Kult(ur)bier

Den vierten Workshop Tag beginnen wir früh, um den etwas entfernteren Moerenuma-Park (jap.モエレ沼公園, Moere-numa-kōen) erreichen zu können. Diese Parkanlage wurde vom japanischen Skulpturkünstler Isamu Noguchi 1988 entworfen und 2003 fertig gestellt. UND: Wir wollen die Sapporo Beer Brewery besuchen und dort Jingiskan-style zu essen. Aber alles der Reihe nach…

Von einer Subwaystation aus, müssen wir laut Touristmap noch ca. einen halbe Stunde mit einem Bus fahren. Im Busbahnhof kann ich mich ganz gut orientieren und bezüglich der Zahlungsmodalitäten im Bus hilft freundlicherweise der Fahrer. Wir fahren durch einen Randbezirk von Sapporo, eine Mischung aus Gewerbepark mit lieblosen (Gemeinde)bauten und uninteressanten Wohnhäusern.

IMG_7200

Es freut mich aber, dass ich die Anzeige im Bus lesen kann, denn die Durchsagen sind leider (noch) nicht verständlich.

Diese ca. 16ha große Parkanlage ist geprägt von Skulpturen, die unterschiedlichste Pyramiden assoziieren. So führen 317 Stufen auf den höchsten Aussichtspunkt hinauf und 242 hinunter. (Ich hab´s gezählt.)

IMG_7163

Oben angekommen, ist der heftige Wind eine recht angenehme Abkühlung und es bietet sich eine gute Übersicht über die Anlage.

Aber dann geht´s auch schon weiter, Tourismus ist ein hartes Geschäft, nicht nur für die Angestellten. Man steht ständig unter Zeitdruck. Rasch noch ein paar der riesigen Skulpturen und die Ausstellung in der gläsernen Pyramide  fotografiert, während die Ortsansässigen beneidenswerterweise unter Sonnenzelten im Gras liegen oder etwas spielen.

…und rasch zum Bus, damit sich ein Speeddating mit dem Museum als Vorwand für Bierkonsum und gebratenes Lamm auch noch ausgeht.

IMG_7201

Ich mache es kurz: Ein enttäuschender Ausflug. Außer einer Ausstellung mit den Modellen der diversen Produktionsstätten, den Direktoren (denke ich …) und alten Plakaten, kann das Museum nicht viel. Keine Bierverkostung (vielleicht bei der  Premiumführung) und auch im Shop sind nur die kleine Schokobierfässer originell. Das Jingishkanmenu, das auf einem Gußeisenteil zubereitet wird, das die Form des Hutes dieses Soldaten haben soll, entpuppt sich als Do-it-yourself-Grillspaß . Danke, ich mag nicht selber grillen, schon gar nicht bei der Hitze.

IMG_7204

Auf dem Rückweg zur Subway besorgen wir noch rasch ein paar Sandwich, die wir in der Station essen. Dann muss ich auch schon zum Workshop.

Beim Workshop ist irgendwie die Luft draußen. Wir reden viel, die Pausen sind länger und wir schauen Film bis mir der Po einschläft. Sensei ist während der anschließenden Übungen davon überzeugt, dass ich Schmerzen habe und zwingt mich auf einen riesigen Polster. „Are you ok?“ „Yes!“ „No, I don´t think so.“

Später bin ich mit P. in Susukino verabredet. Dort findet das Nightlife von Sapporo statt.

IMG_7220Nach oberflächlicher Inspektion kommen wir zu dem Schluss, dass sich hier nur ein weiteres fairywheel und jede Menge Itzakaya anbieten. So essen wir Curry mit Spargel und Melanzanie (schmeckt hier eher wie Gulasch) und fahren „nach Hause“. P. ist nicht der Mensch für eine Sauftour. Aber ich komme sogar zu meinem Bier.

IMG_7224

Der letzte Workshoptag beginnt spät. Wir verzichten auf Sightseeing. Gibt eh nicht so viel zu sehen. Wir wollen vor dem Tanzen ehrer noch nett essen. Leider habe ich am Essensautomaten kein glückliches Händchen und sitze schließlich vor einer Schüssel mit billigem Hühnerfleisch inklusiver wabbeliger Haut und rohem Ei.

Im Workshop bietet mir Sensei sehr bewerte Schmerzpflaster gegen Rückenschmerzen an. Ich kann ihn nicht davon überzeugen, dass ich keine Schmerzen habe und danke höflich. Ayako ist wieder da und ein Mann, der als „Mann aus Tokyo, der hart arbeitet“ vorgestellt wird. Im Raum ist es schwül. Wir gehen wieder – auf Tatamimatten ist es schwierig, das Gleichgewicht zu halten. Das erste Mal seit ich hier bin, habe ich das Gefühl „in der Bewegung“ zu sein und Sensei lobt mich. Dann schaun wir wieder Film. Er zeigt uns u.a. Mitschnitte seiner Aufführungen. Ich muss daran denken, dass die Einen unterrichten und die Anderen auf die Bühne gehen.

Eigentlich hat er uns versprochen, unser eigenes Butoh zu entdecken. Auch dafür findet sich Zeit: Ab 19.30 (Der Workshop endet um 20.00 Uhr). Allerdings nur für einen Augenblick, schon gibt er vor, wie wir tanzen sollen.

Nach einem relativ raschen Abgang mit vielen Höflichkeiten, tauschen der amerikanische Jüngling auf dem Weg zur Subway noch unsere Eindrücke aus, bevor wir uns trennen. Dann kaufe ich noch Gebackenes für´s  Abendessen und unsere Bentoboxen. Unser Vermieter ist wieder zurück. Wir plaudern. Dann ist Zeit zu packen und rasch zu schlafen, denn unser Zug geht um 8.30.

 

 

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert