{"id":2791,"date":"2019-12-30T14:27:09","date_gmt":"2019-12-30T14:27:09","guid":{"rendered":"https:\/\/insho.wordpress.com\/?p=2791"},"modified":"2019-12-30T14:27:09","modified_gmt":"2019-12-30T14:27:09","slug":"nara-desensibilisierungstraining","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/2019\/12\/30\/nara-desensibilisierungstraining\/","title":{"rendered":"Nara: Desensibilisierungstraining"},"content":{"rendered":"<p>Woran erkennt man einen touristischen Hotspot? Am WC riecht es streng und es gibt keine Seife zum H\u00e4nde waschen und keine Handt\u00fccher zum Abtrocknen. Aber ehrlich: War das in Nara Gegebene so \u00fcberraschend? Ein kleiner Ort, geografisch g\u00fcnstig gelegen, eine Hand voll Tempel in Gehn\u00e4he und jede Menge handzahmer Wildtiere in passendem Format; auch kreativ Minderbegabte k\u00f6nnen sich diese Situation imaginieren. Doch nun alles sch\u00f6n der Reihe nach: Wir verschlafen, eigentlich ich verschlafe, denn ich habe die Weckerinnenhoheit. Warum auch immer, es hat nicht gel\u00e4utet oder so. Wir starten also ca. mit einer Stunde Versp\u00e4tung Richtung JR Awaji Station ohne genau zu wissen, wo die Station ist. Mit Fragen und einem Rapid Train erreichen wir Nara schlussendlich mit einer zeitlichen Abweichung von ca. 30min. Das ist OK. Unsere Tour in Nara beginnt im Tourists Info Center, das vorbei an Vertreterinnen der Zeugen Jehovas neben dem Bahnhof liegt. Ein Mehr an Infos kann sicher nicht schaden.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2795\" src=\"https:\/\/insho.files.wordpress.com\/2019\/12\/img_0267.jpg\" alt=\"IMG_0267.JPG\" width=\"6000\" height=\"4000\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-2794 alignleft\" src=\"https:\/\/insho.files.wordpress.com\/2019\/12\/img_0265-e1577712364460.jpg?w=396\" alt=\"img_0265.jpg\" width=\"198\" height=\"264\" \/><\/p>\n<p>Unsere Tour startet ausgestattet mit einem weiteren Vorschlag einer Route in leichtem Regen. Auf der Sanjo-Dori erkennen wir das Rinnsal, durch das sich die Masse der Tourist*innen rauf wie runter w\u00e4lzt, bei sch\u00f6nerem Wetter mehr als jetzt. Wir versuchen auf eine parallele Stra\u00dfe auszuweichen. Nichtzuletzt, weil eine der Reisef\u00fchrerinnen dieses Gr\u00e4tzel hervorhebt. Es dauert nicht lange und wir haben eher unerwartet den ersten Tierkontakt. Wir stehen Mitten im Areal des Kofukuji Tempels mit vielen anderen Tourist*innen und einigen Hirschen. Ich m\u00f6chte keine Grundsatzdiskussion \u00fcber das Ichbewusstsein von Tieren starten, aber die hier haben sich, scheint\u00b4s, resigniert in ihr Schicksal ergeben und erwarten vom Leben nicht mehr als ein paar Cracker. Einzelne wirken verst\u00f6rt, haben kahle Stellen am Kopf, eine lahmt. Insgesamt ein trauriges Bild. Ich mache ein paar Fotos. Keinen der Tempel m\u00f6chte ich dort betreten. Sie sind schon lange kein Ort der Spiritualit\u00e4t oder Besinnung. Auch die Idee, die Perversionen zwischen Besucher*innen und den Tieren zu dokumentieren, verfl\u00fcchtigt sich bald. Bis auf das Fotos des P\u00e4rchens, das wirr gestikulierend vor den Tieren auf und ab h\u00fcpft, um selbige dann mit nicht tiergerechtem Futter zu belohnen. Interpunktion (Ursache und Wirkung): Paul Watzlawick k\u00f6nnte an diesem Schauspiel, das sich hier, wohl in einer Schleife st\u00e4ndig zu wiederholen scheint, seine Freude haben. Nur weg von hier. