{"id":620,"date":"2012-02-26T17:19:01","date_gmt":"2012-02-26T17:19:01","guid":{"rendered":"http:\/\/insho.wordpress.com\/?p=620"},"modified":"2012-02-26T17:19:01","modified_gmt":"2012-02-26T17:19:01","slug":"waseda-recherche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/2012\/02\/26\/waseda-recherche\/","title":{"rendered":"Waseda-recherche"},"content":{"rendered":"<p>Gl\u00fcck ist f\u00fcr mich wie das Salz in der Suppe: Ich bemerke es erst wenn es fehlt oder wenn ich mir den Text f\u00fcr einen Blogeintrag formuliere. Die Sonne scheint und ich bin auf dem Weg nach Waseda, um in einer japanischen Bibliothek zu arbeiten. Ja, das alles in Summe kann Gl\u00fcck sein und ich ich finde, heute ist alles gut abgeschmeckt. Das Fahrrad korrespondiert dieses Mal sogar einigerma\u00dfen mit meiner K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe. Das allein macht schon selig. Ja, meine Vermieterin hat auch andere Fahrr\u00e4der. Ich habe anfangs ein Kinderfahrrad benutzt. Denn die anderen hat sie sorgsam zu den vielen entlang der Stra\u00dfe gestellt und nicht zum Haus. &#8222;But I told you about the yellow lock!&#8220; Das h\u00e4tte ein fr\u00f6hliches japanisches Hallo vulgo Konnichiwa der \u00f6rtlichen Polizei ergeben, h\u00e4tte ich angefangen s\u00e4mtliche Schl\u00f6sser durch zu probieren&#8230; Wie auch immer, jetzt ist alles anders. Obwohl ich auf der Meijidori fahre, einer gro\u00dfen Stra\u00dfe, die sich durch mehrere Bezirke zieht, bin ich in bequemen 40 Minuten beim Theatermuseum.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/xn--zwlf-6qa.at\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc01820-e1330259409494.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-902\" title=\"DSC01820\" src=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/02\/dsc01820-e1330259409494.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc01820-e1330259409494.jpg 480w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc01820-e1330259409494-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich versperre meine Sachen im Eingangsbereich in zwei Schlie\u00dff\u00e4chern und betrete den Lesesaal. Nachdem ich meinen Pass abgegeben habe, beginne ich mit der Recherche am Computer den Blick des jungen Bibliothekars stetig auf mich gerichtet. Irgendwann meint er mir helfen zu m\u00fcssen. An sich habe ich ja alles im Griff, aber bitte, wenn er mehr findet, soll&#8217;s mir auch recht sein. Tut er aber nicht, weist mich aber h\u00f6flich daraufhin, dass zwischen 12.30 und 13.30 wegen der Mittagspause keine B\u00fccher ausgehoben werden. \u00dcberhaupt kein Problem f\u00fcr mich, denn es gilt den Bestellschein in Katakana auszuf\u00fcllen und bis ich damit fertig bin, vergeht nicht nur in B\u00f6hmen mehr als ein Viertel&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/xn--zwlf-6qa.at\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc02347.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-903\" title=\"DSC02347\" src=\"https:\/\/xn--zwlf-6qa.at\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc02347.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc02347.jpg 640w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc02347-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Geschafft, ich geben den Bestellschein ab und es bricht wie gewohnt Panik unter den Einheimischen aus. Normalerweise zwar nur in Buchhandlungen, aber mit B\u00fccher hat das Personal hier schlie\u00dflich auch zu tun. Dann wird diskutiert und sich ersteinmal bei mir entschuldigt. Denn f\u00fcr zwei B\u00fccher brauchen sie etwas l\u00e4nger, weil nicht vor Ort und zwei andere sind \u00fcberhaupt nicht hier zu benutzen. Man w\u00fcrde mich aber gerne dorthin f\u00fchren. Die ersten B\u00fccher kommen. Wieder wird diskutiert. Dann ist Pause. Sorry, but how do you spell your name ? Sumimasen, Michaela Rischka. Unter st\u00e4ndiger mehr oder weniger unauff\u00e4lliger Beobachtung beginne ich mit meiner Arbeit und muss schnell erkennen, dass das eigentlich nicht viel bringt, weil mich sowohl Ohno als Hijikata nur am Rande interessieren. Es hungert mich. So st\u00fcrze ich hinaus und gleich wieder in eine Art Mensa hinein. Dort stell ich mir ein kleines Suppenmen\u00fc mit Onigiri zusammen. Das w\u00e4rmt. Zur\u00fcck nutze ich die Copycard f\u00fcr das Japanischlehrbuch und bin schlie\u00dflich fr\u00fcher fertig als geplant.