{"id":543,"date":"2012-02-06T12:15:57","date_gmt":"2012-02-06T12:15:57","guid":{"rendered":"http:\/\/insho.wordpress.com\/?p=543"},"modified":"2012-02-06T12:15:57","modified_gmt":"2012-02-06T12:15:57","slug":"butoh-ist-tot-es-lebe-kazuo-ohno","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/2012\/02\/06\/butoh-ist-tot-es-lebe-kazuo-ohno\/","title":{"rendered":"Butoh ist tot &#8211; Es lebe Kazuo Ohno"},"content":{"rendered":"<p>Pr\u00e4ambel: Datscha im Burgenland hin oder her, es zieht mich nun einmal nicht sehr oft in die Natur. Wenn dann doch liege ich meistens in der H\u00e4ngematte und d\u00f6se dahin. Manchmal, aber wirklich nur manchmal bin ich motiviert genug, um mich ins Gel\u00e4nde zu begeben. Dort kommt es dann vor, dass mir in der Ferne ein Punkt attraktiv genug erscheint, ihn anzustreben. Aber wie das Leben so spielt, kommt die Ferne n\u00e4her, erscheint der Ort der Faszination garnicht mehr so interessant&#8230;.<\/p>\n<p>Mittwoch fahre ich wieder zwei Stunden nach Kami-hoshigawa. Nicht zuletzt um Bonuspunkte f\u00fcr den Kaffee im Minimarkt zu sammeln. Als ich das Studio betrete, steht Yoshito alleine bei der Technik. Er tr\u00e4gt eine \u00fcbergro\u00dfe schwarze Wollhaube und hantiert ziellos mit einer CD herum. Es riecht s\u00e4uerlich nach Alkohol. Er bedeutet mir, dass wir noch warten. &#8222;Where do you come from?&#8220; Oh Sensei! immer noch aus Wien! Umst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt er mir, dass er sich nicht gut f\u00fchlt und dann schweigen wir wieder. Ich ahne,was jetzt kommt. &#8222;Mita? Video?&#8220; Weil au\u00dfer mir niemand zum heutigen Workshop gekommen ist, wird wieder einmal ein Video serviert. In der Ecke steht eine Flasche Rotwein mit dem hinein gedrehten Korkenzieher&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/2011-04-20japocc81n-kaganawa-yokohama-18kazuoohnodancestudio-yoshitoohno-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-573\" title=\"2011-04-20+Japo%CC%81n+-+Kaganawa+-+Yokohama+-+18+Kazuo+Ohno+Dance+Studio+-+Yoshito+Ohno+-+2\" src=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/2011-04-20japocc81n-kaganawa-yokohama-18kazuoohnodancestudio-yoshitoohno-2.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/2011-04-20japocc81n-kaganawa-yokohama-18kazuoohnodancestudio-yoshitoohno-2.jpg 400w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/2011-04-20japocc81n-kaganawa-yokohama-18kazuoohnodancestudio-yoshitoohno-2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>(2011 von einem mexikanischen Tanzsch\u00fcler)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er eine DVD sucht und wir gemeinsam den Fernseher in Gang setzen, kommt noch ein russisches M\u00e4dchen, aber es bleibt dabei: Wir sehen ein Video. Die erste DVD funktioniert nicht so richtig! &#8222;Chotto sound!&#8220; Zu sehen ist ein Interview mit Kazuo Ohne in seinem Studio neben ihm sitzt Yoshito, die Kiefer fest aufeinander gepresst. Es war wohl nicht immer einfach, Sohn zu sein. Ein anderes Video muss her, eines das funktioniert; Eine Auff\u00fchrung aus G\u00f6ttingen von 1998.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/kazuo_ohno_and_son.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-574\" title=\"Kazuo_Ohno_and_son\" src=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/kazuo_ohno_and_son.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/kazuo_ohno_and_son.jpg 212w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/kazuo_ohno_and_son-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Einmal sagte jemand zu mir, dem ich von Butoh erz\u00e4hlt hatte und der wenig sp\u00e4ter eine Dokumentation dar\u00fcber im Fernsehen gesehen hatte, Butoh, das sind alte M\u00e4nner, die sich wei\u00df schminken und Frauenkleider tragen. Ja, in diesem Fall trifft es diese Definition durchaus. Kazuo und Yoshito wirkten auf der B\u00fchne wie Frankstein und seine Braut. Kazuo h\u00fcpfte herum und hielt die Spannung dadurch aufrecht, dass man den Verlauf seiner Bewegungen nicht im geringsten erahnen konnte. Dazwischen hob Yoshito mit pathetischer Geste die Arme gegen den Himmel und legte