{"id":1465,"date":"2016-08-10T16:51:19","date_gmt":"2016-08-10T16:51:19","guid":{"rendered":"https:\/\/insho.wordpress.com\/?p=1465"},"modified":"2016-08-10T16:51:19","modified_gmt":"2016-08-10T16:51:19","slug":"meeting-futatsu-ns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/2016\/08\/10\/meeting-futatsu-ns\/","title":{"rendered":"Meeting futatsu Ns"},"content":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df nicht mehr, wie viele Jahre ich N. einmal in der Woche getroffen habe, bevor ich sie im Fr\u00fchsommer 2012 nach einem Abschied bei \u201eHei\u00dfer Liebe\u201c vor dem Eissalon weinend zur\u00fcckgelassen habe. Inzwischen hat sie zwei Kinder und wohnt in der N\u00e4he von Shinjuku. Ich war mir sogar unsicher, ob ich sie wieder erkennen w\u00fcrde. Wir sind auf einer Stationsplattform der Yamanoteline verabredet. Ich bin zu fr\u00fch und m\u00f6chte unbedingt noch die Phrase recherchieren, die ich als h\u00f6fliche G\u00e4stin sagen k\u00f6nnen sollte, wenn ich eine fremde Wohnung betrete. Aber das Internet ist f\u00fcr mich hier lausig. Im Caf\u00e9 in Shinjuku habe ich schon den Mann neben mir gefragt, aber er sprach kein Englisch. Ich gehe den Perron auf und ab und suche mir ein Opfer. Eine junge Frau passt. \u201eSumimasen. Do you speak English?\u201c Sie l\u00e4chelt verlegen. \u201eSukoshi?!\u201c (= ein wenig) setzte ich nach. Sie neigt den Kopf und antwortet:\u201c No, but do you speak Spanish?\u201c Dann versucht sie \u00fcber Telefon jemanden f\u00fcr mich zu organisieren. Zum Gl\u00fcck f\u00e4hrt bald darauf ihr Zug ein, denn mir ist das hochnotpeinlich. Ich lasse die Recherche sein und warte weiter; oben. N. wartet unten.<\/p>\n<p>Sie hat das Baby mit. Es ist krank und schl\u00e4ft tief. Auf dem Weg zu ihrer Wohnung kaufen wir noch Nudeln \u201eChinesestyle\u201c und andere Zutaten f\u00fcr unser Mittagessen und tauschen erste Informationen aus, sp\u00e4ter dann auch Geschenke. Kurz hatte ich das Gef\u00fchl, dass wir uns nicht wirklich viel zu erz\u00e4hlen haben, aber das verflog bald. In Wien waren wir einander doch sehr ans Herz gewachsen.<\/p>\n<p>Skurriles am Rande: Japanische Babys haben einen blauen Po. Ein wenig so, als h\u00e4tte man sie in Stempelfarbe gesetzt. N. erz\u00e4hlt mir, dass eine Freundin von ihr in Wien ihr Baby in den Kindergarten gebracht habe und das Personal dort ob des blauen Hinterteils die Polizei verst\u00e4ndigt h\u00e4tte. Apropos Freundin: Meine neue Japanischlehrerin ist eine Freundin von N. Die Welt ist ein Dorf; auch in einer Stadt wie Tokyo.<\/p>\n<p>Das Baby hat wieder Fieber. N. m\u00f6chte ein Foto mit mir und dem Kind. Es weint. Naja.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck zur Station gehen wir noch in einen Hyakuenshop und ich werde auch f\u00fcndig. \u201eEs war sch\u00f6n, dich hier in Japan zu sehen!\u201c J<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Stopp in der Unterkunft, um zu duschen und meine Emails abzurufen, mache ich mich etwas zu sp\u00e4t auf nach Yotsuya sanchome. Dort gibt Natsu Nakajima eine open class. Auch wenn ich den Ort schon kenne, h\u00e4tte ich doch gerne eine konkrete Adresse. Stattdessen steht im Email: \u201eTake the museum exit (Ausg\u00e4nge sind hier zumeist nummeriert), then Shinjukudirection, you see wing hotel, at the small chinese restaurant turn right, the building WAS an elementary school.\u201c Aber ich habe Gl\u00fcck und ein gutes Ged\u00e4chtnis. Trotz leichter Versp\u00e4tung muss ich einfach noch an der Kreuzung zwei Radfahrer fotografieren. (Siehe Jidensha-Parade)<\/p>\n<p>Ich bin ca. 10 nach 19 Uhr vor Ort und bei weitem nicht die Letzte. Dass mich Natsu nicht gleich wieder erkennt, ist ihr offensichtlich peinlich und sie unterh\u00e4lt sich erstaunlich freundlich und lange mit mir. Die, die mich dieses Mal qu\u00e4lt ist \u201ea professional\u201c und kommt aus Kyoto. Nach Nachfragen erz\u00e4hlt sie mir, dass eine gro\u00dfe Firma zweimonatige Intensivausbildung angeboten hat, wenn man dort arbeiten m\u00f6chte und sie bietet \u201erelaxation\u201c an.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Massage und dem Aufw\u00e4rmen muss ich die ganze Zeit an das denken, was V. \u00fcber Natsus Unterricht gesagt hat. Dass sie mehr will, als mit ihrer Methode erreicht.