no ansa panier

Ich hatte den freundlichen Franzosen aus meinem Japanischkurs bemüht, mir Karten im Nohtheater meiner Wahl – yarai – zu reservieren. Das hat der junge Mann auch gerne erledigt und es lagen Karten um je 60€ für uns bereit. Ms. Yaroku recommend to see the show from front side is more wonderful than free seat area. Na, wenn´s the person in charge schon empfiehlt, dann wird´s schon stimmen.

Ich hätte ja fast zwei Wochen Zeit gehabt und hin und wieder streifte so etwas wie ein Gedanke diesbezüglich mein Bewusstsein, allein, erst am Samstag Nachmittag vor dem Aufführungssonntag kam mir in den Sinn, dass Jeans im Theater nicht angemessen sein könnten. Nun hatte ich erst einmal die Wahl zwischen Butohtraining und Shopping. Also blieb nur noch Sonntag früh. Vielleicht findet sich am hochgelobten Flohmarkt im Yojogipark etwas günstig Passendes.

Sonntag früh war dann zuerst einmal nicht so früh, wie ich geplant hatte und der Flohmarkt wenig ergiebig und in Harajuku die Verkäuferinnen ausnahmsweise nicht kund_innenorientiert gelangweilt.

Also zupfte ich hier und da ein wenig an mir rum und hoffte auf Nachsicht. Im Theater war schon jemand für uns abgestellt. Die nette Dame brachte uns zu unseren Polstern und ich entschuldigte mich für meine Kleidung. „Iie, iie“.

In diesem Theater gab es keine Garderobe und der Platz zum knien war auch etwas limitiert; von dauerhaft bequem war das demnach weit entfernt. Habe ich schon erwähnt, das während eines solchen Nachmittags drei Stücke mit einer Gesamtlänge von fast fünf Stunden auf dem Programm standen ?

P. setzte das Wetter, die Luft im Theater und das Knieen zu. So teilte ich meine Aufmerksamkeit zwischen der Bühne, den anderen Zuschauer_innen und der Überlegung, was ich tue, wenn sich P.s  Mageninhalt in den Kimonoausschnitte der Dame, die unter dem Balkon sitzt, ergießt, auf.

Das erste Stück hat den Titel „Raiden“. Einem Priester erscheint der Geist Michizane, der unbedankt im Exil gestorben ist. Der Geist will sich durch ein schweres Unwetter rächen und den Palast der Herrschers zerstören. Den Priester warnt er, nicht dorthin zu gehen. Der Priester löscht in weiterer Folge nicht nur die Flammen, die der Geist spuckt, sondern kann durch seine Glaubenskraft diesen Donnergott schlußendlich bezwingen. Das Publikum liest während der Aufführung mit. In den Textbüchern sind auch die Choreografien fest geschrieben.

Das zweite Stück ist ein lustiges. Das Publikum amüsiert sich sichtlich.In „Kurama mairi“, einem Kyogen, soll Taro Kaja seinen Herrn auf einer Pilgerreise begleiten und nach der Ankunft beim Schrein wach bleiben. Um zum Schlafen zu kommen, weckt Taro seinen Herrn immer wieder, bis der nachgiebt und alle beide schlafen.Taro träumt, dass er von einem alten Priester gesegnet wird. Um ebenfalls etwas von diesem Segen abzubekommen, erzählt Taro´s Herr, er hätte geträumt, an Taro´s Segen teilhaben zu können. Taro übermittelt den Segen durch einen Tanz und beide gehen singend und tanzend ab. Dann ist wieder Pause.

Zu Beginn des dritten Teils, treten unterschiedliche Schauspieler auf, die kurze Tänze darbieten. Dann tritt Kimmitsu auf, den die Geschichten von Ise über Vorfälle im Leben von Ariwara no Narihira schon sein ganzes Leben lang interessieren. Dann träumt er den Unrinin Tempel zu besuchen. Das tut er und trifft einen alten Mann mit dem er sich unterhält. Im zweiten Akt tritt Narihita, der japanischer Kavalier selbst auf und tanzt.

Im Foyer treffe ich V. Sie freute sich etwas zu heftig für meinen Geschmack, mich zu sehen. Beim Gehen schenkt sie mir ihre Eintrittskarte für ein Butohfestival und läuft davon. Naja, auch nicht schlecht. Nach fast fünf Stunden No, kommt es auf a bisserle Butoh auch nicht mehr an. Doch leider hatte sich die gute Frau in der Beginnzeit geirrt und nachdem ich unnütze Zeit gesucht hatte, war nur noch eine viertel Stunde Tanz übrig. Ein älterer Mann, der sich schon fast die ganze weiße Farbe herunter getanzt hatte, gab sein Letztes und dann wurde Reiswein serviert. Im Publikum wurden zusätzlich mitgebrachte Flaschen geöffnet und alles geteilt. Das ist eine Sitte hier, die mir gut gefällt: Das gerne geteilt wird.

Zurück sehe ich, dass ishii-san geantwortet hat. Er hätte zur gleichen Zeit einen workshop angeboten und mich dazu eingeladen…. dumm gelaufen.

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert