Shibuya

So sich Musiksenderfans unter der werten Leserschaft befinden: Dieser Eintrag thematisiert NICHT ein gleichnamiges Fernsehformat eines deutschen Privatsenders, das – wählt man eine euphemistische Formulierung – eher leichte Medienkost darbietet, sondern ganz im Gegenteil: Das ist „Schulfernsehen“ mit einer neuen Folge kosmopolitischem Grundwissens.

Der tokyoter Stadtteil Shibuya wird in den diversen Reiseführer_innen als „hotspot“ für Shopper_innen angeführt und ob der sentimentalen Geschichte rund um einen Hund, dessen Statuen vor einem der Ausgänge umrahmt von einem kleinen Beserlpark steht.

Zur Einkaufsmöglichkeit: Unter, über und rund um so ziemlich JEDEN größeren Bahnhof hier in Tokyo locken Shoppingareas. Jede einzelne von ihnen würde die Betreiber_innen der SCS erblassen lassen. Denn ohne Floorguide oder rotem Wollfaden braucht es Stunden dort wieder heraus zu finden; trotz sehr guter ausführlicher Beschilderung. So würde ich Shibuya nicht besonders empfehlen, wenn es um den Erwerb materieller Güter geht. Jeder Bahnhof ist allerdings ein wenig anders. Hier ist es die „Foodshow“ im Basement, der allerdings besser nur mit leerem Magen beizuwohnen ist, sonst wird einem übel. Unter  Foodshow sind viele kleine Verkaufstände zusammen gefasst, die neben allerlei Fischigem auch Brot und japanische Süßigkeit lautstark anbieten oder deren Fertigung zu bewundern man Gelegenheit hat (Torten aus viel Schlag). Mich verbindet mit dem Viertel eine Filiale der Firma „book off“, in der ich – wenig überraschend – gebrauchte (Kinder)bücher und ein Kanjilexikon gekauft habe und noch einen Gutschein einlösen werde können.

Bevor ich zur Hundegeschichte komme: Schaut man genauer hin, so kann man die Kehrseite dieser kapitalistischen Pracht im wahrsten Sinne des Wortes auf der Rückseite des Bahnhofs erblicken. In einem lärmigen Tunnel, der durch Abluft angenehm warm ist, reihen sich die Kartonapparments der Obdachlosen aneinander. Hin und wieder geht man so durch ein Schlafzimmer, wo ein Mann scheinbar unbekümmert ein Buch liest oder andere im Wohnzimmer diskutieren. Manche Kartons sind akurat und andere schmuddelig. Auf meine Frage, wer die Obdachlosen in diesem Land unterstützt, sagte mir einmal jemand, dass in Japan niemand auf der Straße leben muss, der/die das nicht möchte. Ich habe jetzt schon an einigen Stellen nicht weggesehen und jedes Mal finde ich diese Meinung um eine Nuance zynischer….

Wie findet sich nun ein Übergang zur Hundegeschichte? Nun, wahrscheinlich über die Erkenntnis, dass viele Dinge zur gleichen Zeit am gleichen Ort geschehen und das individuellen Handlungsfeld flexibel bleiben sollte.

Wir umrunden den Bahnhof ein zweites Mal, weil ich zwar die Statue schon einmal gesehen habe, aber keine Ahnung habe, wie groß sie ist. Mehr zufällig stoßen wir dann endlich darauf.

Der Hund, der dieser Statue Modell stand, hieß Hachikō (1923-1935) und war ein japanischer Akita-Hund. In Japan gilt Hachikō als Inbegriff von Treue, da er zehn Jahre lang vor dem Bahnhof auf seinen verstorbenen Besitzer wartete. Berühmt wurde er nicht zuletzt dadurch, dass er einer der wenigen reinrassigen Akita-Hund in dieser Zeit war. Über seinen Tod (u.a. Herzkrebs) wurde landesweit medial berichtet. Die ganze, sehr rührige Geschichte inklusive Bildmaterial (Hachikō wurde ausgestopft und ist im Museum zu bewundern) bitte ich auf Wikipedia nachzulesen.

Heute gilt der Punkt als beliebter Treffpunkt, was ich allerdings auf Grund der vielen Menschen überall hier nicht bestätigen kann.; wie steigert man viel?

Hier eine Ansicht des Stadtteils vom Bahnhof aus.

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert