
Als ich aus dem Zug steige, werde ich von der Hitze in Sekunden umschlossen, wie Honig eine leichtsinnige Fliege umschließt. Zum Glück sind die Subways klimatisiert. Nach Sapporo, wo ich die Menschen zwar uns gegenüber, aber nicht untereinander als hilfsbereit erlebt habe, als zum Beispiel ein Blinder sich lautstark bemerkbar machend in die Metro stieg und niemand – schon gar nicht Jene, die die Sitze, die für ihn gewidmet waren, besetzt hatten – ein Ohrwaschl rührte, um ihm einen leeren Platz zu weisen, bekam nun auch hier in Osaka mein positives Image der respektvollen JapanerInnen einen Schädigung ab. Vielleicht ist das ja gar nicht das Land des Lächelns, vielleicht zeigen sie nur alle die Zähne. Nun, ich versuche dennoch einzelne Erlebnisse nicht zu generalisieren…
Ein Einschub: Um nicht für jede Destination einen Stadtplan kaufen zu müssen und weil das mit einer entsprechenden App-Installation nicht geklappt hat, habe ich mir die jeweilige Adresse und Hinweise zur Anfahrt ausgedruckt. Also fahren wir nach Nazaki Station. Dort werden wir gleich einmal von einem ambitionierten Pensionisten geholfen, der sofort abwinkt bei der Adresse. Ist ganz wo anders! Wenn wir beide wüssten, wie recht er hat. Ich aber bin überzeugt von meinem Anfahrtsplan und so machen wir uns auf die Suche. Er spricht kaum Englisch und wir versuchen Höflichkeiten auszutauschen. Am Berg dann fragt er einen kleinen alten Mann am Moped, der darauf hin mit Helm zu seinem Haus hochläuft, um etwas zu holen. Mir wird´s peinlich. Er kommt mit einem Plan zurück. Es wird diskutiert und wir werden zum Tee eingeladen. Der kleine Mann übergibt uns seiner Frau. Wir trinken Tee während unser Guide sich zwischen den Verbeugungen den Schweiß von der Stirn wischt. Der kleine Mann kommt zurück und hat die Idee, uns zu zwei AmerikanerInnen zu bringen. Wir gehen weiter den Berg hinauf. Die AmerikanerInnen sind Deutsche auf „working holyday“. Unser Guide verabschiedet sich. Nach weiteren Rundreise durch die Häuserzeilen am Berg, bei der die Gelsen großen Gefallen an uns finden, kehren wir zum Haus der Deutschen zurück. Wir haben den gleichen Vermieter und nach einer Recherche im Netz, einem Telefonat und Tipps für die beste Anfahrt, verlassen wir, noch an der Tür angeregt plaudernd, das Haus und das Viertel. Ich habe zur richtigen Adresse, die falsche Anfahrt ausgedruckt. Wie auch immer, darüber kann ich nur spekulieren.
Es ist bereits dunkel, als wir im richtigen Stadtteil das richtige Vierteil finden. Japanische Adressen sind anders und so umrunde ich den Block zwei oder drei Mal bevor ich unter einem Schaltkasten im Finstern die Hausnummer finde. Das ist ein Firmengebäude. Im Eingangsbereich soll der keycase sein. Wieder suche ich. Probiere mit dem Code alle Postfächer durch.Die Hitze und die lange Reise zeigt ihre Wirkung. Neben dem Haus gibt es Sitzgelegenheit; selten in Japan. Ich lasse P. das Gepäck und suche weiter nach dem Schlüsselkasten. Schließlich finde ich ihn, im Halbdunkel an einem Rohr. Hurra. Im Internet stand etwas vom 3F, oder?! Also fahren wir in einem kleinen stickigen Aufzug hinauf.
In der Etage hat es gleich einmal fünf Grad mehr und die Luft steht. Trotz mehrmaligem Probieren: Der Schlüssel passt nirgends. Zum Glück ist das Internetpasswort an der Wand angeschrieben. Ich rufe neuerlich die Infoseite auf. „See the Pictures“ Welche Bilder? Die Usability von „airbandb“ ist mit meinem Verständnis nicht kompatible. P. muss aus dem Haus. Die Luft ist unerträglich. Ich suche weiter. Gehe von Etage zu Etage, treffe einen Mitarbeiter der Firma, der mich nicht versteht und ich ihn nicht. Suche weiter. Suche die Telefonnummer. Schreibe ein Email. Wieder hinunter. Am Eck ist ein Supermarkt. Ich hole Wasser und Saft. He, da gibt es eine Art klimatisierten Warteraum. Ich hole P. und das Gepäck. Hier ist es besser warten. Der Markt schließt um 20Uhr. Zurück ins Haus. Vielleicht hat der Vermieter geantwortet. Nein. Zurück zum Markt. Was ist bei der Nummer die Vorwahl. Wieder zurück ins Haus. Dort hab ich W-LAN. +81 ist die die Vorwahl von Osaka. Geht trotzdem nicht. Eine weibliche Stimme sagt mir wohl, die Nummer ist unbekannt. Ich spreche eine junge Frau an und frage nach der Vorwahl. Dann geht’s. Ist wohl ein Handy. Ich erreiche jemanden, die mir etwas von einem zweiten keyhole und it´s covered erzählt und das ja alles genau auf den Bildern zu sehen ist. Langsam werde ich grantig. Ok, ich suche weiter und melde mich ggf. nochmals. Zurück in die Etage. Alles durchprobiert. Ich finde unser „Zimmer“. Welch ein Triumph! (Na der Knabe soll mir unterkommen…) Hier wohnen wir. Links.

Wer jetzt glaubt, das ist eine unglückliche Aufnahme und der Raum setzt sich links vom Kasten fort, der/die irrt. Das IST unser Raum.

Wir wohnen in einem klimatisierten Schrank. Das wäre nun an sich nicht so ärgerlich, wenn man die Immobilienanzeigen hier vor Ort studiert. Aber es gibt hier sonst nichts außer Klimaanlage und Klopapier. Das Bett ist ein Kunstledersofa ohne Beine und ohne Unterbau, das sich „ausbreiten“ lässt und für Menschen unter 1,50m durchaus bequem ist, wenn sie nicht so wie wir gerne ein Leintuch hätten. Achja, Bad gibt´s auch nicht. Herzlich willkommen. Ich ärgere mich über mich. Es gibt entsprechende Kommentare anderer. Wie konnten die mir entgehen? Ich kann nur spekulieren. Trotz alledem ist die Nacht ok.