Aomori – Hafenstadt im Kingdom of Apple

Um 8.30 starten wir in Sapporo los, ausgestattet mit einem detaillierten Fahrplan, der genau darüber Auskunft gibt, wo wir wann in welchen Zug steigen müssen, wie lange wir fahren und wie lange die Zeit zwischen den Zügen ist. Den Rest an Unsicherheiten beseitigen serviceorientierte MitarbeiterInnen auf allen Stationen.

Das nächste Ziel nach Sapporo ist Osaka. Um die Reise angenehmer zu gestalten und noch andere Teile des Landes zu sehen,  bleiben wir für eine Nacht in Aomori an der Küste. Küste, Meer, ein Hafen, eine kleine Stadt und dann abends entlang des beleuchten Piers spazieren. Ist doch nicht so abwegig oder? Nun, Aomori liegt nicht am Mittelmeer.

Ich schalte auf Tourismusmodus; ein seltsames Gefühl. Ohne jemanden vor den Kopf stoßen zu wollen, aber eine Reise nur um mir „dort“ dann „´was“ anzusehen hast mich weniger Wert, als andere Reisezwecke, die das Sightseeing so nebenbei ermöglichen.

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Wir kommen so gegen 14.15Uhr in Aomori an. Die Stadt ist berühmt für das Nebutafestival und Musik empfängt uns schon am Bahnsteig. Das Hotel liegt zwischen Bahnhof und Hafen ganz in der Nähe. Hier ist es das einzige Mal, dass ich ein reguläres Hotel gebucht habe. Das Bett soll 1,5m breit sein.

Der Plan, den ich mir routiniert im Tourismusbüro geholt habe, ist ungenau und wir suchen ein wenig. So ein Verhalten fällt dann doch auf und eine Frau springt aus ihrem Wagen, um uns zu helfen. Gemeinsam finden wir die Orientierung. Wie nett.

Die Lobby des Hotels ist gedämpft. Leise spielt Musik und die Einrichtung ist dunkel wie in einem Abendrestaurant. Die Rezeptionistin spricht angepasst ebenfalls sehr leise und übernimmt unsere Koffer, denn der Check-in ist erst ab 15.00 Uhr. Also sind wir nun TouristInnen und stürzen zum Hafen, hinein in ein Communication-Community-Einkaufscenter, wo im Erdgeschoß gerade eine Art Bauernmarkt stattfindet. Und was macht man im KönigInnenreich des Apfels? Richtig! Ich kaufe Knoblauchgelee. (Also eigentlich schmeckt es wie Quittengelee mit einem Hauch Knoblauch und natürlich haben wir nach der Knoblauchzuckerlverkostung mit Apfelsaft gespült.) – In der Communicationshall, die von Kindern zum Schreiben ihrer Hausübungen, für Treffen mit FreundInnen und für die Rast müder Fremder genutzt wird, sondieren wir das Werbematerial über Aomori und finden den Hinweis, dass es ein „fresh fish and vegetable Center“ gibt, in dem man sich sein eigenes Sushi/Sashimi zusammen stellen kann; bis 16Uhr. Das klingt gut und wir machen uns auf den Weg.  Beim Center angekommen, versuche ich mich am Infoschalter über das „Wie“ hier zu erkundigen. „Sumimasen. Do you speak english?“ Die Frauen lachen. „Oh, no!“ und schütteln den Kopf. Ich ärgere mich und will wieder gehen. Schließlich kann ich dann doch Zetteln mit Essensmarken, die an die Nachkriegszeit erinnern kaufen und wir umrunden die Stände in der kleinen Halle.

Lachsroggen, Jacobsmuscheln, Lachsfleisch,Scampi, Calamari und ein Gemüse, das wie junger Ingwer schmeckt, ist unsere Ausbeute und es schmeckt hervorragend.

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Dann geht´s weiter ins Nebutamuseum, denn das Festival ist bereits vorbei.

Nebutamuseum

Das Nebuta Matsuri, „Atrappenfest“, ist eines der größten Festivals der Tohoku Region und zählt seit 1980 als Weltkulturerbe. Es findet jedes Jahr zwischen dem 2. Und 7. August in Aomori statt. Die bekannteste Version der Ursprungsgeschichte besagt, dass der General Saka­noue no Tamuramaro mit Hilfe von Trommel- und Flötenmusik, sowie von TänzerInnen (Haneko) seine GegnerInnen anlocken und dann durch riesige Kreaturen erschrecken wollte. Diese Kreaturen sind aus papierüberzogenen (Draht)gestellen, die früher wohl mit Kerzen beleuchtet wurden. Am Höhepunkt des Festes werden die Skulpturen während eines Feuerwerks auf Flößen ins Wasser gezogen. Das soll eine reinigende Wirkung haben.

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Es dämmert bereits, als wir das Museum verlassen. Hier scheint es schneller dunkel zu werden. Die Luft ist warm und durch gelegentliche Regenschauer feucht. Wir kaufen Instantsuppen, Saft und Bier, das ich am Wasser trinken, bevor wir ins Hotel zurückkehren. Morgen geht es früh los. Während im japanischen Fernsehen in einer Werbesendung fast stundenlang ein Cape angepriesen wird, schreibe ich noch ein Anbot. Irgendwie bin ich auch um 2Uhr noch nicht müde.

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