Tsukiji gilt als der größte Fischmarkt der Welt und gegen 5.30 am kann man auch als Betriebsfremde den Auktionen beiwohnen. Also stelle ich den Wecker auf 2.00 Uhr und fahre gegen halb drei mit dem Fahrrad los. Die Hongo dori entlang ungefähr bis Akihabara dann sollte es weiter über Kanda nach Tokyo gehen. Ja, und von dort ist die richtige Abfahrt nach Ginza sicher kein Problem mehr.
Ich fahre gerne nachts durch eine Stadt.
Eine Gruppe Jugendliche kommt mir entgegen. Dann bin ich auch schon bei der Yamanote line und fahre am „Hinterausgang“ von Akihabara vorbei. In den Gewölben unter der Bahn reiht sich ein Lokal an das andere. Zwei Türsteher_innen versuchen die letzten Betrunkenen abzuwerben. Der männliche Teil eines eleganten Trios macht in seinem Magen Platz für Neues bevor alle zusammen lächelnd in ein Taxi steigen. Die Verkehrschilder weisen Tokyo aus. Ja, jetzt habe ich mir einen Kaffee verdient. Ich fahre an einer ganzen Reihe an Kartonbetten von Obdachlosen vorbei in eine Unterführung wo es den Kaffee meiner Wahl aus dem Automaten gibt. Wieder gehen zwei Polizisten vorbei, aber kontrolliert werde ich natürlich nicht. Denn dieses Mal habe ich die Licence mit…
Dann bin auch schon auf dem Weg nach Ginza. Es ist noch dunkel und ich bin viel zu früh. So bleibt Zeit den Eingang zu suchen zwischen all den kleinen Marktbuden. Die ersten bieten schon dampfende Suppe an und ein Mann steht vor einem Berg geschnittener Zwiebeln eifrig weiterschneidend. Würde ich tauschen wollen?
Ich bin zwar die erste vor Ort, also beim Verwaltungsgebäude, aber nicht in der Reihe. Nach und nach entsteigen den Taxis vor allem amerikanische Tourist_innen und ich lernen das Fremdschämen. Sie sind laut. Ich hoffe sehr, dass mich jemand ansprechen möge um dann „Wakarimasen!“ (Verstehe nicht) auf Japanisch antworten zu können… Knapp nach 5.00am werden wir in einen Raum geführt, erhalten eine Schutzweste und schriftliche wie visuelle Anweisungen, wie wir uns verhalten müssen. Der Markt ist ein
Arbeitsplatz und nichts für Tourist_innen!
Dann werden wir in eine kalte Halle geführt. Ein skurilles Bild. Während in einem schmalen Korridor rotäugige Menschen nach und nach die nun wohl einzige Möglichkeit fürs Fotographieren wahrnehmen, tun die Fischhändler, die kaum eine Armlänge entfernt hinter der Absperrung stehen, so, als wären wir alle nicht da und prüfen das Fischfleisch.
Dann beginnen die Auktionen. Auktionäre steigen auf niedrige Holzhocker und versteigern. Manche machen daraus eine Show, manche wippen nur mit ihrem Körper im Rhythmus zu ihrem Sprechen. Nach kaum 20min ist alles vorbei und wir werden über das Gelände zum Ausgang getrieben. Ohne uns eines Blickes oder gar Grußes zu würdigen, werden uns die Schutzwesten wieder abgenommen. Inszwischen ist es hell.
Das Fischereimuseum ist noch nicht offen und auf den Fischmarkt selber mag ich nicht warten, also fahre ich Richtung Ueno. Ich mag diese Zeit, wenn die Reste der Nacht auf den beginnende Tag treffen. Dann frühstücke ich in Ueno, kaufe Kümmel für das Abschiedsessen und fahre zurück. Ich bin müde; aber nur kurz. In Tokyo will ich nicht schlafen….