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2807\" src=\"https:\/\/insho.files.wordpress.com\/2019\/12\/img_0280-e1577714338911.jpg\" alt=\"img_0280.jpg\" width=\"4402\" height=\"2711\" \/><\/p>\n<p>Wir disponieren um. Zur\u00fcck \u00fcber den ausgetretenen Kilometer kaufen wir laumwarme Yomogi, die weg gehen wie die sprichw\u00f6rtlichen warmen Semmeln und es eines Security-Herren bedarfs, um die Menschen zu lenken.<\/p>\n\n<p>(&#8222;gr\u00fcne&#8220; Mochi mit Azukibohnenf\u00fcllung gew\u00e4lzt in ger\u00f6stetem Sojabohnenmehl.)<\/p>\n<p>Wir essen etwas abseits des Bahnhofs in einem Matsuia, unserem derzeitigen Dinner-Favorite. Danach wollen wir statt weiterer Tempelbesichtigungen zum ehemaligen Wohnhaus von Shiga Naoya. <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.ndl.go.jp\/portrait\/JPEG_L\/555-4\/s0147l.jpg\" alt=\"Portrait of Shiga, Naoya(Photo no.1) - Larger image\" \/>&#8222;Novelist. Born in Miyagi. He grew up with his grandparents in Tokyo. A graduate of Gakushuin Senior High School, He left Imperial University of Tokyo before graduation. In 1910, he launched the magazine &#8222;<em>Shirakaba<\/em>&#8220; with <a class=\"nameLink\" href=\"https:\/\/www.ndl.go.jp\/portrait\/e\/datas\/340.html\">Saneatsu Mushanokoji<\/a>, <a class=\"nameLink\" href=\"https:\/\/www.ndl.go.jp\/portrait\/e\/datas\/228.html\">Takeo Arishima<\/a>, and other staff. He published &#8222;<em>Abashiri made<\/em>&#8220; (To Aabashiri). After taking some breaks in his writing activities and living in several places including Onomichi, Matsue, and Kyoto, Shiga published &#8222;<em>Kinosaki nite<\/em>&#8220; (At Kinosaki) (1917), &#8222;<em>Wakai<\/em>&#8220; (Reconciliation) (1917), &#8222;<em>An&#8217;ya koro<\/em>&#8220; (A Dark Night&#8217;s Passing) (1921-1937), and several other works. He was called &#8222;<em>bungaku no kamisama<\/em>&#8220; or patron saint of literature and had a great influence on many storywriters. In 1949, he was awarded the Order of Culture.&#8220; Quelle: https:\/\/www.ndl.go.jp\/portrait\/e\/datas\/273.html<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"JG 4K \u5948\u826f \u5fd7\u8cc0\u76f4\u54c9\u90b8\u65e7\u5c45\u3000Former Shiga Naoya Residence,Nara\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/t3Z_wkDcLNE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Am Ende des Tages entdecke ich einen Markt bei Awaji Station und darin einen g\u00fcnstigen Supermarkt mit angeschlossenem 100Yen-Shop. Der Fruchtsaft und das Bier ist zwar teurer als anderswo, aber auch hier gibt es &#8222;gebrauchte Lebensmittel&#8220; (Mit gebrauchten Lebensmittel benenne ich jene, die aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden &#8211; zumeist wegen des nahenden Ablaufdatums &#8211; verbilligt sind. Das ist mir neu in Japan.)<\/p>\n<p>In der Jazz-Bar in unserem Block wird gerade Livemusik gespielt, als ich in die Stra\u00dfe einbiege. Durch die Fenster sieht meine ein Trio, die spielen. Es sieht und h\u00f6rt sich nett an. Ein netter Abschluss des Tages.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woran erkennt man einen touristischen Hotspot? Am WC riecht es streng und es gibt keine Seife zum H\u00e4nde waschen und keine Handt\u00fccher zum Abtrocknen. Aber ehrlich: War das in Nara Gegebene so \u00fcberraschend? 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