{"id":296,"date":"2012-01-14T17:10:29","date_gmt":"2012-01-14T17:10:29","guid":{"rendered":"http:\/\/insho.wordpress.com\/?p=296"},"modified":"2012-01-14T17:10:29","modified_gmt":"2012-01-14T17:10:29","slug":"zen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/2012\/01\/14\/zen\/","title":{"rendered":"Zen"},"content":{"rendered":"<p>Samstag fuhr ich wieder nach Yokohama zu Yoshito Ohno. Eigentlich hatte ich keine rechte Lust dazu. Vor meinem geistigen Augen erschien immer wieder eine Zenweisheit, die in Wien \u00fcber meinem Arbeitsplatz h\u00e4ngt und die besagt: &#8220; Folge nicht den Spuren der Meister. Suche was sie gesucht haben.&#8220; Erst das Lesen in meinem Roman hob meine Stimmung; die Figuren waren mir sympathisch.<\/p>\n<p>Eigentlich liegt das Tanzstudio nicht direkt in Yokohama, sondern zwei Stationen weiter in Kami-hoshigawa, einem kleinen Nest entlang einer stark befahrenen Durchzugsstra\u00dfe. Dieses Mal hat mir der 50\/50 Joker genutzt und ich habe NICHT den Alarm auf der Bahnstation ausgel\u00f6st, wie beim letzten Mal, wo ich den Knopf f\u00fcr die Sp\u00fclung mit dem Alarmknopf verwechselt habe.<\/p>\n<p>Ich war bewusst zu fr\u00fch gekommen, um mich ein wenig umzusehen. Doch es gibt dort nicht viel. Eine Einkaufsstra\u00dfe mit drei Superm\u00e4rkten neben dem Bahnhof und ein paar kleinere Gesch\u00e4fte, die gerade schlossen. Es ist sieben Uhr abends. Ein Gesch\u00e4ft mit Arbeitskleidung an der Hauptstra\u00dfe. Ich w\u00fcrde gerne eine Arbeitshose kaufen, aber der Verk\u00e4ufer mustert mich skeptisch und r\u00e4umt auch gerade sein Gesch\u00e4ft ein und ich habe auch sicher nicht genug Bargeld mit; Das n\u00e4chste Mal. Nachdem ich eine kleine Kommunikationsst\u00f6rung mit dem Verk\u00e4ufer im Minimarkt um den Kaffee f\u00fcr mich gekl\u00e4rt hatte, fiel mir eine Geschichte aus meiner Kindheit ein: Ich wohnte mit meinen Eltern in einem Block, der parallel zum Gel\u00e4nde eines Frachtenbahnhofs liegt. Zwischen den Wohnh\u00e4usern und dem Bahnhof liegt eine wenig befahrene Stra\u00dfe, wo die Kinder der Gegend spielen durften; jeweils unter den Fenstern der elterlichen Wohnung. Den Block durfte ich nicht verlassen, nur umrunden. Auf der anderen Seite gab es eine Konditorei, die S\u00fc\u00dfigkeiten st\u00fcckweise verkaufte; Mannerzuckerl (mag ich immer noch nicht), Colaflascherl-s\u00fc\u00df und sauer, Erdbeerschn\u00fcre, Spr\u00fcche und Kokosstangerl. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was die gekostet haben, aber sie waren wohl eher ein Ausnahmeerwerb. So beschloss ich eines Tages, zu sparen, um\u00a0mir eine ganze Packung kaufen zu k\u00f6nnen. Aber nicht in der Konditorei, sondern im Konsum und sie alle auf einmal aufzuessen. Gesagt, getan.\u00a0 Die Supermarkt-kokosstangerln waren ganz anders als die in der Konditorei. Zwar waren sie auch unnat\u00fcrlich rosa, wei\u00df und braun, aber vor Allem sie waren weich! &#8211; sehr irritierend. Gut, gekauft und alle sofort gegessen und dann&#8230;.kratzte der Zucker im Hals.<\/p>\n<p>Ist diesmal der Besuch bei Yoshito Ohno mein japanisches Kratzen im<br \/>\nHals ? oder haben wir nur einen schlechten Start ? Ist nach dem Tod von Kazuo Ohno die Luft drau\u00dfen ?<\/p>\n<p>Ich steige den H\u00fcgel hinauf zum Studio. Alles ist dunkel. Eine \u00e4ltere Frau eilt aus dem Wohnhaus nebenan herbei; sumimasen! sumimasen! Der Sensei w\u00fcrde gleich kommen. Wir suchen gemeinsam den Lichtschalter und sie bem\u00fcht sich um die Heizung. Es ist kalt. Wir warten und unterhalten uns.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/kazuoohnodancestudio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-298\" title=\"KazuoOHnodancestudio\" src=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/kazuoohnodancestudio.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/kazuoohnodancestudio.jpg 865w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/kazuoohnodancestudio-300x222.jpg 300w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/kazuoohnodancestudio-768x568.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und der Sensei kam schlie\u00dflich. Eine halbe Stunde zu sp\u00e4t. Sumimasen, er hatte Probe. Akemashite omedetou gozaimasu. Das dachte ich mir. Wir improvisieren wieder zu &#8222;Amazing grace&#8220;. Drei Amerikaner_innen, die mir schon im Ort aufgefallen waren, kommen zu sp\u00e4t und damit ist die Stunde zu Ende. &#8222;Zum Sensei kommt man nicht zu sp\u00e4t!&#8220; und strafe sie mit Missachtung bis zum Bahnhof. Sie werden es \u00fcberleben&#8230;.Ich sehe wieder die Dokumentation \u00fcber Pina Bausch, Jugendliche tanzen Kontakthof und friere ganz f\u00fcrchterlich trotz Tee und Keksen. Yoshito verteilt Bilder von Kazuo Ohno, die er nicht mehr braucht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/kazuo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-301\" title=\"Kazuo\" src=\"http:\/\/insho.files.wordpress.com\/2012\/01\/kazuo.jpg\" alt=\"\" width=\"358\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/kazuo.jpg 358w, https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2012\/01\/kazuo-300x237.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 358px) 100vw, 358px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Diese Stunde bezahle ich nicht&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag fuhr ich wieder nach Yokohama zu Yoshito Ohno. Eigentlich hatte ich keine rechte Lust dazu. 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