie gehen an einem Ort von Raum zu Raum, von Haus zu Haus und jeder Winkel ist voller Bücher in einer (Schrift)sprache, die Sie nicht lesen können; meine persönliche Hölle.

Währendessen ich ein wenig lustlos in einem Buch nach dem anderen blättere, kommt mir in den Sinn, dass es im Leben und im Tod garnicht um Bücher geht…und wenn falls doch, habe schon einmal angefangen, Kanji zu lernen.

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Akihabara

Der tokyoter Bezirk Akihabara (Herbstlaubfeld) gilt als das Herz des japanischen Elektrohandels. Besonders das Gebiet um den Bahnhof besitzt eine hohe Dichte an Leuchtreklamen. Allerdings auch nicht mehr als in jeder anderen Einkaufsstraße. In Tokyo leuchtet, blinkt, twitschert und ruft es an jeder Ecke

Da der Wechselkurs nicht besonders gut ist, gibt es keine Mezzie. Außerdem brauche ich derzeit eigentlich auch nichts Technisches….naja, vielleicht eines dieser Smartphones…wenn schon nicht ich, dann wenigstens mein Phone.

Zum Glück hat Akihabara außer kapitalischen Konsumtempeln auch Kulturelles zu bieten. Zum Beispiel die Nikolaikirche

Die Nikorai-do wie sie hier heißt, wurde nach dem Mönch Ivan Dmitrievich Kasatkin (1836-1912) benannt, der als der Gründer der orthodoxen Gemeinde in Japan gilt. Die Kirche wurde 1891 fertig gestellt und überragte zu ihrer Zeit den kaiserlichen Palast. Heute ist sie von einer Reiher hoher Gebäude umgeben. Auch zum jetzigen Zeitpunkt wird in der Gegend um die Kirche viel und hoch gebaut. Der byzantisch anmutende Bau wurde beim großen Erdbeben 1923 zerstört und 1929 wieder aufgebaut. Leider war es nicht möglich die Kirche zu betreten. Allerdings hätte ich ohnehin Skrupel im Gebetshaus einer reiligiösen Gemeinschaft zu fotographieren: ich finde das respektlos.

Tempel und Shrine sind da more easy going. Ins wirklich Heilige kommt man bei denen ohnehin nicht hinein….

Yushima Seido wurde als privater Tempel im 16.Jahrhundert gebaut und ist dem Konfuzianismus geweiht. Später waren verschiedene Institutione darin untergebracht. Auch die Farbe hat gewechselt. Nachdem er mehrmals abgebrannt ist, wurde dann statt Zinoberrot und Grünspan ein elegantes Schwarz gewählt. Der Tempel ist heute aus Stahlbeton.

Im Internet habe ich gelesen, dass auf dem Gelände die weltweit größte Statue des Konfuzius steht. Sorry, ICH habe sie nicht gesehen…

Nach Akihabara geht auch, wer ein Musikinstrument erwerben möchte, vorzugsweise eines, das erst durch Strom zum Klingen gebracht werden kann.

Besonders umfangreich ist in Akihabara auch das Viertel in dem gebrauchte Bücher verkauft werden….

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