den Kopf schief bis zur Verbeugung. Naja, also&#8230;<\/p>\n<p>Das wirklich spannende, die wirkliche Performance an diesem Abend war allerdings nicht die DVD, sondern das, was ich als Reflexion im Fernseher sehen konnte: An manchen Punkte der Aufzeichnung hob Yoshito hinter uns die Arme und erinnerte an Caligari, tanzte ein wenig und ging dann wieder vor der Technik auf und ab, versucht sich zu setzen, stand wieder. Irgendwann nahm er die Rotweinflasche und verschwand damit in der Damengaderobe vor dem WC. M\u00f6glichst unauff\u00e4llig trug er dann die offene Flasche zur\u00fcck zur Technik und trank bis zum Ende des Videos verstohlen die H\u00e4lfte des Weines. Na fein, jetzt gibt es nicht einmal mehr einen kalten Rotwein&#8230;<\/p>\n<p>Dann kommt Kenji Yamaguchi (der finster blickende stumme Herr von den letzten Malen), eine ehemalige Pflegerin von Kazuo Ohno und schlie\u00dflich auch noch Yoshitos Manager, aber wir sehen weiter Videos. Nach dem Video wird dann doch endlich Tee und Wein ausgeschenkt und gebratene Tofutaschen und Kekse serviert. Yoshito wird immer betrunkener und h\u00e4lt Reden, die Kenji dankenswerterweise irgendwie ins Englische \u00fcbersetzt. Wir sind gekommen, weil er, Yoshito, Hiroshima\/Nagasaki in sich tr\u00e4gt. Das russische M\u00e4dchen ist verz\u00fcckt. &#8222;what a great honour to be with such a great dancer!&#8220; Inzwischen brennt der Manager ein Elektrokabel durch und Schluss ist es mit der Zusatzheizung, die das Studio etwas ertr\u00e4glich gemacht hatte&#8230; Kenji fragt mich nach Michael Weiss. Er hat 2000 eine Dissertation \u00fcber Butoh ver\u00f6ffentlicht und das erste Mal l\u00e4chelt Kenji. &#8222;He is a close friend!&#8220;<\/p>\n<p>Yoshito monologisiert wieder. Er hatte chinesische Antiquit\u00e4ten an Chines_innen verkauft und wegen Fukushima kommen die nicht mehr. Er schuldet der Bank Geld, weil er irgendetwas gekauft hat und die Raten nicht zahlen kann. Macht es \u00fcberhaupt f\u00fcr die Leute dort Sinn, in Vankouver aufzutreten? Dann \u00fcbersetzt Kenji nicht mehr. &#8222;Do you understand, what he is saying?&#8220; &#8222;No, Wakarimasen.&#8220; &#8222;That\u00b4s better so!&#8220;<\/p>\n<p>Yoshito erz\u00e4hlt er war im Krankenhaus. Er f\u00fchlt sich nicht gut. &#8222;Should we leave?&#8220; &#8222;No,no&#8220;. Aber Kenji geht und wir brauchen noch eine Weile, eine Runde Gruppenfotos und 2000 Yen \u00a0um aus diesem Trauerspiel abgehen zu k\u00f6nnen. Das russische M\u00e4dchen ist immer noch entz\u00fcckt. Ich erz\u00e4hle ihr von Yuri und wir tauschen Emailadressen aus. &#8222;Oyasuminasai.!&#8220;<\/p>\n<p>Nun habe ich also diesen \u00e4u\u00dferst fanszinierenden Punkt &#8222;Butoh&#8220; in der Ferne angestrebt und stehe schlussendlich auf einem Parkplatz an einer Autobahn im Nirgendwo&#8230;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag treffe ich mich zuerst mit Yumiko und sie redet eine Stunde \u00fcber Butoh und sagt auch sehr Interessantes \u00fcber Butoh als Therapie. Dann gehen wir beide zu Yuris Workshop in diese \u00fcberheizte Volkshochschule und ich beginne mich dar\u00fcber zu \u00e4rgern. In der Pause laufen wir auf die Stra\u00dfe zu einem Getr\u00e4nkeautomaten, denn das Wasser sollte man nicht trinken. Danach tanzen wir Pflanzen und ich stehe dort und finde zwar die Idee grandios, aber mich fehl am Platz&#8230;.Und morgen bin ich krank!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/butohpflanzen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-578\" title=\"butohpflanzen\" src=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/butohpflanzen.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/butohpflanzen.jpg 1381w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/butohpflanzen-300x153.jpg 300w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/butohpflanzen-1024x523.jpg 1024w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/butohpflanzen-768x392.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00e4ambel: Datscha im Burgenland hin oder her, es zieht mich nun einmal nicht sehr oft in die Natur. 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