<\/p>\n<p>Nach und nach werden wir mehr. Sieben an der Zahl. Eine davon, eine junge Frau steht etwas abseits. Einzelne \u00dcbungen macht sie mit. Ihre Augen, ihr Mund und ihre Nase sind schmal und das Gesicht gelblichwei\u00df. Sie muss sich, wie viele Frauen hier, viel M\u00fche geben, nicht braun zu werden. Sie spricht nicht (mit den anderen). Sie l\u00e4chelt nicht und wirkt ein wenig gelangweilt oder auch widerst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Nach der unangenehmen bis schmerzhaften Massage folgt das Stretching. Natsu scheint darum bem\u00fcht, ihre f\u00fcr ihr Alter erstaunlich gute Beweglichkeit, zur Schau zu stellen, auch wenn sie bei jeder Bewegung st\u00f6hnt. Dann wird mir erkl\u00e4rt, dass Butoh is no theatreaction. It has to be seen as danceaction. Sp\u00e4ter dann in einer ihrer Demonstrationen spielt sich aber doch. Was nun sensei? Die Stimmung ist seltsam. W\u00e4hrend sie scheint\u00b4s die blasse Frau herausgestellt, um sie etwas demonstrieren zu lassen, behandelt sie eine andere sehr roh, ja, schl\u00e4gt sie sogar. Das gef\u00e4llt mir nicht. Au\u00dferdem wei\u00df ich nicht was sie will. Ich brauche nicht viele Worte, um Tanz zu verstehen, aber gar keine sind dann doch zu wenig. Doch zur\u00fcck zur ersten Tanz\u00fcbung: Natsu erz\u00e4hlt mir, dass 100% geben nicht genug ist oder so. Ihr Englisch ist leider nicht sehr gut. Dann bittet sie die erste H\u00e4lfte der Gruppe auf die B\u00fchne, um zu Noiseart-Musik zu improvisieren. Die Frauen schlagen auf den Boden, stampfen und werfen sich durch den Raum. Ich \u00fcberlege ernsthaft, darum zu bitten, nur zuschaun zu d\u00fcrfen. Was soll das? Aber das sind die Momente, in denen alt werden Spa\u00df macht. Irgendwas wird schon gehen. Und ich tanze halt irgendwas. Dann kommen die n\u00e4chsten Erkl\u00e4rungen bzw. Diskussionen. Am Vortag war eine sehr gute Auff\u00fchrung gewesen und Natsu ist der Meinung, dass T\u00e4nzerInnen so was studieren m\u00fcssen. Dann die n\u00e4chste \u00dcbung. Ab nun wird mir nichts mehr erkl\u00e4rt. Wieder wird die gleiche T\u00e4nzerin angegangen. Wieder darf die blasse Sch\u00f6nheit etwas erkl\u00e4ren. Wir gehen in Serpentinen durch den Raum. Change action. twistet movement. Ich wei\u00df nicht was sie will und sie beachtet mich nicht. Die Gruppe wird wieder geteilt und improvisiert. Ich w\u00fcnsche mir, dass die Stunde endlich vorbei ist. Dieses Mal bekommt die Blasse ein Feedback von einer Mitt\u00e4nzerin und nimmt es sehr kontrolliert voller Stolz. Meine Gruppe ist an der Reihe. Zum Abschluss bekommen wieder alle ein Feedback. Alle, au\u00dfer mir. Sensei, du kannst mich gern haben! \u201eIt\u00b4s over now!\u201c H\u00f6flich bedanke ich mich und zahle. Als ich gehen will und mich verabschiede, gibt sie mir Flyer f\u00fcr ihren n\u00e4chsten Workshop, um sie zu verteilen. Na, sicher! Mach\u00b4 ich doch gerne!<\/p>\n<p>Ich verlasse etwas anges\u00e4uerlt die ehemalige Schule und erinnere mich an einen Laden bei der Station, wo ich mir im Winter immer etwas zu trinken gekauft habe. Ja, den gibt\u00b4s noch; inklusive 100 Yen Abteilung. Ich brauche Soba und Sojasauce. Denn seit gestern koche ich wieder selber.<\/p>\n<p>Nach 22 Uhr komme ich in Asakusa an. Es ist Freitagabend und die arbeitende Bev\u00f6lkerung im feierabendlichem \u00d6l. Die \u00a0Izakaya (jap. \u5c45\u9152\u5c4b), japanische Kneipen, sind voller Menschen, die Bier trinken und dazu Kleinigkeiten essen. Zu dieser Tageszeit ist Asakusa wieder fest in der Hand der Einheimischen. Ich kaufe noch ein Lebensmittel und Bier im Supermarkt f\u00fcr das NACHTmahl. Es ist sp\u00e4t. Oyasumi nasai.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df nicht mehr, wie viele Jahre ich N. einmal in der Woche getroffen habe, bevor ich sie im Fr\u00fchsommer 2012 nach einem Abschied bei \u201eHei\u00dfer Liebe\u201c vor dem Eissalon weinend zur\u00fcckgelassen habe. Inzwischen hat sie zwei Kinder und wohnt &hellip; <a href=\"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/2016\/08\/10\/meeting-futatsu-ns\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-1465","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1465","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1465"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1465\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1465"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1465"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.fobis.org\/inshou\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1465"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}