Gleich in der ersten Woche fiel mir auf dem Weg Richtung Shinjuku ein kleines Buchantiquariat auf und bei meinem nächsten Einkauf in einem anderen Supermarkt meines Vertrauen – ja, ich bin im Verteilen meiner Konsumentinnengunst etwas flatterhaft und wankelmütig – wollte ich das Buchgeschäft zwecks Suche nach geeigneten Fotomittelpunkten besuchen. Bereits die Auslagen waren eine seltsam interessante Mischung aus teurem Prozellan und Wittgensteinbiographien. Drinnen setzten Fotobände über Malerei und diverse andere Biographien das Spektrum fort. Unter Anderem entdeckte ich ganz prominent platziert ein Buch über irgendeine Zahnradbahn in Österreich. Hier bist du richtig, dachte ich und war mutig genug nach Butoh, dann nach Hijikata und schlussendlich auch nach Kazuo Ohno zu fragen. „Ahhh, Ohno Kazuo!“ Der Verkäufer erklärte mir erfreut, dass er immer wieder Fotos hätte, aber nicht im Moment und zog gleichzeitig eine Zeitschrift aus dem Regal. Eine Ausgabe von Geijtsu Shincho vom März 1998 um angemessene 800 Yen. Die Zeitschrift war sorgfältig verpackt, fast wie ein Geschenk. Nicht ohne Grund. Denn nachdem sie mir der Verkäufer geöffnet hatte, konnte ich durch eine Bilderserie über Tatsumi Hijikata (1928 – 1986) den „Begründer des Butohs“ blättern.
„Ob er denn nicht oder wann er denn wieder mehr hätte?“, fragte ich ihn. „Hmm“ Er selber nicht, aber ein Freund hätte gerade eine wahre Rarität an Foto in seinem Geschäft. Wo ist der Freund. Zuerst zeigt er mich noch am Laptop das Foto und das war gut so, denn es war der Gipsabdruck des rechten Fusses von Hijikata. Naja, bei allem Butohenthusiasmus, aber a Fuss…
(Die Adresse vom Geschäft des Freundes habe ich sicherheitshalber trotzdem mitgenommen)