<\/p>\n<p>Wenn Japaner_innen lernen wollen, gehen sie in&#8217;s Cafe. Also ist mein n\u00e4chstes Ziel ein selbiges, um die Zeit bis zum Butoh sinnvoll zu nutzen. Ich fahre ich Okubodori Richtung Nakano entlang. Rechts bremst mich recht bald ein gro\u00dfer 100 Yen &#8211; Shop aus. Naja, Zeit habe ich ja noch. Ich kaufe ein paar Kleinigkeiten. Im Obergeschoss umkreist mich ein alter Mann bis er mich endlich anspricht. Graue lange Haarstr\u00e4hnen h\u00e4ngen im wirr im Gesicht. Die Haut hat eine tabakbraune Farbe und als er den Mund verzieht, gibt das die Leere eines fehlerhaften Gebisses preis. Er bettelt mich an. Das war auch ohne Japanischkenntnisse klar. Ich greife in meine Hose und hole eine handvoll M\u00fcnzen heraus. Ich geben ihm 100 Yen. &#8222;Aber da ist noch ein 100er!&#8220; &#8222;Ja, ich wei\u00df!&#8220; (freie \u00dcbersetzung eines englisch\/deutsch\/japanisch Kauderwelsch) Er zieht ab in einer schmutzigen Jogginghose und versucht sein Gl\u00fcck downstairs bei einer Amerikanerin, von der Kekse erbittet. Ich fahre weiter. Allerdings komme ich schon wieder nicht weit. Auf der anderen Stra\u00dfenseite h\u00e4ngen vor einem Altwarengesch\u00e4ft Kimonos. Ich brauche keine. Nachdem ich gezahlt habe, beschlie\u00dfe ich keinen Stopp mehr zu machen, weil es wieder k\u00e4lter geworden ist.<\/p>\n<p>In Nakano wird &#8218; s McDonalds, weil dort der Tee billig ist und ein Platz frei. Kaum hatte ich mich zu einer jungen Dame an den Tisch dazu gezw\u00e4ngt, wird ein besserer Platz f\u00fcr mich frei und ich kann mit Katakanaschreib\u00fcbungen beginnen. Ein Gesch\u00e4ftsmann kommt und packt umst\u00e4ndlich seinen Laptop aus, den er dann zwei Tische weiter ansteckt. Ich schreibe weiter. Nach einiger Zeit begehrt ein lautes Klippen meine Aufmerksamkeit. Als ich aufsehe, klippt der Gesch\u00e4ftsmann gerade mit einem gro\u00dfen Nagelzwicker seine N\u00e4gel, die er dann dem Mistk\u00fcbel \u00fcbergibt. Niemand reagiert oder reagiert f\u00fcr mich wahrnehmbar, also tue ich es auch nicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/xn--zwlf-6qa.at\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc01822-e1330259864235.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-905\" title=\"DSC01822\" src=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/02\/dsc01822-e1330259864235.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc01822-e1330259864235.jpg 480w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/02\/dsc01822-e1330259864235-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Trainingsraum von Yuri ist immer stark \u00fcberheizt. Aber dieses Mal bin ich vorbereitet. Deo erneuert und\u00a0 wie eine Zwiebel gekleidet. Aber wie der Teufel in einem M\u00e4rchen, in dem er einen Handel mit einem Bauern eingeht und immer den K\u00fcrzeren zieht: Dieses Mal friere ich und wir machen Ballett. Wenigsten meine neusten Japanischkenntnisse erw\u00e4rmen mein Herz. &#8230;mai, yoko ,ushiro<\/p>\n<p>Yuri macht wie immer ein anstrengendest Warm-up. Dann ist Pause und danach \u00fcbernimmt er.\u00a0 V\u00f6llig irre Aufgabenstellung. Wir beginnen zu erbrechen. Leicht riskante Anforderung. Wir sind L\u00f6w_innen aus Puder. Wir rasen durch die Nacht, durch Tokyo. Mit einem Schritt sind wir meilenweit. So schnell, dass wir manchmal selbst nicht wissen wo wir sind. Mit einem Schritt k\u00f6nnen wir von Nakano nach Shinjuku kommen. Die L\u00f6win schnuppert dem Duft von R\u00e4ucherst\u00e4bchen nach, bl\u00e4ttert den Kalender an der Wand um. Dann ist die L\u00f6win im finsteren Wald und \u00fcber ihr nur die Sterne&#8230; Die n\u00e4chste Aufgabe verlangt, dass wir Dampf sind. Dampf, der wie ein Bart zuerst links und dann rechts aus meinem Mundwinkel flie\u00dft. Dann schie\u00dft der Dampf in der Mitte hoch, wie beim \u00d6ffnen eines hei\u00dfen Topfs&#8230;. Wir bestehen nur aus Haaren. Ich denke an die Fernsehserie &#8222;Es war einmal der Mensch&#8220; Haare, die im Wasser treiben. Wir tun als Dampf allt\u00e4gliche Dinge, die wir aber sofort wieder vergessen. Dann springt unser Kopf auf und unser Gehirn quillt heraus und flie\u00dft den K\u00f6rper entlang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gl\u00fcck ist f\u00fcr mich wie das Salz in der Suppe: Ich bemerke es erst wenn es fehlt oder wenn ich mir den Text f\u00fcr einen Blogeintrag formuliere. 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