Am Dienstag bin abends nach Yokohama gefahren, um bei Yoshito Ohno eine Stunde zu besuchen und um Yumiko Yoshioka zu treffen, deren Performance ich in Berlin gesehen hatte. http://www.kazuoohnodancestudio.com/english/
Von der Bahnstation aus geht man einen Berg hinauf und durch einen Eisenbahntunnel. Neben dem Weg verlaufen die Gleise einer Güterbahn. Darunter sind Parkplätze und das was man bei uns in den 70er Jahren einen Spielplatz nannte: Festgestampfte Erde bzw. Beton und ein paar bunt angemalte Eisenstangen; davor eine Holzbank. Ziemlich genau vor fünf Jahren saß ich hier auf dieser Bank mit einem Coffee to go aus dem Minimarkt an der Straße (Konbini) und zu früh für die Tanzstunde. Damals war ich mir gewiss, nie wieder hier zu sitzen. Ich kann nicht schreiben, ob es mir damals ein Ziel war, wieder hierher zu kommen, aber an diese Gewissheit kann ich mich gut erinnern…

…natürlich habe ich wieder Kaffee gekauft. Dieses Mal konnte ich ihn sogar auf Japanisch bestellen. Aber es ist mehr ein Coffee on the run; weil ich bin nicht zu früh und möchte auf garkeinen Fall zu spät kommen.
Die Stunden selbst war seltsam und überraschend zerfahren. Ein kleiner, fast weinerlicher alter Mann sprach darüber, dass wir wie Blumen uns zur Sonne strecken und gleichzeitig mit den Füßen im Boden, im Dunklen verhaftet sind. Wir sahen eine Dokumentátion über Pina Bausch und er zeigt uns Bild mit Statuen, die eine betonte Mittelachse aufwiesen. Dann sprach er von seinem Vater und den Proben während 9/11. Wir tanzten zu „Amazing grace“ jene Dankbarkeit, die ihm angebracht schien, das nicht miterlebt zu haben und improvisierten in einem imaginären Rosengarten. So wie Picasso und Pina Bausch sagten: Die Unerfahrenen sollen von den Profis lernen und umgekehrt.
Nach der Stunde gab es eiskalten Chianti zum Sushi und zu Reiscrackern. Die anderen munkelten, das Yoshito nun nach dem überstandenen Magenkrebs ein leichtes Alkoholproblem hat… Der obligate Quotenmann in der Runde hatte Geburtstag: Omedetou gozaimasu! und beim Gehen hielt Yoshito meine Hand und fragte, ob ich eh wieder komme. Ja, ich komme wieder! Domo arrigata gozaimasu!