
Die Reise beginnt mit Unruhe. Also genauer gesagt, mit einer leichten Hypotonie. Denn wie vereinbart spreche ich noch drei Stunden vor der Reise bei meiner erst neulich auserkorenen Hausärztin vor, um meine Blutdruckwerte vorzulegen. „Warum haben sie hohen Blutdruck, junge Frau?“, fragt sie mich mit einem breiten Zahnspangenlächeln und setzt sich neben mich im Warteraum auf einen Sessel, nachdem sie noch rasch eine ältere Dame ins Behandlungszimmer gebeten hat.
Ich zucke mit den Schultern. „Sagen Sie´s mir!“
„Sie können sich nicht entspannen!“ ist ihre Schlussfolgerung.
Nun ja, ich weiß nicht, ob ich mir jetzt gerade die Zeit nehmen möchte, mir den Wahrheitsgehalt ihrer Diagnose zu überlegen. Also danke ich brav für´s Ärztinnenmuster gegen zu hohen Blutdruck, wünsche der Sprechstundenhilfe Frau Sommer einen schönen Sommer und eile mich, um noch zwei dieser Adressdinger zu erwerben, die man an den Koffer hängt.
Danke Online-Checkin sind wir viel zu früh am Flughafen und langweilen uns. Die Businesslounge finden wir nicht. Wir haben auch nicht gesucht. Im Abflugbereich sammeln sich die PassagierInnen. Fast nur JapanerInnen und ich bin grantig. Ich will nicht dorthin und ihr alle nervt. Naja, mein Blutdruck ist zu hoch.
Wir fliegen Businessclass und dürfen als erste einsteigen. Gleich nach dem Abflug kommt die Chefstewardess und fragt, ob alles passt. Auch den Rest des Fluges werden wir ständig übertrieben umsorgt. Es gibt Tischtücher aus Stoff. Eine unüberschaubare Auswahl an Zeitungen, Zeitschriften, Getränken und ich weiß nicht was sonst. Zum Abendessen gibt es nach einer Auswahl an japanischen Kleinigkeiten und grünem Tee, gebratenen Aal mit einer glibbrigen Haut, der allerdings geschmacklich zusagt. Kein Wunder ist er doch vom namentlich erwähnten Chefkoch an Board zubereitet worden. Selbiger setzte sich dann am nächsten Morgen zum Frühstück ein Hauberl auf, um wahlweise Pancakes oder Omelettes zu reichen. Nach dem Essen gibt es wieder eine reiche Auswahl an Süßem und Früchten und aus dem Boardkaffeehaus Kaffeespezialitäten. Ich nehme einen Kapuziner mit Cognac und Schlag. Hab ich noch nie getrunken. Also eine gute Gelegenheit.

Ich kann nicht schlafen und sehe mir drei mittelmäßige Filme an. Dabei wird mir ständig etwas zu essen und zu trinken angeboten.

Das ist kein Ausschnitt des Cockpits. Das ist lediglich die Steuerung für meinen Sitz. Bequemer als Economy ist es jedenfalls sehr.
Wir landen pünktlich gut durchgekühlt. Bereits auf der ersten Rolltreppe, die uns vom Gate wegführt, habe ich das Gefühl, eine Wärmeflasche liegt auf meinem Bauch.
Da Narita etwas entfernt von Tokyo liegt, brauchen wir dann doch drei Stunden bis zu unserem Quartier in Asakusa. Wir wohnen in einer Straße hinter den Tempeln. Übermüdet finde ich mich nicht gleich zurecht. Kann aber dieses Mal nach dem Weg fragen. Es ist heiß und alles klebt an mir.

Folge dem roten Punkt. „Sumimasen……“
In Tokyo werden Adressen anders strukturiert als in Österreich. Beim letzten Mal war mir Alles klar. Doch Mensch vergisst. So stehen wir etwas unsicher vor der richtigen Adresse. Ein schmales hohes Haus, das mir seine Hendeltreppe offeriert, dürfte es sein. Ich erklimme den ersten Stock, vorbei an mehreren vollgestopften Müllkübeln, öffne eine Tür auf der „Office“ steht. „Sumimasen“. Keine Antwort aus dem Raum, der mich zuallerst mit einer speckigen Kochnische empfängt. Also in den nächsten Stock. „Sumimasen“. Ein ähnliches Bild. Ich höre etwas im Eingangsbereich und gehe zurück hinunter. Dann zeigt uns ein junger Mann wie der Müll zu trennen ist, wo wir den Aufzug (!) finden und ja, auch unser Zimmer. Mit Stockbett, indirektem Licht, ohne Schuhe zu betreten, aber mit Klimaanlage. Okaerinasai.
Nach dem Check-in machen wir eine kleine Runde, auch um etwas zu essen und vor allem zu trinken zu kaufen. Dabei versuchen wir den Werbungen für TouristInnen zu entgehen. Von Rikschafahrern. Schon allein wegen dem Namen.
In der Nähe kommen wir an einem Supa (=Supermarkt) vorbei.
„Sumimasen. Nomimono wa doko ni desu ka.“ „2nd Floor“

Das ist alles BIER. Ein gutes Land.